Alter Markt



„Alter Markt“ ist die Bezeichnung für den zentralen Stadtplatz Potsdams. Er wird von Wohnbebauung, dem Landtags-Stadtschloss und dem Alten Rathaus umschlossen. Die Nikolaikirche ist auf historischen Karten als ein Teil des Platzes dargestellt. Zeitzeugen des 19. Jahrhunderts beschrieben den Alten Markt als einen der schönsten Plätze Europas.
Der Platz wird umschlossen von der Straße Am Alten Markt sowie Abschnitten der Humboldtstraße und der Brauerstraße. An seine Begrenzung schließt zudem die heutige Anna-Zielenziger-Straße an, die aus der ehemaligen Schloßstraße hervorgegangen ist.
Auf und am Alten Markt befinden sich folgende Bauwerke:
- Altes Rathaus
- Klingnersches Haus
- Knobelsdorff-Haus
- Landtagsgebäude
- Obelisk
- Palais Barberini
- Palazzo Chiericati
- Palazzo Pompei
- Sankt-Nikolai-Kirche
- Windelbandsches Haus
Entwicklung und Ursprung
Der Alte Markt entstand im Zuge der Besiedelung und damit mit der Gründung des Potsdams. Die halbkreisförmige Bebauung nördlich der damaligen Burganlage erklärt sich aus dem sumpfig-morastigen Untergrund. Für die frühe Kolonisation war gewöhnlich eine Rundbausiedlung – wie etwa im Rundangerdorf Neuendorf – typisch.
Aufgrund fehlender wirtschaftlicher Bedeutung blieb das „Städteken“ zunächst nur schwach entwickelt. Dennoch bildete der Alte Markt von Beginn an das zentrale Ortszentrum und ist bis heute der am zentralsten gelegene Platz Potsdams. Unter König Friedrich II. erhielt er in der Mitte des 18. Jahrhunderts seine repräsentative, an römischen Plätzen orientierte Gestaltung.
Zerstörung und Verlust (1945-1960)
Die Bombardierungen am Ende des Zweiten Weltkrieges, insbesondere in der Nacht von Potsdam am 14. April 1945, zerstörten nahezu das gesamte historische Stadtzentrum; am Alten Markt blieben lediglich vier Gebäude erhalten.
Im Zuge der städtebaulichen Neugestaltung Potsdams zur „sozialistischen Stadt“ wurden 1999 und 1960 – dem Zeitgeist der Ablehnung des Preußischen Militarismus und zugleich der akuten Wohnungsnot folgend – auch die erhaltenswerte Ruine des Potsdamer Stadtschlosses sowie das Fortunaportal gesprengt. Dadurch wurden archäologische Grabungen auf dem Areal des Alten Marktes möglich, bei denen Teile des mittelalterlichen Potsdams wieder zutage traten.
Neuorientierung nach 1990
Mit der politischen Wende setzte ein grundlegendes Umdenken in der Stadtplanung ein. Die Planungen der DDR galten als überholt – der Rohbau des noch zu DDR-Zeiten begonnenen Theaterneubaus für das damals dort geplante Hans-Otto-Theater wurde abgerissen. Anfang der 1990er Jahre wurde die Sanierungsträger Potsdam GmbH gegründet.
1993 bekräftigte die Stadtverordnetenversammlung mit den „11 Grundsätzen der Stadtentwicklung“ die Rückbesinnung auf den historischen Stadtgrund- und -aufriss. Ein wichtiger Impuls war die Bewerbung Potsdams für die Bundesgartenschau 2001: In diesem Zusammenhang wurde der Lustgarten neu gestaltet und das Fortunaportal durch private Spenden rekonstruiert.
Mit der Fertigstellung des Landtags im wiedererrichteten Stadtschloss (2014) fand ein zentraler Baustein der Neugestaltung seinen Abschluss. Seither wächst das Quartier schrittweise weiter, orientiert an historischen Vorbildern. Prägende DDR-Bauten wie die Fachhochschule und der Staudenhof wurden dafür abgerissen, was teils auf erheblichen Protest stieß.
Platzniveau und archäologische Befunde
Im Zuge der Wiederbebauung des Stadtschlossareals waren umfangreiche Vorarbeiten erforderlich, darunter die Verlegung von Straßen und Leitungen sowie archäologische Untersuchungen.
Beim Wiederaufbau des Fortunaportals wurde das historische Platzniveau ermittelt, das zwischen 20 und 120 Zentimeter unter dem heutigen lag. In den Jahren 2004 bis 2005 wurde der gesamte Platz entsprechend auf dieses Niveau abgesenkt.
Leitbautenkonzept und Stadtentwicklung seit 2010
Am 1. September 2010 beschloss die Stadtverordnetenversammlung das Integrierte Leitbautenkonzept für den Bereich Alter Markt. Es definiert Gestaltungs-, Nutzungs- und Verkehrsanforderungen für die Neubebauung.
Ziel ist es, die historische städtebauliche Struktur und Anmutung wieder erfahrbar zu machen. Stadtbildprägende Gebäude – insbesondere Eckbauten – werden durch rekonstruierte Fassaden („Leitfassaden“) oder durch architektonische Zitate hervorgehoben. Die übrige Bebauung erfolgt in zeitgenössischer Architektursprache, orientiert sich jedoch an den historischen Dimensionen.
Aktuelle Diskussionen
Heute stehen weniger Fragen der Rekonstruktion als vielmehr der Nutzung und Aufenthaltsqualität im Mittelpunkt. Diskutiert werden unter anderem die starke Versiegelung und Hitzeentwicklung auf dem Platz sowie Möglichkeiten, die Aneignung durch die Stadtgesellschaft zu stärken.
Der Alte Markt bleibt damit ein zentraler Stadtraum im Wandel und ein wichtiger Möglichkeitsraum für zukünftige Entwicklungen.
Bilder im Zeitraum 1900-1945
-
Marktszene, um 1900
-
Der Alte Markt, um 1912
-
Der Alte Markt, um 1920
-
Alter Markt, 1945
Bilder von 2007/08
-
Montagsdemo vor dem Fortunaportal, 2007
-
Fortunaportal, 2008
-
Blick vom Alten Markt zum Brauhausberg, 2008
-
Blick zur Fachhochschule, 2008
Quellen
- Christopher Lehmpfuhl „Alter Markt Potsdam" Sonderausstellung im Potsdam Museum, Webseite Förderverein, sowie rbb-Beitrag vom 29.05.2026 über die Ausstellung in „Der Tag in Berlin und Brandenburg"
- „Platz für Neues – Visionen für den Alten Markt 1945-2025“, Ausstellung im Potsdam Museum
- „Der Alte Markt von Potsdam“, Tobias Büloff, vbb-Verlag, 2018, ISBN 978-3-945256-85-5
- „Integriertes Leitbautenkonzept Potsdamer Mitte“, Webseite Sanierungsträger Potsdam GmbH
- Alter Markt - Artikel auf der Webseite potsdam.de
- Alter Markt (Potsdam) – Artikel bei der Wikipedia
- Friedrich Mielke: Das Bürgerhaus in Potsdam, Verlag Ernst Wasmuth Tübingen 1972, ISBN 3 8030 0016 5, Textteil S. 24 ff.
- Von 993 bis 1660 - Von Potztumi zur Residenzstadt: Artikel auf potsdam.de