Bornimer Kirche

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Die Bornimer Kirche von Westen, im Frühjahr 2009

Die Bornimer Kirche steht im Potsdamer Ortsteil Bornim in der Potsdamer Straße Ecke Rückertstraße. Sie ist ein neogotischer Saalbau mit einem 55 Meter hohen Turm. Sie wurde von 1901 bis 1903 errichtet.

Geschichte

Eine erste Kirche wird im Potsdamer Stadtteil Bornim bereits 1289 erwähnt. Um 1500 wurde eine neue Kirche errichtet, vermutlich wegen Baufälligkeit des Vorgängerbaus. Bei diesem Kirchenbau handelte es sich um einen rechteckigen Feldsteinbau, der 1746 um einen barocken Aufsatz auf dem Turm erweitert wurde.

Im 19. Jahrhundert fanden mehrere Kirchenreparaturen statt. Die Baufälligkeit sowie der Umstand, dass die Kirche für das immer größer werdende Bornim zu klein wurde, führten dazu, dass Überlegungen für einen Kirchenneubau entstanden. Sämtliche Pläne aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden aber von den zuständigen Stellen abgelehnt.

Erst 1898 sollte Bewegung in die Sache kommen. Am 14. September dieses Jahres fand eine Besichtigung der Kirche mit dem Geheimen Regierungs- und Baurat Ludwig von Tiedemann statt. Danach wurde sich für den Neubau einer Kirche mit etwa 700 Plätzen entschieden. Als Alternative zum Neubau stand auch die Erweiterung der alten Kirche zur Diskussion.

Im Juni 1901 wurde schließlich die alte Kirche abgebrochen. Darauf wurde mit dem Neubau begonnen, der auf einem Entwurf von Tiedemanns basiert. Am 12. Juni 1902 konnte Richtfest gefeiert werden und am 11. Juni 1903 wurde die Kirche eingeweiht. Dieser Akt fand in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. und seiner Gemahlin Auguste Viktoria statt. Die Kaiserin hatte bereits das Protektorat für den Kirchenneubau übernommen.

Hierauf sollte es noch zu einem Jahre schwelenden Rechtsstreit zwischen der Kirchengemeinde Bornim und der Königlichen Regierung kommen. Letztere verlangte von der Gemeinde eine Nachzahlung von mehr als 2.700 Mark Bauleitungsgebühren. Erst 1914 entschied das Landgericht Potsdam zugunsten der Gemeinde.

In die Kirche wurden drei aus dem 14. Jahrhundert stammende Glocken aus dem Vorgängerbau übernommen. Eine der Glocken musste 1914 sowie 1935 wegen Sprüngen umgegossen werden. 1944 wurde sie zur Rüstungsproduktion beschlagnahmt und eingeschmolzen. Die beiden anderen mittelalterlichen Bronzeglocken blieben aber erhalten.

Ausstattung

Der Altar der Kirche besteht aus einem Unterbau aus Sandstein und einem Aufsatz aus Eichenholz. In diesem sind die Symbole der vier Evangelisten sowie ein Kruzifix eingearbeitet. Die Altarbibel wurde von Kaiserin Auguste Viktoria gestiftet und von ihr mit einer eigenhändigen Widmung versehen.

Links und rechts des Altars befinden sich die hölzerne Kanzel sowie der Taufstein aus Sandstein. Er ist eine Arbeit im neoromanischen Stil. Daneben gibt es noch einen Taufstein aus Terrakotta aus dem 19. Jahrhundert, der in der Winterkirche, einer ehemaligen Seitenempore, seinen Platz gefunden hat.

Dieser Taufstein wurde, ebenso wie zwei Gemälde, aus der Vorgängerkirche übernommen. Bei diesen Kunstwerken handelt es sich um die Darstellung eines Christuskopfes aus dem späten 18. Jahrhundert sowie ein Bild des dornengekrönten Christus aus der Zeit um 1750. Dieses Gemälde war das Altarbild der Vorgängerkirche.

Im Chorraum befinden sich zwei monumentale Wandgemälde. Das Gemälde auf der Nordseite zeigt die Segnung der Kinder durch Jesus, während das Bild auf der Südseite Jesus auf dem Weg nach Emmaus zeigt. Den Abschluss des Chores bildet die Ostwand mit zwei runden über sechs spitzbogigen Fenstern. Im 2. Weltkrieg wurden die alten Fenster durch eine Druckwelle, ausgelöst durch eine Luftmine, zerstört. So wurden 1951 neue Fenster eingeweiht. Ihre Ausmalung wurde durch den damaligen Bornimer Pfarrer mitgestaltet. Die Rundfenster zeigen Jesus in der Krippe sowie die Heilung eines Besessenen, während die spitzbogigen Fenster Symbole für Christus darstellen, beispielsweise das Christusmonogramm.

Die über dem Eingang befindliche Orgel ist ein Werk der Firma Sauer aus Frankfurt an der Oder. Sie wurde durch Kaiser Wilhelm II. gestiftet.

Nutzung

In der Bornimer Kirche findet allwöchentlich um 10:30 Uhr Gottesdienst statt. Daneben gibt es in der Kirche gelegentlich Konzerte, zum Beispiel alljährlich das Adventskonzert der Städtischen Musikschule Potsdam.