Einsiedelei am Jungfernsee

Aus PotsdamWiki

Einsiedelei am Jungfernsee, Sommer 2011

Die in Potsdam befindliche Einsiedelei am Jungfernsee, auch als Eremitage bezeichnet, wurde 1796 von den Baumeistern Carl Gotthard Langhans und Hofzimmermeister Johann David Brendel (1753-1803) im Auftrag von Friedrich Wilhelm II. im Neuen Garten direkt am Jungfernsee errichtet.

Der kleine Holzpavillon hatte keine Fenster und wurde nur durch eine Öffnung im Dach erhellt. Der Fußboden war mit weißem italienischen Marmor ausgelegt, wobei die Raummitte mit einer Weltkarte aus Marmorintarsien verziert war. Der Innenraum war mit Gipsfiguren und die Decke mit figürliche Darstellungen der acht Planeten geschmückt.

Den mit Borke verkleideten Wänden waren außen Baumstämme vorgestellt, das spitzbogige Dach war mit Rohr gedeckt. In ihrem äußeren Erscheinungsbild eine schlichte Waldarbeiterhütte vortäuschend, spiegelt dieser Staffagebau die zeitgenössische Mode der Gartenarchitektur wider.

Die Einsiedelei am Jungfernsee verfiel nach 1945 und wurde im Jahr 1964 wegen des Mauerbaus abgetragen. Die Innenausstattung konnte jedoch fast komplett gerettet werden und wurde von der Schlösserverwaltung eingelagert. Im Jahr 1995 wurde mit der Restaurierung der Eremitage auf dem erhalten gebliebenen Sockels Fußboden begonnen.

Skulptur stand in unmittelbarer Nachbarschaft

Artemis - Original und Modell - in der Skulpturenwerkstatt, 2023

Unweit der Einsiedelei liegt im Gehölz ein runder Platz, auf dem zur Zeit Friedrich Wilhelms II. eine Figur der Artemis Ephesia stand, die damals auch als Isis bezeichnet wurde. Die Darstellung der griechischen Göttin der Jagd und des Waldes war von zwölf Kanopen, vasenförmigen ägyptischen Bestattungsgefäßen, umgeben. Eine Beschreibung von 1888 charakterisiert den Ort als besonders stimmungsvoll: „Der stille Ort an der weiten Seefläche war besonders bei Mondschein von eigentümlicher Wirkung“ und geeignet, „die Fantasie auf ägyptischen Mysterien zu lenken“.

Die Sandsteinfigur Artemis hat durch Wettereinflüsse und Vandalismus großflächige Abtragungen. Anhand von historischen Fotografien können die Restauratoren Details für das Modell in der Skulpturenwerkstatt der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten nachbilden. Geplant war ursprünglich eine Übertragung auf Sandstein, aktuell wird ein Bronzeguss avisiert. Die Rekonstruktion wird vom Verein Berliner Vorstadt durch Spenden finanziert.

Quellen

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung von PotsdamWiki. Durch die Nutzung von PotsdamWiki erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies speichern.