Fortunaportal

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Fortunaportal, im Sommer 2006

Das Fortunaportal befindet sich in der Innenstadt von Potsdam auf dem Alten Markt, am Fuße der Sankt-Nikolai-Kirche. Es war früher das Eingangsportal zum Innenhof des ehemaligen Stadtschlosses.

Geschichte

Das Fortunaportal wurde im Jahre 1701 von dem holländischen Architekten Jean de Bodt als Eingangstor zum damaligen Schloss entworfen und aus Anlass der Krönung des ersten preußischen Königs Friedrich I. eingeweiht. Mit der Krönung war es ihm gelungen, die Rolle Brandenburg-Preußens unter den deutschen Fürstentürmern zu stärken. Dieser Bau sollte das sichtbare Zeichen dafür sein. Die Errichtung des Fortunaportals gilt seitdem auch als Beginn der klassischen Potsdamer Baukunst.

Ruine vom Fortunaportal und vom Westflügel des Stadtschlosses; 1945

Bei einem Bombenangriff auf Potsdam in der Nacht von Potsdam wurde es schwer beschädigt, war aber noch bis auf die Kuppel in seinen Grundmauern erhalten. 1959/1960 wurde es zusammen mit dem gesamten Komplex des Stadtschlosses gesprengt. Vom ursprünglichen Fortunaportal konnten nur sehr wenige originale Teile gerettet werden. Dazu gehören der steinerne Kopf der Minerva – der römischen Göttin der schönen Künste und des Gewerbes. Der Kopf war aus den Trümmern der gesprengten Stadtschlossruine geborgen worden.

Im Jahr 2001 konnte mit Hilfe von Fernsehmoderator Günther Jauch auf dem Alten Markt das Fortunaportal, nach insgesamt zweijähriger Bauzeit (der erste Spatenstich fand am 8. September 2000 statt), als erster Teil eines Ensembles rund um das künftige Stadtschloss wieder aufgebaut werden. Der originalgetreue Wiederaufbau, für den eine Bausumme von ca. drei Millionen Euro angegeben wird, erfolgte u.a. mit einer Spende der Zement- und Betonindustrie, in dem Günther Jauch die Werbeinitiative („Beton. Es kommt darauf an, was man draus macht!“) moderierte, und auf den Großteil seiner Tantiemen zugunsten dieser Spende verzichtete. Im Gegensatz zum geplanten Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses (nur eine Orientierung am Original geplant), ist dieses Portal und insbesondere auch seine noch fehlenden Skulpturen, beruhend auf einer fundiertem wissenschaftlich-historischen Grundlage und dem historischen Vorbild erfolgt.

Die Rekonstruktion der aus dünnem Kupfer getriebenen und vergoldeten Fortuna war möglich, da es historische Aufnahmen des ursprünglichen Portals gibt und damit heute Form und Farbe dem Original entsprechen. In der 2,15 Meter hohen und rund 5 Zentner schweren Figur, die sich im Wind dreht, wurden am Tag der Einweihung, dem 12. Oktober 2002, u.a. durch Günther Jauch und den Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs, verschiedene Dokumente versenkt. Die beiden Schlusssteinköpfe, der bildhauerische Schmuck über beiden Seiten des Torbogens, stellen Minerva und Herkules dar. Das malerische gemeinsame Sichtfeld der Kuppeln der Nikolaikirche, des Alten Rathauses und des Fortunaportals wirbt seitdem wieder für die brandenburgische Landeshauptstadt und dient oft als Hintergrund für überregionale Berichterstattung aus dem Land Brandenburg und auch als Kulisse für z. B. die Neujahrsansprachen des Ministerpräsidenten, da dieses Portal einen hohen Wiedererkennungswert für Potsdam darstellt.

Das Portal bildete zunächst nur einen „Torso“ der nach und nach um die originalgetreu rekonstruierten Flügelbauten ergänzt wurde. Die Anfertigung der anfangs noch fehlenden Figurengruppen nahm mehrere Jahre in Anspruch. Ab 2012 erfolgte die Einbindung des Fortunaportals in des Ensemble des im Bau befindlichen Stadtschlosses.

Früheres Aussehen

Das Fortunaportal, um 1930

Auf den vier Pfeilern des Galeriegeschosses rahmten ursprünglich auch vier Plastiken den Kuppelaufsatz. Die Kuppel selbst wurde ebenfalls von vier Trophäen eingebunden. Diese Sandsteinarbeiten fassten und lockerten in einem genau ausgerechnetem Gleichgewicht die Silhouette des Portals auf. Über all diesem balancierte die Göttin Fortuna. Das gleiche gilt auch über den „Preußenadlern“ der unteren Ebene. Sie steht auf einer Kugel und stellt den politischen Balanceakt zwischen der Wandelbarkeit des Irdischen und der Sphäre des Göttlichen, der Ethik und der zeitlosen Werte dar. Vereinfacht ausgedrückt heißt das, ohne eine mutige, zupackende und gleichzeitig wohlüberlegte Politik ist keine öffentliche Wohlfahrt möglich, wobei für die Wohlfahrt das Füllhorn der Fortuna steht. Die vier Skulpturen des Fortunaportals sind mit hoher Wahrscheinlichkeit von den zwei damals berühmten Künstlern, Guillaume Hulot (1660–1722) und René Charpentier (1680–1723) umgesetzt worden.

Die unteren vier Adlergruppen hatten Abmessungen von etwa 3,80 Meter mal 2,40 Meter und wogen fast 9 Tonnen. Sie waren damit damals die ersten freistehenden Monumentalplastiken in der neueren Baugeschichte der Mark Brandenburg und Preußens.

Die gesamte Architektur und die Skulpturen des Fortunaportals stellen eine untrennbare Einheit dar. Das bedeutet aber, dass ohne die wichtige rahmende Skulpturengruppe die Fortuna eine „Dame ohne Unterleib“ bleiben würde. Nur mit deren Rekonstruktion bzw. Wiederherstellung ist das Portal dann inhaltlich und formal vollständig wiederhergestellt. Die Brisanz dieser Rekonstruktion wird auch daraus ersichtlich, dass in den meisten wissenschaftlichen Werken zur Bildhauerkunst des 18. Jahrhunderts diese Skulpturen und das Fortunaportal sehr gewürdigt worden sind.

Weblinks