Freundschaftsinsel

Aus PotsdamWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Freundschaftsinsel

Einst aus Schwemmland an der Mündung der Nuthe in die Havel entstanden, lag die Insel schon immer abgeschieden inmitten der reizvollen Flusslandschaft und zugleich unmittelbar in der Innenstadt von Potsdam. Auf Anregung Karl Foersters und in Zusammenarbeit mit Hans Kölle entstand von 1938 bis 1940 hier der erste Schau- und Sichtungsgarten für winterharte Blütenstauden, Farne und Gräser. Als lebendiger Ort hoher gartenkünstlerischer Qualität kann die Freundschaftsinsel damit zu Recht als eines der bedeutendsten Gartendenkmale des 20. Jahrhunderts in Deutschland angesehen werden.

Geschichte

Vor 1945

Von 1718 bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war die Schwemmsandinsel von einem Palisadenzaun durchzogen, der als Teil der Stadtmauer die Flucht von Soldaten verhindern sollte. [1] Ihren Namen erhielt die Freundschaftsinsel vor rund 150 Jahren von einem dort gelegenen Gasthaus. Ab 1845 betrieb der Schwiegersohn des Tabakhändlers Gems auf der Insel ein Ausflugsrestaurant mit dem Namen „Insel der Freundschaft“. Zu einem gartenkünstlerischen Kleinod wurde die Freundschaftsinsel in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Auf Anregung des Staudenzüchters Karl Foerster (1874–1970) und nach den Entwürfen des Gartengestalters Hermann Mattern wurde ein Schau- und Sichtungsgarten angelegt. [2] Der Garten wurde im Frühjahr 1941 mit 2.200 Staudenarten und -sorten sowie 270 verschiedenen Rosenpflanzen eröffnet. Vorbilder für die Gartenanlage waren beispielsweise der Palmengarten in Frankfurt, der Sichtungsgarten in Wisley und der Botanische Garten in Dresden. [3] Ziel war die Schaffung eines facettenreichen Gartens, sowohl für Laien als auch für Fachleute. Staudenarten verschiedenster Herkunft und neue Züchtungen konnten in diesem Rahmen systematisch gepflanzt und studiert werden.

1945 bis 2001

Nach dem 2. Weltkrieg war das Gelände von Schützengräben durchzogen. Um die harten Nachkriegsjahre zu überstehen, pflanzten die Potsdamer Gemüse auf den Beeten an. Karl Foerster war im Jahre 1951 der Initiator für den Wiederaufbau. Nach den Entwürfen der Gartenarchitekten Hermann Göritz und Walter Funcke entstand der Schau- und Sichtungsgarten neu. In den 70er Jahren wurden im Rahmen der 10. Weltfestspiele der Jugend eine breite Asphaltstraße, ein Kiosk, die Freilichtbühne und ein Insel-Café in die Gartenanlage integriert. Die letzten Bootsschuppen und Kleingärten verschwanden und der Ausstellungspavillon wurde errichtet. [4] Die Freundschaftsinsel entwickelte sich mehr und mehr zum Naherholungsziel. Seit 1977 stellt die sieben Hektar große Anlage ein eingetragenes Gartendenkmal dar und trägt den Status eines Flächendenkmals. Anfang der 90er Jahre kam es zu Schwierigkeiten mit Vandalismus, Diebstahl und dem Niedergang der Gastronomie auf der Insel. 1996 begann man mit einer umfassenden Rekonstruktion und Sanierung der Baulichkeiten, Wege und Gehölzbestände. Potsdam investierte für diese Maßnahmen 7,5 Millionen DM, um die Insel pünktlich zur BUGA als Gartenjuwel erstrahlen zu lassen. Zwei Jahre lang wurden alle Staudenzüchtungen Foersters zusammengetragen. Auf 7.000 Quadratmeter Pflanzfläche wurden über 70.000 Stauden (1.200 Sorten) angepflanzt, unter ihnen auch die einzigartige Karl-Foerster-Staudensorte. Die Vorliebe Foersters für Phlox und Rittersporn ist bis heute sichtbar. Man legte vor allem Phloxe, Astern und Palmlilien an. (Stand: 2006; Quellen: Hotels-Potsdam.de und Der Schockwellenreiter)

Ab 2001

2001 war es so weit: Die Freundschaftsinsel stellte einen der Schauplätze der Potsdamer Bundesgartenschau dar, der sämtliche denkmalpflegerische Kriterien erfüllte. Die Freundschaftsinsel lud getreu dem Motto der BUGA „Gartenkunst zwischen gestern und morgen“ ihre Besucher zu einem Spaziergang durch drei Jahrhunderte Gartengeschichte ein. (Quelle: Brandenburg.de)

Heute erfreut sich die öffentliche Insel wachsender Beliebtheit. Sie ist ein Kleinod unter den Gartenanlagen in Potsdam: Natur- und Skulpturbetrachtung, Erholung und Freizeit locken Besucher aus nah und fern. Landschaft und Kultur vereinen sich in der Parkanlage und laden zur Entspannung ein. Bereichert wird das Angebot durch sommerliche Kulturveranstaltungen auf der Freilichtbühne, Ausstellungen im Pavillon, einen jährlichen Staudenbasar, Bootsverleih und mehr. Auch Familien mit Kindern verbringen auf der Insel gern ihre Zeit – nicht nur zum Entenfüttern, sondern auch auf dem abenteuerlichen Spielplatz.

Kunst

Skulpturen

Hommage an Karl Foerster

Verteilt auf der gesamten Insel befinden sich Skulpturen aus Stein, Stahl oder Bronze. Begründet wurde die Sammlung im Jahr 1966 durch die Ausstellung "Plastik im Freien", die als Bilanz des bildkünstlerischen Schaffens in der DDR gedacht war. Heute sind über 20 Skulpturen von Künstlern wie Christian Roehl, Walter Arnold und Jürgen von Woyski zu besichtigen. In der Mitte der Insel ließ die Stadt Potsdam anlässlich des 100. Geburtstages von Ehrenbürger Karl Foerster 1974 eine Metallplastik von Christian Roehl aufstellen. Sie trägt das Foerster-Zitat: "Wer Träume verwirklichen will, muss wacher sein und tiefer träumen als andere"[5].

Ausstellungspavillon

In den Jahren 1972/73 wurde ein Ausstellungspavillon, ein Glas-Klinker-Bau mit zeittypischem Rosengarten, auf der Insel gebaut. Er diente als Ort für Ausstellungen zu Foerster- und Garten-Themen. Ebenso wurde Kunsthandwerk gezeigt, z.B. Keramiken von Hedwig Bollhagen, außerdem Malerei, Skulptur sowie Fotografie. Im Januar 1988 fand im Pavillon die Trauerfeier für den Potsdamer Gartenarchitekten Walter Funcke statt. Heute werden dort regelmäßig Ausstellungen mit zeitgenössischer bildender Kunst gezeigt.

Freizeitaktivitäten

Gastronomie

Kaffee und Kuchen

Seit dem Frühjahr 2001 zieht das „Daily Coffee", ein Selbstbedienungscafé mit großem Angebot an Kuchen und diversen Kaffeesorten, Jung und Alt gleichermaßen an. Mit Blick auf die Havel lässt sich am Nachmittag gemütlich die Zeit vertreiben, während die Kinder den nahe gelegenen Spielpatz aufsuchen. Am Abend wird das Café zum Biergarten. Ein Höhepunkt ist der Open Air Brunch an Wochenenden und Feiertagen. Das „Daily Coffee“ ist ein reines Ausflugslokal und in den Wintermonaten geschlossen.

Öffnungszeiten in der Saison vom 15. April bis 15. Oktober: täglich von 10 bis 22 Uhr

Spielplatz

Der Spielplatz unweit des „Daily Coffee“ gehört zu den beliebtesten Potsdams. Umrahmt von hohen Bäumen ist er ein Refugium für Kind und Eltern, abseits von Verkehr und Lärm. Die Holzgeräte laden insbesondere die etwas älteren Kinder zum Toben ein, während die Kleinen im ausgedehnten Sand buddeln oder sich in Kleingruppen in der runden Schaukel vergnügen können. Leider ist auch der Spielplatz nicht vom Vandalismus verschont geblieben. So wurde im Sommer 2005 die von Kind und Eltern geliebte Pumpe des Spielplatzes entwendet und im Herbst 2006 eine angrenzende Parkbank mit Graffiti beschmiert.

Bootsverleih

Rudern mit Freunden

Der Bootsverleih auf der Freundschaftsinsel liegt an der Alten Fahrt am Ende der Insel. Von April bis Oktober ist dort täglich geöffnet. Das Angebot an Booten ist überaus vielfältig: Ob Ruderboot, Kajak, Kanadier, Tretboote, oder Motorboot, für jeden Sportstyp ist etwas dabei. Die Boote können Stunden- oder Tageweise gemietet werden. Konditionen und Preise finden sich auf der Website des Bootsverleihs.

Freilichtbühne

Die Freilichtbühne auf der Insel umfasst 400 Plätze. Von Frühjahr bis Herbst finden hier regelmäßig Kultur- und Musikveranstaltungen aller Art statt.

Vandalismus

Zerstörungen

Schönheit des Menschen in der Natur

Die durch Vandalismus entstandenen Schäden betrugen im Jahr 2004 ca. 34.000,00 Euro und 2005 bereits ca. 43.000,00 Euro. Erheblich beschädigt wurden in den Anlagen und Pflanzbeeten zahlreiche Pollerleuchten, Erläuterungsschilder, Sandsteinplatten, Pflanzgefäße, Pergolen und in besonderem Maße die Bänke, hinzu kamen an den Gebäuden zerstörte Verbundglasscheiben, Graffiti-Schmierereien, Einbruchdiebstähle und zerstörte Toranlagen. Seit Sommer 2006 haben die Zerstörungen in einem Ausmaß zugenommen, das die Erhaltung des eingetragenen Gartendenkmals ernsthaft gefährdet.

Der leitende Inselgärtner Jörg Näthe ist verzweifelt, die Beseitigung der Zerstörungen ist von ihm und seinen Mitarbeitern kaum mehr zu bewältigen. Ende Juli 2006 begegnete Näthe die bisher schockierendste Form von Vandalismus, begangen an der Figurengruppe „Schönheit des Menschen in der Natur“. „Geschlechtsteile wurden abgetreten, die Figuren mit Glasflaschen malträtiert und mit einem alten Computer beworfen.“ [6] Auf dem Wirtschaftshof der Freundschaftsinsel gibt es mittlerweile einen "Friedhof" zerstörter oder sogar mitsamt Fundament herausgerissener Parkbänke, das Kontingent an Ersatzbänken der Inselgärtnerei ist inzwischen erschöpft, die Bänke werden den Inselbesuchern künftig dauerhaft fehlen.

Maßnahmen

Der Geschäftsbereich Stadtentwicklung und Bauen der Stadt Potsdam beabsichtigt Maßnahmen zur Bekämpfung des Vandalismus einzuleiten. Das Gelände der Freundschaftsinsel, insbesondere die zentrale Einfriedung der Staudenanlage, soll je nach Jahreszeit zwischen 18.00 und 22.00 Uhr geschlossen und durch Bauzäune bzw. Tore geschützt werden, im Sommer eine halbe Stunde vor Anbruch der Dunkelheit. Außerdem werden die Kontrollgänge des Wachdienstes vermehrt sowie die Präsenz von Polizei und Ordnungsamt verstärkt. Neben diesen restriktiven Maßnamen ist geplant, dass Streetworker zusätzliche Aufklärungsarbeit für jugendliche Inselbesucher leisten werden.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse fordert Inselgärtner Näthe alle denkbaren Schutz- und Kontrollmaßnahmen: „Ich bin inzwischen für alles, was hilft.“ [7]

Die in diesem Zusammenhang geforderte Videoüberwachung sei aber abgesehen von Kosten eine zu rigide Gegenmaßnahme, so die Baubeigeordnete Kuik-Frenz. Nach Protesten aus Politik und Öffentlichkeit wird die Insel doch länger geöffnet bleiben als zuerst angekündigt; die provisorischen Absperrungen an den drei Zugängen werden um 20 Uhr geschlossen und um 6 Uhr wieder geöffnet, damit auch Berufstätige weiterhin Gelegenheit haben, das Gartendenkmal zur Erholung zu nutzen.

Der Verein „Freunde der Freundschaftsinsel e.V.“

Der Verein „Freunde der Freundschaftsinsel e.V.“, der im Jahr 2003 ins Leben gerufen wurde, setzt sich für den Erhalt und die Entwicklung der Insel ein. Er organisiert Veranstaltungen, Führungen und Festlichkeiten auf der Insel „mit dem Ziel, Wissen um die gartenkünstlerischen Werte der Freundschaftsinsel, die schöpferischen Ideen Foersters sowie Freude an der Schönheit zu vermitteln.“ Der Homepage sind neben Informationen zum Verein auch Veranstaltungshinweise zu entnehmen sowie eine Spaziergangsbeschreibung mit detaillierten Angaben zu Baum- und Pflanzenbestand der Gartenanlage.

Weitere Bilder

Weblinks

Quellen