Großes Militärwaisenhaus

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Schauseite des Waisenhauses in der Lindenstraße, Frühling 2006

Das ehemalige Große Militärwaisenhaus in der Innenstadt von Potsdam bestand aus einem fast geschlossenem Karree, welches die Lindenstraße, die Breite Straße, die Dortustraße und die Spornstraße umfaßte. Der Haupteingang gefand sich in der Lindenstraße 34, gegenüber der Voltaire-Schule. Mit seinem Tempelturm (Monopteros) und der damit gekrönten Caritas-Figur ist es heute eines der Wahrzeichen von Potsdam.

Gechichte

Die Stiftung

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Ansicht von der Breiten Straße, Februar 2008
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Ansicht Lindenstraße, Mitte 2006

Im Jahr 1724 gründete König Friedrich Wilhelm I. die Stiftung, die den Bau des Großen Militär-Waisenhauses ermöglichen sollten. Es war eine mildtätige Stiftung Preußens nach dem Vorbild der Halleschen Musteranstalten des Theologen August Hermann Francke. Das Ziel der Stiftung war es, unversorgte Kinder von Militärangehörigen zu verpflegen und unterzubringen. Es gab eine eigens dafür errichtete Erziehungsanstalt, wo die Kinder im Christentum, Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet und ausgebildet wurden. Am 1. November 1724 zogen die Mädchen und Jungen im Alter von 6 bis 17 Jahren in das Haus ein. Das Große Militärwaisenhaus bildet den einen Komplex, zu dem die Gebäude Dortustraße 36, Lindenstraße 34 und das Lazarett in der Breiten Straße 9 gehören. Dabei handelte es sich um eine Einrichtung zur Versorgung der Soldatenkinder und zu deren Bildung. Im 19. Jahrhundert spielte auch die vormilitärische Ausbildung eine Rolle. Das Militärwaisenhaus war für 1.000 Zöglinge konzipiert.

Den Zöglingen sollte mit der Ausbildung eine Basis für eine spätere eigenverantwortliche Existenz mitgegeben werden. Diese Bedingungen ermöglichten den Kindern eine über die Verhältnisse hinausgehende Fürsorge, Erziehung und Ausbildung. Die Jungen erlernten nach ihrer schulischen Ausbildung einen Handwerksberuf, die Mädchen hingegen wurden in der Hauswirtschaft unterrichtet. Die Lehrer erzielten sehr gute Leistungen bei ihren Schülern. Einige der erprobten Unterrichtsmethoden fanden auch in anderen preußischen Schulen Anklang.

Im Zuge der Aufklärung im 18. Jahrhundert wurden Reformen durchgeführt. Das gesamte Erziehungswesen wurde nach den Ideen des märkischen Schulreformers F. E. von Rochow umgestaltet. Dabei wurden große Teile der Schulbücher und Unterrichtsmethoden erneuert.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde, entsprechend dem Versailler Vertrag, der militärische Teil aus em Waisenhaus entfernt. Somit wurden nicht mehr nur die Kinder von Soldaten, sondern auch die Kinder von preußischen Staatsbeamten aufgenommen. Die Anstalt wurde ziviler. In den 1920er Jahren veränderte sich durch den Eindruck der reformpädagogischen Entwicklung das Schulsystem des Waisenhauses grundlegend. Das Alltagsleben und der Unterricht im Waisenhaus wurden moderner und abwechslungsreicher. Im Jahr 1938 wurde das Waisenhaus von der Militärverwaltung der Wehrmacht übernommen. Kurz darauf wurde ein anstaltseigenes Gymnasium gegründet. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Schützlinge in weniger bombengefährdete Gebiete Deutschlands und Österreichs evakuiert.

Bis zum Jahr 1952 bestand die Stiftung mit veränderter Satzung unter dem Namen „Potsdamsches Großes Waisenhaus“ weiter. Jedoch wurde sie am 01.04.1952 auf rechtswidrigen Beschluss der damaligen Regierung des Landes Brandenburg aufgelöst. Das gesamte Eigentum der Stiftung wurde in das Volkseigentum überführt.

Im Jahr 1992 wurde die Stiftung nach 40-jähriger Unterbrechung wiederbelebt. Am Anfang verfügte sie über kein Geld- oder Sachvermögen. Seit dem Jahr 1994 kann sie sich jedoch wieder selbst finanzieren, nachdem Anfangs das Land Brandenburg Zuschüsse gegeben hatte. Eine Finanzquelle ist zum großen Teil die Verpachtung des Waisenhauses und anderer Immobilien.

Angepasst an die heutigen Bedingungen sollen innovative, über das Regelangebot hinausgehende Projekte in die Erziehung der Kinder und Jugendlichen sowie den Betrieb von Betreuungs-, Erziehungs- und Berufsbildungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche gefördert werden. Ein Schwerpunkt liegt auch in der Betreuung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen. Die jungen Menschen sollen zu weltoffenen, verantwortungsbewussten und toleranten Persönlichkeiten erzogen werden.

Das Gebäude

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Die Caritas, im Frühjahr 2008

In den Jahren 1773 und 1774 wurde das Stiftungsgebäude im Zuge einer grundlegenden Neugestaltung durch einen Kuppelbau im Stil des preußischen Spätbarocks errichtet. Die Kuppel wurde von Carl von Gontard entworfen, wie auch der gesamte viergeschossige Bau. Das von acht Säulen getragene, tempelartige Bauwerk stellte mit seinen 46 Metern Höhe einen gut sichtbaren Blickfang dar. Die Spitze wird von einer Caritas-Figur mit einem Öl-Zweig und brennenden Herzen gekrönt, welche die christliche Barmherziegkeit und Nächstenliebe symbolisiert.

In der Nacht von Potsdam, am 14. April 1945, verbrannte der Rundtempel mit den Säulen (Monopteros) und stürzte durch den hölzernen Dachstuhl. Die Caritas war daraufhin verschollen. Es gibt jedoch auch Vermutungen, dass sie schon vorher eingeschmolzen wurde, denn sie bestand aus Kupferblech.

In den 1950er Jahren wurden einige Elemente des Kuppelbaus nachgegossen, jedoch waren diese aus Beton und teilweise nicht sehr passend mit Weingläsern bestückt. Deswegen musste alles bei der neuesten Restaurierung neu angefertigt werden. So die Säulen, die Kapitelle, die Vasen und die Putten. Dank detaillierter Fotos konnten die meisten dieser Elemente gut wiederhergestellt werden. Mehr Probleme bereitete jedoch die Caritas-Figur. Sie war auf vielen Fotos nur unscharf zu erkennen und stellte eine große Herausforderung für den Bildhauer Andreas Hoferick dar.

Im Jahr 2004 wurde die Restaurierung beendet, und die 3,75 Meter hohe Figur steht wieder auf ihrem Turm in der Lindenstraße. Die Kosten von 4,2 Million Euro wurden von der Stiftung „Großes Militär-Waisenhaus zu Potsdam“, der Stadt Potsdam und dem Land Brandenburg, der Bevölkerung und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz getragen.

siehe auch

weitere Bilder

Weblinks

Quellen