Justizzentrum

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Das Justizzentrum,
Sommer 2008

Das heutige Justizzentrum im Potsdamer Stadtteil Jägervorstadt befindet sich in der Jägerallee 10 bis 12. Das Gebäude war früher eine Unteroffiziersschule. Zu den architektonisch erwähnenswerten Details in dem denkmalgeschützten Komplex zählen die von Karl Friedrich Schinkel entworfene Treppe und das Archivgebäude.

In dem Gebäude haben das Landgericht Potsdam, das Amtsgericht und das Verfassungsgericht Brandenburg ihren Sitz.

Weitere Gerichtsstandorte sind:

Geschichte

Als der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg in den Jahren 1660 bis 1670 unter anderem die Allee gegen Eichberg anlegen ließ (Eichberg ist der heutige Pfingstberg), wurde an ihrem Ende eine Fasanerie errichtet. Sie diente der Zucht und Pflege von Fasanen, die als Jagdopfer benötigt wurden. Im Jahr 1729 ließ König Friedrich Wilhelm I. das Ensemble in einen Jägerhof umbauen. Neben Aufenthaltsmöglichkeiten mußten auch Räumlichkeiten für die Unterbringung der Jagdutensilien des Hofes eingerichtet werden. Friedrich II. nutzte das Haupthaus hauptsächlich für seine Seidenzucht. Da dies bekanntlich nicht funktionierte, verfiel das kaum genutzte Gebäude zusehends. 1825 erfolgte der Abriß der Überreste für die Neubebauung.

Unteroffiziersschule

Die Unteroffiziersschule wurde in den Jahren von 1826 bis 1828 nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel und durch den Baumeister Johann Georg Carl Hampel ausgeführt. Den Auftrag dafür gab König Friedrich Wilhelm der Dritte. Es gab zahlreiche Änderungen und in den folgenden Jahrzehnten immer wieder Anbauten, die den Originalentwurf veränderten. Bis heute bewahrt sind die dreigeteilten Fenster am klassizistischen Hauptgebäude, die viel Licht in jeden einzelnen Raum einlassen. Der Komplex wurde bis zum Jahr 2008 zu einem Justizzentrum umgebaut.

Seit dem Jahr 1820 gab es in Potsdam ein Lehr-Infanterie-Bataillon, zu dem ab dem Jahr 1825 eine Schulabteilung gehörte. Hier wurden Jungen aus dem Großen Militär-Waisenhaus und der Militär-Knaben-Erziehungsanstalt in Annaburg als Unteroffiziere ausgebildet. Für sie wurde das große Hauptgebäude an der Jägerallee errichtet, dessen Besonderheit eine Heißluft-Zentralheizung war.

Ab dem Jahr 1860 befand sich hier die Unteroffiziersschule zu Potsdam. Diese Unteroffiziersschule diente als Mustereinrichtung für den Aufbau weiterer Schulen. Immer wieder wurden hier Kontingente von Offizieren, Unteroffizieren und Unteroffiziersschülern abgezogen, um als Stamm für den Aufbau neuer Unteroffiziersschulen in Preußen zu dienen.

Das Personal wurde mehrfach aufgestockt. Um dem wachsenden Platzbedarf zu begegnen, wurden Anbauten vorgenommen, so zum Beispiel im Jahr 1909 und 1910, als die Schule ein Wirtschaftsgebäude, ein Familienwohnhaus für sieben verheiratete Unteroffiziere, eine Waffenmeisterei, einen Pferdestall und ein Exerzierhaus erhielt.

Von 1920 an wurde der Gebäudekomplex als Kaserne von der Sicherheitspolizei genutzt und ab 1921 von der Reichswehr. Ab dem Jahr 1938 hieß die Unteroffiziersschule Jägerkaserne.

Nach 1945

Von den Jahren 1945 bis 1993 befand sich hier eine Dienstelle der Sowjetarmee, wahrscheinlich die Post.

Ab dem Jahr 2004 begann der Ausbau zum Justizzentrum. In den Jahren 2004 bis 2006 wurde das ehemaligen Kasino für das Verfassungsgericht des Landes Brandenburg umgebaut. Im Jahr 2005 wurde eine ehemalige Turnhalle in Neuruppin Stein für Stein abgetragen und das Fachwerkgerüst in Potsdam wieder aufgebaut, die dann als Gerichtsarchiv genutzt wurde. Bis in das Jahr 2008 ist die Staatsanwaltschaft, das Landgericht und die Dienststellen des Amtsgerichtes umgezogen. Zudem wurde die ehemalige Büchsenmacherei in eine Antragstelle des Amtsgerichtes und das Exerzierhauses in ein Verwaltungsarchiv umgebaut. Die Einweihung erfolgte am 9.10.2008. Bis dahin wurden 49 Millionen Euro verbaut. Im Justizzentrum arbeiten 500 Mitarbeiter, darunter 80 Richter und 90 Staatsanwälte.

Quellen