Neues Palais

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Das Neue Palais, im Frühling 2006

Das Neue Palais (vom französischen für „Neuer Palast“) befindet sich am westlichen Ende der Hauptallee im Park Sanssouci, nahe dem Wildpark. Das barocke Schloß wurde im 18. Jahrhundert gebaut und ist heute eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Potsdam. Zudem hat hier die Universität Potsdam ihren Hauptsitz, in den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden hinter dem Schloß.

Geschichte

Flora-Skulptur am Eingang zum Neuen Palais, im Frühling 2006

Das barocke Neue Palais wurde in den Jahren von 1763 bis 1769 nach den Plänen der Baumeister Johann Gottfried Büring, Heinrich Ludwig Manger und Karl von Gontard auf Wunsch des preußischen Königs Friedrich II. errichtet. Das Schloß diente dem König hauptsächlich zur Repräsentation und als Unterkunft für Gäste. Der König wollte mit diesem Bauwerk seine Macht und die Stärke Preußens zeigen, da Preußen siegreich aus dem entbehrungsreichen und teuren Siebenjährigen Krieg hervorgegangen ist. Die Kuppel auf dem Gebäude wird von der Figurengruppe "Drei Grazien" aus der römischen Mythologie gekrönt. Dem König wurde aber - fälschlicherweise - nachgesagt, die drei dargestellten Damen wären seine Widersacherinnen im Krieg, Katharina II. von Rußland, Maria Theresia von Österreich und Madame de Pompadour, die Mätresse des französischen Königs Ludwig XV. Und nun lobpreisen sie Friedrich, indem sie die preußische Königskrone in den Himmel strecken.

Heute können von den 200 Zimmern etwa 60 besichtigt werden. Unter den Räumen befinden sich der Grottensaal, die Marmorgalerie und einige Gästezimmer.

Architektur

Das Hauptgebäude des Neuen Palais wurde als Dreiflügelanlage erbaut. Diesem zweieinhalbgeschoßigen Baukörper schließen sich auf beiden Seiten noch Seitenflügel an, die jeweils zweiflügelig ausgeführt wurden und je eine kleine Kuppel versehen wurden. Die Frontseite des Hauptgebäudes ist 220 Meter breit. Zur Auflockerung der breiten Fassade wurde ein fünfachsiger Mittelrisalit (hervorspringender Gebäudeteil) genutzt. Hier befinden sich auch, auf der Hof- und auf der Gartenseite, die Haupteingänge. Über diesen Eingängen befinden sich die einzigen Balkone des Gebäudes. Das Mittelrisalit trägt eine mächtige Kuppel, die 55 Meter hoch ist, und die von der vergoldeten Figurengruppe "Drei Grazien" gekrönt wird. Diese Grazien stellen die Göttinnen der Anmut dar, Euphrosyne („Frohsinn“), Thalia („Festfreude“) und Aglaia („die Glänzende“). Fälschlicherweise wurde Friedrich II. unterstellt, daß die drei Damen seine ehemaligen Widersacherinnen im Siebenjährigen Krieg darstellen sollten: Katharina II. von Rußland, Maria Theresia von Österreich und Madame de Pompadour, die Mätresse des französischen Königs Ludwig XV. Die Drei Grazien halten ein Kissen in die Höhe, auf der das Abbild der preußischen Königskrone ruht. Die beiden kleineren Kuppeln auf den Anbauten werden durch ebenfalls vergoldete Adler gekrönt.

Fast das gesamte Bauwerk erhielt einen roten Anstrich, der gemauertes Backstein vortäuschen soll. Dazu wurden die Fugen weiß hervorgehoben. Tatsächlich wurde jedoch nur der südliche Seitenflügel, in dem einst die Wohnräume des Königs untergebracht waren, aus rotem Backstein erbaut. Als Stilelement zur weiteren Auflockerung der Fassade sind zwischen allen Fenstern Pilaster (Wandpfeiler) aufgesetzte worden. Die Dächer sind mit Balustraden versehen, die mit insgesamt 463 Statuen bzw. Puttengruppen geschmückt wurden. Weitere Statuen stehen vor den Pilastern und auf den Balustraden der östlichen Terrassen. Dieser umfangreiche Figurenschmuck wurde von mehreren Bildhauern erstellt. Zu den bekanntesten zählen Johann Peter Benkert, Gottlieb Heymüller und die Gebrüder Räntz.

Die Westseite des Palais wird durch einen so genannten Ehrenhof abgeschlossen. Er wir durch die Seitenflügel des Hauptgebäudes gebildet. Der Ehrenhof wird durch einen fast halbrunden Zaun abgegrenzt. In der Mitte dieses Zaunes befindet sich die Einfahrt zum Ehrenhof. Die Einfahrt wird durch zwei steinerne Schildhäuser flnkiert, die gleichzeitig als Schlußpfeiler des Zaunes dienen. Der Ehrenhof wurde nicht nur als Empfangsplatz für Gäste genutzt, sondern hier fanden auch Festivitäten oder Turniere statt.

Schloßtheater

Ab dem Jahr 1768, hatte das Schloßtheater seinen Sitz im Südflügel. Hier traten die Schauspieler vom Potsdamer Theater für die damalige königliche Hofgesellschaft auf. Davor befand sich das Theater, seit 1748, im damaligen Stadtschloß.

Mopke

Zwischen den Communs und dem Ehrenhof des Neuen Plais blieb ein kleiner Platz. Dieser wurde später Mopke genannt. Ursprünglich wurde der Platz große Feste und Veranstaltungen genutzt, für die der Ehrenhof nicht genug Raum bot. Er diente aber auch als Zuschauerplatz, wenn der König im Ehrenhof hohe Gäste empfing, Turniere veranstaltete oder andere Ereignisse stattfanden. Auch Militätparaden fanden auf dem Mopke satt. Ab 1820 wurde auf dem Mopke hauptsächlich exerziert, denn das Nordgebäude der Communs wurde zur Kaserne. Grundlage für die militärische Nutzung des Platzes war die Backsteinpflasterung dieser Fläche, die in den Niederlanden gebräuchlich war und eben „Mopke“ genannt wurde.

Communs

Den westlichen Abschluß des Parks von Sanssouci bilden die zwei Gebäude, die so genannten Communs. Sie stehen, von der Hauptallee aus gesehen, hinter dem Neuen Palais. Hier waren hauptsächlich die Küche und andere Wirtschaftsräume untergebracht worauf auch der Name Communs (vom Französischen communs für „Wirtschaftsgebäude“) Bezug nimmt. Darüberhinaus wurden auch Zimmer für Gäste und Bedienstete eingerichtet.

Für den Bau der beiden Gebäude in den Jahren von 1766 bis 1769 standen Friedrich II. das Grand Commun des Versailler Schlosses bei Paris als Vorbild. Als Baumeister war Carl von Gontard verantwortlich, der einen entsprechenden Entwurf von Jean Laurent Legeay überarbeitete und dann umsetzte. Durch aufwendigen Zierrat, wie die doppelläufige Freitreppen oder den Kuppeln, überdeckte Gontard den eigentlichen Verwendungszweck der Gebäude. Vervollkommnet wird dieses Bild durch das Triumphtor. Dieses 24 Meter hohe Bauwerk steht zwischen den Communs und ist durch zwei Kolonnaden mit den Gebäuden verbunden. Ergänzt wird das Ensemble durch zwei so genannte Torgebäude im Norden und im Süden der Communs.

Da das Neune Palais nach dem Tod von Friedrich II. (1786) kaum noch genutzt wurde, verloren die Communs an Bedeutung. Daher wurde im nördlichen Gebäude ab 1820 die 1. Kompanie des neugebildeten Königlichen Lehr- und Infanteriebataillons untergebracht. Ab 1921 zogen dann Beamte der Höheren Polizeischule (heute Polizeipräsidium Potsdam] aus dem heutigen Stadtteil Eiche in den selben Räumen ein. Das Südgebäude der Communs wurde 1935 Reichsführerschule des Deutschen Reichsarbeitsdienstes (RAD). Heute nutzt die Universität Potsdam beide Gebäude.

Nordtorgebäude

Das Nordtorgebäude vom Neuen Palais steht nördlich der so genannten Communs. Als Adresse ist Am Neuen Palais 3 und 4 angegeben. Der Name nimmt Bezug zu dem Lindstedter Tor, einem Parkeingang in der Maulbeerallee. Das Gebäude besteht aus drei Flügeln, die einen Innenhof umschließen. Ein Anbau an der Westseite des Komplexes verbindet diesen mit der ehemaligen Orangerie des Palais. Neben dem Wohnkomplex gab es auch ein Wachhaus und einen Kuhstall.

Das nach Plänen des Baumeisters Carl von Gontard in den Jahren 1768 und 1769 erbaute Gebäude diente dem Kastellan und den Hofgärtner Heinrich Christian Eckstein (1719–1796) als Wohnhaus. Als Unterkunft für die Hofgärtner und deren Gehilfen diente der Wohnkomplex bis zum Sturz der Hohenzollern-Monarchie im Jahr 1918. Heute nutzt die Universität Potsdam das Gebäude.

Als Pendant steht das Südtorgebäude südlich der Communs.

Südtorgebäude

Das Südtorgebäude vom Neuen Palais steht südlich der so genannten Communs. Als Adresse ist Am Neuen Palais 10 angegeben. Das Gebäude besteht aus drei Flügeln, die einen Innenhof umschließen.

Das nach Plänen des Baumeisters Carl von Gontard in den Jahren 1768 und 1769 erbaute Gebäude diente den Wachsoldaten als Unterkunft. Im Laufe der Jahrhunderte wurden viele Umbauten vorgenommen. Den größten Eingriff nahm Franz Haeberlin in den Jahren 1884 und 1885 vor. Das Gebäude sollte nun auch als Dienststelle des Kastallan verwendet werden. Dazu wurde an der Westseite ein Anbau errichtet. Heute nutzt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg den Gebäudekomplex als Besucherzentrum.

Als Pendant steht das Nordtorgebäude nördlich der Communs.

Weblinks

Quellen