Alexandrowka Nummer 8

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Das Haus Nummer 8, um 2006

Das Haus Alexandrowka Nummer 8 befindet sich in der Nauener Vorstadt von Potsdam, im südlichen Bereich der 13 Holzhäuser der Kolonie Alexandrowka. Das Haus wurde im Jahr 1826 errichtet, ist – wie die ganze Kolonie auch – Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und wurde zuletzt im Jahr 2000 Restauriert.

Geschichte

Der Bauplan von Nummer 8
Die Außenverkleidung, um 2006

Das Haus wurde im Jahr 1826 errichtet. Es besteht aus einem Haupt- und einem Nebengebäude sowie einem Hühnerstall.

Eine der Besonderheiten besteht in der Bauweise dieses Hauses. Um den russischen Stil zu imitieren, wurde das Fachwerk mit Lehm und Ziegeln ausgefacht und anschließend außen mit Rund-Bohlen verkleidet. Es gehört zu den eingeschössigen Häusern der Alexandrowka. Die Wohnung bestand ursprünglich aus einem Flur, einer Küche, einer beheizbaren Stube und drei Kammern.

In den etwa 180 Jahren seines Bestehens ist das Blockhaus von den Eigentümern mehrfach verändert worden. Die Hausbewohner der letzten Jahrzehnte hatten das russische Blockhaus nicht liebevoll gepflegt, teilweise befand es sich in verwahrlostem Zustand. Wohnkomfort war den ehemaligen Bewohnern wichtiger als der Erhalt historischer Zustände. So haben sie eine Vorratskammer angebaut, neue Böden gelegt und die Wände verputzt. Außerdem wurden ein Hühnerstall und eine Garage angebaut. In den 40 Jahren DDR-Regime ist die Bausubstanz der Häuser heillos verrottet. Man versuchte, die vorhandene Substanz mit den wenigen zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhalten.

Im Jahr 1998 wurde das Haus von Herrn Doktor H. A. Kremer, einem Arzt aus Haltern in Westfalen, erworben und von Grund auf restauriert. Dem Bauherren ging es darum, die Gebäude der Alexandrowka vor einem endgültigen Verfall zu bewahren. Seit dieser Zeit werden den vielen historischen Details des Hauses wieder Beachtung geschenkt, denn bei der Restaurierung wurde angestrebt, das Haus wieder in seinen Originalzustand zu versetzen. Dazu wurden massive Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Getreu nach den Vorgaben des Gartenbaumeisters Peter Joseph Lenné hat der Bauherr die Obstbäume und die Beerensträucher anpflanzen lassen.

Vor den Sanierungsarbeiten wurden der Außen- und der Innenbau des Gebäudes auf ältere Farbgebungen untersucht, um Anhaltspunkte über das bauzeitliche Erscheinungsbild zu gewinnen. Außerdem sollten die Ergebnisse als Grundlage für die Wiederherstellungsarbeiten dienen. Für die Farbuntersuchungen wurden zahlreiche punktuelle bis flächige Freilegungen auf den verschiedenen Anstrichebenen der Holz- und Putzebenen vorgenommen. Die Befunde wurden stereomikroskopisch ausgewertet. Zudem wurden im Innenbereich des Gebäudes Farbuntersuchungen an allen wesentlichen Elementen der Räume vorgenommen. Dafür wurden große Teile der Tapeten entfernt.

In allen Räumen konnten dabei zwischen sieben und 14 Anstrichfassungen festgestellt werden, seit der Erbauung, im Jahr 1826, hat es also eine Vielzahl an Renovierungen gegeben. Teilweise waren noch acht Tapezierungen vorhanden, kleine Gewebereste deuten auf eine textile Wandbespannung im ganzen Haus hin. Die Anstrichfassungen zeigten eine große Farbenvielfalt. Die verwendeten Farbtöne wechselten in verschiedenen Zeiten und zeitgleich von Raum zu Raum. Dadurch wurden starke und reizvolle Kontrastwirkungen erzielt.

In vier von sechs Räumen des Hauses konnten Reste großflächiger ornamentaler Wanddekorationen gefunden werden. Sie waren zeichnerisch erfassbar. Die Befunde reichen aus, um eine originalgetreue Rekonstruktion zu ermöglichen. Im großen Raum zur Straße waren insgesamt 14 Fassungen vorhanden, elf davon waren Anstrichfassungen, die letzten drei waren Tapezierungen. Die sechste Fassung war die aufwändigste mit der dekorativsten Wirkung und der reichsten Ausmalung. Die Wände waren durch eine feingliedrige Schablonen-Ornamentik dekoriert, die aus Haupt- und Nebenmotiven bestand.

Am 3. Oktober 2000, am Tag des Denkmals, konnten die Arbeiten des Hauses Nummer 8 beendet werden. Während der Restaurierungsarbeiten stießen der Bauherr und die Restauratoren auf viele historische Fundstücke und Details, einige können im Museum Alexandrowka besichtigt werden. Mit der Restaurierung des Hauses wurde ein bleibender Beitrag zur Erhaltung der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Anlage geleistet.

Quellen