Deutsche Jutespinnerei und Weberei AG Meißen

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Fabrikhalle, 1890

Die ehemaligen Deutsche Jute-Spinnerei und Weberei stand im Potsdamer Stadtteil Babelsberg am Ufer der Nuthe. Es umfasste etwa das heutige Dreieck zwischen der Friedrich-List-Straße, der Lotte Pulewka-Straße und der Wiesenstraße. Von der einstigen Fabrik ist nur noch die Werkhalle Lotte-Pulewka-Straße 41-43 erhalten geblieben. Das Gebäude aus dem Jahr 1884-1886 wurde vermutlich durch dne Potsdamer Maurermeister Ernst Petzholtz im Stile des Historismus erbaut. Sie steht unter Denkmalschutz. In diesen Gebäuden und auf dem restlichen Werksgelände entsteht seit 2016 die Wohnanlage „Jute“, auch als „Jute-Kiez“ genannt. Bauherr ist die Magdeburger Getec-Gruppe mit zwei Tochtergesellschaften. In einer architektonisch anspruchsvollen Gestaltung wurde der Altbau mit einem Attikageschoss aufgestockt.

Die Deutsche Jutespinnerei und Weberei AG Meißen ist nicht zu verwechseln mit der Norddeutsche Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei, auch Nordwolle genannt, die sich direkt nördlich an der Jutespinnerei anschloß.

Geschichte

Im einstigen Nowawes war das Weberhandwerk bestimmend, es ermöglichte die Entwicklung des Ortes, war aber auch Ursache für das Elend der Bevölkerung. Als in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung begann, veränderte sich auch Potsdam mit seinem Umland. 1862 gründeten die Brüder Julius und L. Robert Arntz zusammen mit Carl Mathias und Carl Otto Busch an der damaligen Wilhelmstraße 2 bis 8 im angrenzenden Neuendorf die erste industrielle Spinnerei Potsdams. Ab 1863 erfolgte der große Ausbau der Spinnerei. Es entstanden unter anderem das burgenartige Klinkergebäude der Fabrikhalle, eine Anlegestelle mit Kaianlagen am Ufer der Nuthe und die Fabrikantenvilla in der Friedrich-List-Straße 8. Als die Arntz-Brüder ab 1865 den Betrieb allein weiter führten, wandelten sie das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um. Die Firma wurde weiter ausgebaut. Die Ballen mit Roh-Jute wurden aus Amerika, Indien und Russland importiert und kamen in Lastkähne die Elbe, die Oder und die Havel entlang, wo sie an der hauseigenen Anlegestelle gelöscht wurden. Und auf demselben Weg wurden die meisten Produkte der Fabrik, Säcke, Garne und Textilgewebe, wieder exportiert.

Nach einem Großbrand übernahm im Jahr 1881 die Deutsche Jutespinnerei und Weberei AG Meißen die Firma. Es begann ein weiterer Ausbau des Betriebes. Neben Fabrikanlagen und Sozialgebäuden wurden auch acht Angestellten- und Arbeiterwohnhäuser erbaut sowie ein Wohnheim für weibliche Mitarbeiter. Das Werksgelände umfaßte nun 45.289 Quadratmeter. 1887 wurde der Betrieb zur zweitgrößten Jutespinnerei des Deutschen Reiches. Die Wirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre verschonte auch die Jutespinnerei nicht. 1932 wurde das Unternehmen an die Braunschweigische Aktiengesellschaft für Jute- und Flachs-Industrie verkauft.

Die als Nacht von Potsdam bezeichnete Bombardierung Potsdam durch die Royal Air Force am 14. April 1945 zerstörte auch den größten Teil des Werksgeländes. Die alte Fabrikhalle und die Fabrikantenvilla sowie einige Nebengebäude blieben aber erhalten. Während der DDR-Zeit diente die einstige Fabrik als Lager für "Waren des täglichen Bedarfs".

Nach der Wende blieb das Gelände ungenutzt. Die Fabrikgebäude standen jahrelang leer und verfielen. 2006 begann der Abriß aller noch verbliebener Gebäude auf dem Werksgelände. Nur das denkmalgeschützte Fabrikgebäude, die Villa Arntz und das Gästehaus blieben erhalten. 2013 erfolgte der Verkauf durch den Treuhand-Nachfolger TLG Immobilien. Seit 2016 wird die Wohnanlage auf dem ehemaligen Betriebsgelände errichtet. In der Werkhalle mit dem Maschinenhaus als Anbau sind ab Mai 2017 die Eigentumswohnungen bezugsfertig. Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 400 Wohnungen und kleine Gewerberäume sollen folgen. Dieses Wohngebiet soll „Jute“ oder „Jute-Kiez“ heißen.

Weitere Bilder

Quellen

  • „Neuendorf-Nowawes-Babelsberg – Stationen eines Stadtteils“ – Geiger-Verlag, Horb am Neckar, 2000; ISBN 3-89570-653-1
  • „Spuren Suche in Babelsberg“, Heft 11; Die Industriestadt Nowawes; Herausgeber: Förderkreis Böhmisches Dorf Nowawes und Neuendorf e. V.; Babelsberg April 2000
  • Das zweite Leben der Jutespinnerei in: MAZ vom 8. Februar 2017
  • Denkmaldatenbank des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege
  • „Handbuch der Leistungsfähigkeit der gesammten Industrie des preußischen Staates„ von Christoph Sandler; Hermann Wölfert, Leipzig 1873
  • Marco Zschieck:"Wohnen statt weben" PNN vom 11.3.2017
  • Denkmalverzeichnis Land Brandenburg