Edikt von Potsdam: Unterschied zwischen den Versionen

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Am 29. Oktober 1685 wurde das '''Edikt von Potsdam''' vom Großen Kurfürsten [[Friedrich Wilhelm von Brandenburg]] erlassen. Dieses Toleranzedikt markiert den Eintritt Potsdams in die europäische Geschichte.
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Am 29. Oktober 1685 wurde das '''Edikt von Potsdam''' vom Großen Kurfürsten [[Friedrich Wilhelm von Brandenburg]] erlassen. Dieses Toleranz-Edikt markiert den Eintritt Potsdams in die europäische Geschichte.
  
 
Den aus Frankreich kommenden Glaubensgenossen, den Hugenotten, wurde freie und sichere Niederlassung in [[Brandenburg]] angeboten. Es wurden ihnen auch Previlegien gewährt – unter anderem die Befreiung von Steuern und Zöllen, Subventionen für Wirtschaftsunternehmen und Bezahlung der Pfarrer durch das Fürstentum.
 
Den aus Frankreich kommenden Glaubensgenossen, den Hugenotten, wurde freie und sichere Niederlassung in [[Brandenburg]] angeboten. Es wurden ihnen auch Previlegien gewährt – unter anderem die Befreiung von Steuern und Zöllen, Subventionen für Wirtschaftsunternehmen und Bezahlung der Pfarrer durch das Fürstentum.
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An die Aufnahme der Hugenotten durch den Kurfürsten erinnert ein Relief am Internationalen Reformationsdenkmal in Genf.
 
An die Aufnahme der Hugenotten durch den Kurfürsten erinnert ein Relief am Internationalen Reformationsdenkmal in Genf.
 
== Einflüsse der zugewanderten Hugenotten auf die Region ==
 
 
Anfangs kam es zu erheblichen Spannungen zwischen Neuankömmlingen und Einheimischen, da die Hugenotten etwa drei Jahrzehnte unter dem Schutz des Herrschers standen, und von den bereits genannten Vergünstigungen profitieren konnten.
 
 
Im Gegenzug für die staatliche Unterstützung brachten die Hugenotten ihr Wissen über damals in Brandenburg unbekannte Wirtschaftszweige oder Produktionsformen mit in ihre neue Heimat. Neue produktionstechnische und arbeitsorganisatorische Fähigkeiten kamen besonders im Bekleidungsgewerbe zum Einsatz. Allerdings erfüllte sich der vom Kurfürsten erhoffte wirtschaftliche Aufschwung  nicht in gewünschtem Maße, da beispielsweise die von den Zuwanderern etablierten Manufakturen ohne staatliche Subventionen in der Mehrzahl nicht lebensfähig waren.
 
 
Von herausragender Bedeutung waren die Hugenotten für die Wissenschaft und Kultur der Region. Sie kamen im Jahr 1685 aus einem Land, das zu diesem Zeitpunkt die führende Kulturnation Europas war. Zwar war nicht jeder von ihnen ein Gelehrter vom Format eines ''[[Voltaire]]'', aber die Elite der Hugenotten kannte sich bald nicht nur in der französischen Wissenschaft und Kultur aus, sondern war auch auf den entsprechenden deutschen Gebieten bewandert. Damals fand die wissenschaftliche Kommunikation in Deutschland noch auf Latein statt, was sich einige erst anzueignen hatten. Den Hugenotten fiel eine Mittlerrolle in der Wissenschaft zu. Ohne den hugenottischen Beitrag, z. B. des Wissenschaftlers und Pufendorf-Übersetzers Jean Barbeyrac und dem des langjährigen Sekretärs der „Berliner Akademie der Wissenschaften“, Jean Henry Samuel Formey, hätte die Akademie nicht den ausgezeichneten Ruf erwerben können, den sie im [[18. Jahrhundert|18. Jahrhundert]] hatte.
 
 
Das Berliner Verlags- und Buchhändlerwesen lag im 18. Jahrhundert in hugenottischen Händen. In den von Hugenotten gegründeten Zeitschriften wurden die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, an ein deutsch-französisches Publikum vermittelt.
 
 
Auch heutzutage gibt es in Potsdam und einigen anderen Städten noch französisch-reformierte Gemeinden, die auf die Hugenotten zurückgehen. Die [[Französische Kirche]] am [[Bassinplatz]] ist nach der Bombardierung am [[14. April 1945]] das älteste Kirchengebäude Potsdams.
 
  
 
[[Kategorie:Historische Begebenheiten]]
 
[[Kategorie:Historische Begebenheiten]]

Version vom 4. Dezember 2008, 14:01 Uhr

Am 29. Oktober 1685 wurde das Edikt von Potsdam vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg erlassen. Dieses Toleranz-Edikt markiert den Eintritt Potsdams in die europäische Geschichte.

Den aus Frankreich kommenden Glaubensgenossen, den Hugenotten, wurde freie und sichere Niederlassung in Brandenburg angeboten. Es wurden ihnen auch Previlegien gewährt – unter anderem die Befreiung von Steuern und Zöllen, Subventionen für Wirtschaftsunternehmen und Bezahlung der Pfarrer durch das Fürstentum.

Ein Grund für das Edikt waren die wiedererwachende Verfolgung der Hugenotten in Frankreich durch den Sonnenkönig Ludwig XIV. nach der Aufhebung des Toleranzedikts von Nantes am 18. Oktober 1685. Ein weiterer Grund sind die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) auf Brandenburg.

Während des Dreißigjährigen Krieges rafften Seuchen und Hungersnöte die Potsdamer hinweg. Allein im Jahr 1631 starben 308 Einwohner der Stadt an der Pest.

Wie bereits bei der Aufnahme von aus Österreich vertriebenen Juden im Jahr 1671, erhoffte sich der Kurfürst von den Einwanderern einen wirtschaftlichen Aufschwung seines an den Kriegsfolgen leidenden Königreiches.

Etwa 20.000 Hugenotten nahmen das Angebot des Kurfürsten an, damit wurde der Grundstein für die Erstarkung Preußens gelegt. Durch die Hugenotten stieg die Berliner Bevölkerung um ein Drittel an.

An die Aufnahme der Hugenotten durch den Kurfürsten erinnert ein Relief am Internationalen Reformationsdenkmal in Genf.