Ernst Eichgrün

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Ernst Eichgrün, vollständiger Name Ernst Gustav Friedrich Eichgrün, (* 7. Oktober 1858 in Vierraden, seit 2003 eingemeindet in Schwedt/Oder ); († 27. Januar 1925 in Potsdam) war ein Fotograf in Potsdam und Hoffotograf zweier Herzöge.

Geschichte

Ernst Eichgrün wurde am 7. Oktober 1858 in Vierraden bei Schwedt geboren. Nach dem Tod seines Vaters zog die Familie 1867 nach Berlin, wo Verwandte wohnten: der Tischler und Sargmagazinbesitzer C. Eichgrün und dessen Sohn. Durch Heirat mit der Potsdamerin Helene Liese gelangte Ernst Eichgrün in die damalige preußische Residenzstadt. 1890 gründete er eine eigene fotografische Firma, nachdem er zuvor beim Potsdamer Fotografen Hermann Selle sein berufliches Talent vervollkommnet hatte. Von 1899 bis 1907 befand sich sein Fotoatelier in der Nauenerstraße 27 (heute Friedrich-Ebert-Straße 109). Dann zog er in die Brandenburger Straße 63 um. Seinen Aufnahmen fügte Eichgrün den Hinweis auf der Rückseite bei „Vergrößerungen nach jedem Bilde. Platten werden aufbewahrt.“

Eichgrün hatte zwei Hauptmotive für seine Fotografien. Zum einen die Familie der Hohenzollern und zum anderen fertigte er eine umfangreiche fotografische Dokumentation des Stadtbildes von Potsdam sowie des Lebens in der Garnison- und Residenzstadt an. Einige seiner Motive vermarktete Eichgrün als Ansichtskarten in eigenem Verlag vor und nach dem I. Weltkrieg, darunter Hermannswerder und die "Garnisonkirche zu Potsdam mit der Gruft Friedrich Wilhelms I. und Friedrich II."

Zum Kundenkreis des Ateliers Eichgrün gehörte jahrzehntelang die Berliner Tanzschule Apitsch. Von den Abschlußbällen, welche die Geschwister Martha und Alfred Apitsch im Festsaal des Hotels „Stadt Königsberg“ seit Anfang des 20. Jahrhunderts durchführten, machte Eichgrün Gruppen- und Einzelaufnahmen der Schülerinnen und Schüler.

Nach Eichgrüns Tod im Jahr 1927 führte sein Sohn Walter das Fotogeschäft weiter. Viele der Eichgrün`schen Glasplattennegative und der auf Karton aufgezogenen historischen Fotografien blieben erhalten und befinden sich im Bestand des Potsdam Museums als kulturelles Erbe.

Hoffotograf

Durch Großbuchstaben in einer Jugendstilschrift warb Eichgrün Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem 1895 erworbenen Titel „Hof-Photograph“, der ihm von Johann Albrecht, Herzog zu Mecklenburg, lebenslang verliehen wurde. 1906 erhielt er diesen Titel auch von Carl Eduard, Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, einem Cousin Kaiser Wilhelm II., der von 1900 bis 1903 in Potsdam wohnte. Das Prädikat eines kaiserlich-königlichen Hoffotografen bekam Eichgrün vom Kaiser aber nie. Das Prädikat Hoffotograf, verliehen von „Seiner Majestät des Kaiser und Königs“ durfte Eichgrüns Potsdamer Lehrmeister, Hermann Selle, führen, der sein Atelier in der Yorkstraße 4, hatte. Selle warb für seine Lichtbildkunst um 1890 über Potsdam hinaus mit dem Prädikat „Hof-Photograph“, das ihm von Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. nacheinander verliehen wurde, beispielsweise in einer ganzseitigen Anzeige zusammen mit der Abbildung des „Mittleren Wappens des Königreichs Preußen“.

Voraussetzungen für die Verleihung des „Hofprädikats“ war ein tadelloser Leumund, insbesondere hinsichtlich der Familien- und Vermögensverhältnisse. Wem das Hofprädikat verliehen wurde, der durfte das Wappen des betreffenden Hofes auf seinen Geschäftspapieren führen.

Eichgrün fügte der Firmenanschrift, die er auf der Rückseite der von ihm hergestellten Lichtbilder einfarbig aufdrucken ließ, die Abbildung des Wappens von Mecklenburg bei. Es enthielt unterschiedlich gestaltete Felder: Rostock, Fürstentum Schwerin, Ratzeburg, Stargard, Wenden, Grafschaft Schwerin. Darunter stand der Wahlspruch „per aspera ad astra“, was so viel wie „Nicht glatt ist der Weg von der Erde zu den Sternen“ bedeutet. Das Wappen wurde im Original von einem schwarz gekrönten Stierkopf mit silbernen Hörnern und einem Greif gehalten. Seine Anschrift trug die Zusatzbeschreibung „Am Wilhelmplatz“. Die Devise des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens „Fideliter et constanter (treu und beharrlich)“ stand unter dem zweiten Wappen, das Eichgrün zusätzlich zum Mecklenburgischen Wappen noch vor dem Umzug seines Ateliers von der Nauener Straße 27 in die Brandenburger Straße 63 auf dem Bildrahmen seiner Fotos und auf deren Rückseite aufdrucken ließ. Dieses Wappenschild mit der Königskrone stützte links und rechts ein aufrecht stehender geschweifter, bekrönter Löwe. Beide Wappen zierten nicht nur die Rückseite der von Eichgrün gefertigten Porträts sondern gelegentlich auch den Karton des Rahmens unterhalb des aufmontierten Fotos. Mit einer goldenen Farbe wurde dort Eichgrüns Titel „Hofphotograph“ und die Atelier-Adresse im Prägedruck hinzugefügt.

Eichgrün bekam 1913 den Auftrag, die „Vermählung der Prinzessin Victoria Margarethe von Preußen mit Prinz Heinrich XXXIII (* 26. Juli 1879 in Mauer bei Wien). Reuß jüngere Linie (j. L.) im Bild festzuhalten. Er fotografierte das junge Ehepaar - sie, die einzige Tochter (* 17. April 1890 in Potsdam), des Prinzen Leopold von Preußen und Prinzessin Louise Sophie von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg im Brautkleid mit Schleier sowie geschlossenem Myrtenkranz auf dem Kopfhaar und ihn in Uniform mit Schärpe und Orden ohne Kopfbedeckung als Standporträt im Neuen Palais am 17. Mai 1913 in Potsdam. Ein zweites Foto von dieser Hochzeit, signiert mit „Hofphot. E. Eichgrün, ist betitelt: „Der Kaiser schreitet mit der Braut die Front der Ehrenkompanie ab“. Zu sehen ist Kaiser Wilhelm II. in Uniform und Pickelhaube sowie Generalfeldmarschallstab und ihm zur rechten Seite: Margarethe von Preußen mit ihren drei Brautjungfern, die den langen, weißen Schleier tragen. Die Soldaten der Ehrenkompanie präsentieren das Gewehr während der Kommandierende mit seinem blank gezogen Offiziersdegen den Boden des Paradefeldes berührt. Im Jahre 1913 hatte Eichgrün auch die Frühjahrs-Parade fotografiert, die vor dem Potsdamer Stadtschloss stattfand. Von einem erhöhten Standort aus hielt Eichgrün in einem Panoramafoto fest, wie Wilhelm II. mit dem zu Besuch weilenden König von Großbritannien und Irland, Georg V., die Front der Kavallerie-Regimenter abritt. Diese drei Großfotos fanden Aufnahme in einem Sonderheft der vom Verlag August Scherl GmbH herausgegebenen „Woche" mit dem Titel: "Festliche Tage im Kaiserhause in Berlin 1913".

Eichgrün fotografierte am Sonntag, den 9. August 1914, einen so genannten Feldgottesdienst, den der preußische Hof- und Divisionspfarrer Walter Richter mit dem 1. Garde-Reserveregiment unter seinem neu ernannten Kommandeur Prinz Eitel Friedrich von Preußen im Lustgarten vor dem Potsdamer Stadtschloss in Anwesenheit von Wilhelm II. und Auguste Viktoria sowie der kaiserlichen Familie hielt. Diese Fotografie nahm der Hausbibliothekar der Hohenzollern, Bogdan Krieger (1863-1931), als zweites Bild in das nach 1916 erschienene Buch „Der Kaiser im Felde“ zusammen mit anderen Bildern auf, vor allem vom Hof-Fotografen F. Berger. Im Bilderverzeichnis ließ Krieger bei Eichgrün dessen Hoffotografen-Titel weg und nannte ihn einfach nur „Fotograf Eichgrün, Potsdam“, während er bei Berger ausdrücklich den Zusatz „Hofphotograph, Potsdam“ machte. In der Bildunterschrift „Feldgottesdienst bei der Verabschiedung des Kaisers vom 1. Garderegiment z. F.“ wird Eichgrün allerdings als „Hofphotograph“ bezeichnet, obwohl er nicht zu den königlich-preußischen Hoffotografen gehörte.

Quellen

  • Potsdamer Neueste Nachrichten, 27.10. 2010
  • Potsdamer Neueste Nachrichten, 13.10. 2007
  • Stichwort "Hofprädikat" in Meyers Großes Konversations-Lexikon. Sechste Auflage. Neunter Band, Bibliographisches Institut, Leipzig u. Wien, 1908
  • Gesellschaft von Berlin. 2. Jahrgang. Adolph Hein Verlag, Berlin 1891-92, S. 651
  • Berliner Adressbuch 1866: Eichgrün, Weberstraße 26 [1]
  • Krieger, Bogdan: Der Kaiser im Felde. Mit 80 Vollbildern und einem Titelbild im Tiefdruck. Verlag Kameradschaft, Wohlfahrtsgesellschaft m.b.H., Berlin [o.J.]
  • Tanzinstitut-Lichtbilder-Sammlung und privates Ansichtskartenarchiv von Schudi 45
  • Spaziergänge durch Potsdam - Fotografien aus dem Atelier Eichgrün zwischen 1890 und 1952, Peter Herrmann und Peter Rogge, Herausgeber: Landeshauptstadt Potsdam, Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte, Förderverein des Potsdam Museums e. V. und Peter Rogge; ISBN 978-3-00-032409-3