Hotel Stadt Königsberg

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Das Hotel in der Brauerstraße, 1918

Das Hotel "Stadt Königsberg" befand sich in der Innenstadt von Potsdam, in der Brauerstraße 1-2. Es stand direkt am Alten Markt, neben dem Palast Barberini.

In Baedekers’s Handbuch für Reisende „Berlin und Umgebungen“ wurden Anfang der 1900er Jahre rund zwanzig vorhandene Zimmer für je zwei bis fünf Gäste genannt und die „Veranda an der Havel“ besonders erwähnt. Das Hotel besaß - eine Seltenheit in der damaligen Zeit - Zimmer mit fliessendem warmen und kalten Wasser. Von einer Terrasse auf der Rückseite konnten die Gäste weit über die Havel sehen. Der Grieben aus dem Jahr 1938 vermerkte: 28 Zimmer in den Preiskategorien von 3,50 bis 6,00 Mark, Zentralheizung, eine Autohalle sowie eine eigene Anlegestelle für Dampfer und Motorboote. Zu diesem Zeitpunkt war das Hotel nach einem Eigentumswechsel in "Hotel Königstadt" vom neuen Besitzer, Hans Gellen, bereits umbenannt worden.

Tanzunterricht im Festsaal

Im Hotel „Stadt Königsberg“ veranstalteten seit dem Winterhalbjahr 1903 die Geschwister Martha und Alfred Apitsch aus dem Tanzinstitut Ida Apitsch in Berlin, Rosenthaler Straße 39[1], die Mitglieder der Genossenschaft Deutscher Tanzlehrer waren, einen „Privat-Tanz-Zirkel.“ Prospekte hierfür waren beim Portier des Hotels erhältlich. Vor Beginn des „Lehrkurses“ nahmen die Tanzlehrerin und der Tanzlehrer Anmeldungen dienstags und freitags persönlich im Hotel Zimmer Nr. 30 von 16.30 bis 19.30 Uhr entgegen, wie es in einer örtlichen Zeitungsanzeige hieß.

Vor der beabsichtigten Durchführung der Tanzkurse in Potsdam richteten Martha und Alfred Apitsch eine Anfrage an den Polizei-Präsidenten in Potsdam und erhielten die Antwort (Aktenzeichen J. No. II 17414 vom 9. Oktober 1903), dass es einer polizeilichen Erlaubnis zur Erteilung des Tanzunterrichts nicht bedarf, jedoch einer Anzeige zur Eröffnung des Gewerbebetriebes in Potsdam gemäß § 35 der in Preußen geltenden Gewerbeordnung. Auf Grund des Schriftwechsels mit der Polizeibehörde durfte der Tanzunterricht im Hotel Stadt Königsberg ab Oktober 1903 stattfinden. Die Tanzschule Apitsch beauftragte vielfach den Potsdamer Hof-Fotografen Ernst Eichgrün zum Ende eines Tanzkurses die Teilnehmenden als Gruppe abzulichten. Die Fotos wurden auf Pappe aufgezogen und mit „Ernst Eichgrün“ in Schreibschrift und dem Zusatz in Druckschrift „Hofphotograph“ versehen.

Die Geschwister Martha und Alfred Apitsch (1886-1977) veranstalteten im Saal des Hotels "Stadt Königsberg" am Sonnabend, den 11. März 1905 einen „Schüler-Ball“ und warben mit einem gedruckten Programm dafür. Eingeladen wurden die Schülerinnen und Schüler, die 1905 am Tanzunterricht in Potsdam teilgenommen hatten, sowie deren Angehörige. Der Ball begann und 18.00 Uhr mit einer Polonaise und endete um 24.30 Uhr. Um 20.30 Uhr wurde eine große Pause eingelegt, „in welcher an gemeinsamer Tafel das Souper eingenommen“ wurde. Nach der Pause wurde zunächst der "Cotillon" getanzt als Einstimmung für die anschließende „Cotillon-Aufführung“, die den Titel trug „Eine Tanzstunde.“

Am 23. Februar 1918 fand ein Abschieds-Ball der Tanzschule Apitsch im Hotel "Stadt Königsberg" statt, der als Kostümfest bzw. „Maskenfest“ veranstaltet wurde.

Umbenennung in Hotel "Königstadt"

Das Hotel „Stadt Königsberg“, neben dem Palais Barberini gelegen, wie es in der Weimarer Republik in einem Potsdamer Reiseführer hieß, wurde in den 1930er Jahren umbenannt. Dieses Hotel erhielt nach einem Inhaberwechsel den Namen „Stadt Königsberg“. Der neue Besitzer, Hans Gallen, veranlasste, dass vom Verlag „Graphische Kunstanstalt Max O’Brien“, Berlin-Steglitz, um 1935 eine Ansichtskarte mit dem geänderten Hotelnamen herausgegeben wurde. Die Postkarte nannte in Schreibschrift den Namen "Königstadt" und sie zeigte die Hotelrückseite mit der Havelterrasse. Zugleich wurde die Anschrift im Absenderfeld abgedruckt: Brauerstraße 1-2 und zusätzlich die Ortsbeschreibung "am alten Markt".

Zerstörung im II. Weltkrieg

Das Gebäude wurde am 14. April 1945 in der Nacht von Potsdam völlig zerstört. Für das Grundstück Brauerstraße 2 erhielt die Lelbach-Stiftung des Unternehmer Abris Lelbach den Zuschlag für die Neubebauung. Sein Entwurf stammmt von dem italienischen Star-Architekten Franco Stella.

Quellen

  • Potsdam und Umgebungen, Abschnitt 14 in K. Baedeker: Berlin und Umgebungen, Leipzig 1902, S. 169
  • Ansichtskarte "Havelterrasse Hotel Königsstadt, Potsdam", Verlag: Graphische Kunstanstalt Max O’Brien, Berlin Steglitz, 1937, mit Angaben auf der Rückseite, z. B. Zimmer mit fließendem Wasser und Bad, Küche von Ruf - Stadtküche - Weinhandlung
  • Grieben – Ausgabe 10/1938
  • MAZ vom 3. August 2012
  • Privatarchiv Schudi 45
  • Neuer Führer durch Potsdam und Umgebung. Mit einem Stadtplan und einer Wanderkarte. Verfasst von Professor Dr. Hans Kania. Hrsg.: Verkehrsverein Potsdam e. V. Palast Barberini, Alter Markt. 11. Auflage. Verlag der Potsdamer Tageszeitung (A. W. Hayn´s Erben), Potsdam
  • Familiengrabstätte Tanzlehrer Apitsch/Büttner auf dem Evangelischen Kirchhof der Zwölf-Apostelgemeinde, Kolonnenstraße, Berlin Schöneberg