Infanterie-Regiment 9: Unterschied zwischen den Versionen

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(Widerstand gegen Hiltler)
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Der Widerstand des Militärs gegen Hitler bezog sich ursprünglich auf die Gewalttäigkeit der faschistischen Sturmabteilungen (SA) während der Weimarer Republik. Später kam die Angst der Wehrmachtsführung, Hitler würde die zahlenmäßig starke und militärisch gedrillte SA zu einer zweiten Wehrmacht erhöhen. Doch Hiltlers gewalttäige Herabstufung der SA ([http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6hm-Putsch Röhm-Putsch]) und sein rechtwidriger Bruch des Friedensvertrages von Versailles, der die "Wehrhoheit" wieder herstellte, besänftige das Militär, da dies dem Militär neue Aufstiegchancen eröffnete. Hitlers aggressive Politik gegenüber der Tschechoslowakei ließ erneut den Widerstand der Wehrmachtsführung aufleben. Denn die verantwortlichen Offiziere sahen die Wehrmacht noch nicht ausreichend für einen Krieg gerüstet. Durch das "Münchener Abkommen" schwand aber auch dieser Widerstand recht schnell.
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Der Widerstand des Militärs gegen Hitler bezog sich ursprünglich auf die Gewalttäigkeit der faschistischen Sturmabteilungen (SA) während der Weimarer Republik. Später kam die Angst der Wehrmachtsführung, Hitler würde die zahlenmäßig starke und militärisch gedrillte SA zu einer zweiten Wehrmacht erhöhen. Doch Hiltlers gewalttäige Herabstufung der SA ([http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6hm-Putsch Röhm-Putsch]) und sein rechtswidriger Bruch des Friedensvertrages von Versailles, der die "Wehrhoheit" wieder herstellte, besänftige das Militär, da dies dem Militär neue Aufstiegchancen eröffnete. Hitlers aggressive Politik gegenüber der Tschechoslowakei ließ erneut den Widerstand der Wehrmachtsführung aufleben. Denn die verantwortlichen Offiziere sahen die Wehrmacht noch nicht ausreichend für einen Krieg gerüstet. Durch das "Münchener Abkommen" schwand aber auch dieser Widerstand recht schnell.
  
 
Der Beginn des Zweiten Weltkrieges ließ keinen großen Widerstand aufflammen. Die Siege der Wehrmacht überzeugten die Militärs von der Stärke der Wehrmacht. Orden, Dienstgrade und Titel erstickten kriegsfeindliche Gedanken schon in ihrem Ursprung. Der Umgang mit Kriegsgefangenen und der Zivilbevölkerung (Ermordung, Deportation und unmenschliche Behandlung), der zum Teil auch von der Wehrmacht durchgeführt wurde, ließ vereinzelt Zweifel an der Richtigkeit des eigenen Tuns aufkommen. Diese Zweifel schlugen bald in Widerstand um, der durch die Niederlagen der Wehrmacht verstärkt wurde.
 
Der Beginn des Zweiten Weltkrieges ließ keinen großen Widerstand aufflammen. Die Siege der Wehrmacht überzeugten die Militärs von der Stärke der Wehrmacht. Orden, Dienstgrade und Titel erstickten kriegsfeindliche Gedanken schon in ihrem Ursprung. Der Umgang mit Kriegsgefangenen und der Zivilbevölkerung (Ermordung, Deportation und unmenschliche Behandlung), der zum Teil auch von der Wehrmacht durchgeführt wurde, ließ vereinzelt Zweifel an der Richtigkeit des eigenen Tuns aufkommen. Diese Zweifel schlugen bald in Widerstand um, der durch die Niederlagen der Wehrmacht verstärkt wurde.

Version vom 15. September 2018, 11:15 Uhr

Uniform des IR 9; 2007

Das Infanterie-Regiment 9 , kurz IR 9 genannt,wurde am 01. Januar 1921 in Potsdam gegründet und war als 3. Division Bestandteil der Reichswehr während der Weimarer Republik. Das Regiment bestand ursprünglich aus den 1. und 2. Bataillon mit sechs Infantrie-Kompanien, zwei Maschinengewehr-Kompanien und einer Minenwerfer-Kompanie. Ein weiteres, das 3. Bataillion, war damals in Spandau stationiert, zog aber später auch nach Potsdam.

Das Infanterie-Regiment 9 wurde - nach Hiltlers rechtswidrigem Bruch des Friedensvertrages von Versailles - im Jahr 1935 der neu aufgestellten 23. Infanterie-Division unterstellt. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges war das IR 9 an den Kämpfen in Polen beteiligt. Auch in Frankreich kämpfte das Regiment an vorderster Front. Beim Feldzug gegen die Sowjetunion stand das IR 9 direkt in den Kämpfen der Schlacht um Moskau. Im Juni 1942 wurde die 23. Infanterie-Division nach Belgien verlegt. Die Division wurde komplett aufgelöst und als 26. Panzer-Division neu aufgestellt, wobei das gesamte verbliebende Personal übernommen wurde. Das Infanterie-Regiment 9 wurde in Panzer-Grenadier-Regiment 9 umbenannt. Damit endet die Geschichte des Regiments.


Kasernen

Datei:Polizeipräsidium.jpg
Die ehemalige Kaserne des IR 9 um 2006

Der Hauptteil des Regiments (1. Bataillon mit fünf Kompanien) war in der ehemaligen Kaserne des 1. Garde-Regiment zu Fuß in der heutigen Henning-von-Tresckow-Straße bzw. Hoffbauerstraße untergebracht. Außerdem wurden auch Teile der ehemaligen Gewehrmanufaktur an der gleichen Straße zur Unterbringung verwendet. Das 2. Bataillon (vier Kompanien, der Regimentsstab und die Stabskompanie) war in der sogenannten Ruinenbergkaserne des ehemaligen Erste Garde-Ulanen-Regiments an der Pappelallee bzw. Ruinenbergstraße stationiert. Das 3. Bataillon zog später ebenfaalls nach Potsdam in die ehemelige Garde-Ulanen-Kaserne in der Jägerallee, wo sich heute das Oberstufenzentrum 1 befindet. Zudem nutzte das IR 9 die Kaserne des alten Gardes du Corps in der Behlertstraße und die Gebäude des heutigen Justizzentrums (ehemalige Unteroffiziersschule) in der Jägerallee.

Tradition

Das Infanterie-Regiment 9 galt als Nachfolgeeinheit des nach dem Ersten Weltkrieg aufgelösten Ersten Garde-Regiment zu Fuß. Dieses ehemalige Leibregiment der preußischen Könige lebte diese monarchistische Tradition fort. Als Offiziere wurden ursprünglich nur Angehörige mit Adelstiteln eingestellt. Daher wurde dieses Regiment im Volkmund auch Regiment Graf Neun genannt. Doch auch andere Einheiten des IR 9 pflegten die Traditionen einer untergegangenen Epoche. Alle ehemaligen Garde-zu-Fuß-Regimenter Preußens wurden pflegetechnisch auf verschiedene Kompanien aufgeteilt, das Garde-Füsilier-Regiment „Prinz Heinrich von Preußen“ (Brandenburgisches) Nr. 35 und das Grenadier-Regiment „Kronprinz“ (1. Ostpreußisches) Nr. 1 hatten "Nachfolger". Aber auch aus der Luft gegriffene Teaditionen wurden gepflegt. So wurde der 4. Kompanie des IR 9 die Kompanie der Preußischen Fliegertruppe zugeordnet und der 5. Kompanie die Schloßgarde-Kompanie. Und die 13. Minenwerfer-Kompanie verherrlichte die "Schutztruppe" der Kolonie Deutsch-Ostafrika. Selbst das Ausbildungs-Batallion - das unter anderem Hitlers SS-Leibstandarte ausbildete - hatte Tradition zu pflegen, die des ehemaligen Lehr-Infanterie-Bataillons.

Widerstand gegen Hiltler

Henning von Tresckow, ca. 1943

Der Widerstand des Militärs gegen Hitler bezog sich ursprünglich auf die Gewalttäigkeit der faschistischen Sturmabteilungen (SA) während der Weimarer Republik. Später kam die Angst der Wehrmachtsführung, Hitler würde die zahlenmäßig starke und militärisch gedrillte SA zu einer zweiten Wehrmacht erhöhen. Doch Hiltlers gewalttäige Herabstufung der SA (Röhm-Putsch) und sein rechtswidriger Bruch des Friedensvertrages von Versailles, der die "Wehrhoheit" wieder herstellte, besänftige das Militär, da dies dem Militär neue Aufstiegchancen eröffnete. Hitlers aggressive Politik gegenüber der Tschechoslowakei ließ erneut den Widerstand der Wehrmachtsführung aufleben. Denn die verantwortlichen Offiziere sahen die Wehrmacht noch nicht ausreichend für einen Krieg gerüstet. Durch das "Münchener Abkommen" schwand aber auch dieser Widerstand recht schnell.

Der Beginn des Zweiten Weltkrieges ließ keinen großen Widerstand aufflammen. Die Siege der Wehrmacht überzeugten die Militärs von der Stärke der Wehrmacht. Orden, Dienstgrade und Titel erstickten kriegsfeindliche Gedanken schon in ihrem Ursprung. Der Umgang mit Kriegsgefangenen und der Zivilbevölkerung (Ermordung, Deportation und unmenschliche Behandlung), der zum Teil auch von der Wehrmacht durchgeführt wurde, ließ vereinzelt Zweifel an der Richtigkeit des eigenen Tuns aufkommen. Diese Zweifel schlugen bald in Widerstand um, der durch die Niederlagen der Wehrmacht verstärkt wurde.

Es bildete sich eine militärische Widerstandsorganisation, die auch Kontakte zu bürgerlichen und kommunistischen Widerstandsgruppen pflegte. Zu der militärischen Widerstandsorganisation gehörten 21 Stabsoffizieren und Hauptleuten des Infanterie-Regiments 9 (1933 gab es 29 Stabsoffizieren und Hauptleute im IR 9). Diese waren direkt oder indirekt an dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt. Der größte Teil von ihnen wurde vom faschistischen Volksgerichtshof abgeurteilt und ermordet. Zu diesen Widerstandskämpfern des IR9 gehörten unter anderem: Henning von Tresckow, Friedrich Karl Klausing, Philipp von Bismarck, Hasso von Boehmer, Axel von dem Bussche und Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg.

Weblinks

Quellen

  • "Potsdamer Jahresschau - Havelland-Kalender 1931"; Herausgeber: Hans Hupfeld, Verlag der Potsdamer Tageszeitung, Potsdam 1930