Königliche Gärtnerlehranstalt am Wildpark bei Potsdam

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Die Gärtnerlehranstalt, im Frühjahr 2009

Die Gärtnerlehranstalt (mit vollem Namen „Königlichen Gärtnerlehranstalt am Wildpark bei Potsdam“) war eine bis 1903 in Potsdam bestehende Lehreinrichtung, in der Gärtner ausgebildet wurden. Ab 1842 befand sie sich an der Straße zwischen dem heutigen Bahnhof Park Sanssouci und dem Neuen Palais.

Gründung

Um 1820 befanden sich die Potsdamer Parkanlagen in einem schlechten Pflegezustand wegen der französischen Besetzung und den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Die bestehenden Baumschulen konnten den Bedarf an Gehölzen nicht mehr decken und auch das Fachwissen der Gärtner genügte nicht mehr den gestiegenen Anforderungen. Diese Umstände bewogen Peter Joseph Lenné 1821 dazu, eine Denkschrift vorzulegen, die sich mit der Gründung einer Gärtnerlehranstalt befasste. Diese Eingabe wurde von König Friedrich Wilhelm III. aber verworfen.

Daraufhin wurde 1822 ein „Verein zur Beförderung des Gartenbaus in den Königlich Preußischen Staaten“ gegründet. Lenné war eines der elf Gründungsmitglieder des Vereins und bereits in der zweiten Sitzung legte er ein Konzept der „Grundsätze zur Errichtung einer Landesbaumschule bei Potsdam“ vor. Die Arbeit des Vereins veranlasste den König 1823 dazu, der Einrichtung einer Landesbaumschule und dazugehöriger Gärtnerlehranstalt zuzustimmen. Per Kabinettsorder vom 26. August 1823 wurde die Gründung einer Landesbaumschule und der „Gärtner-Lehranstalt zu Schöneberg und Potsdam“ beschlossen. Diese Lehranstalt, die nun auch theoretische Kenntnisse der Gartenbaukunst vermitteln sollte, war die erste ihrer Art in Deutschland.

Weitere Entwicklung

Die Lehranstalt war als öffentliche Stiftung organisiert und finanzierte sich vor allem durch staatliche Zuschüsse und Schulgelder der Auszubildenden. Die Ausbildung dauerte vier Jahre, wobei das erste Jahr in Schöneberg erfolgte. Ab dem zweiten Jahr wechselten die Schüler nach Potsdam. Nach diesen zwei Jahren war das Ausbildungsziel Gärtner erreicht. Im dritten Jahr erfolgte die Ausbildung zum Kunstgärtner, im vierten Jahr schließlich die zum Gartenkünstler.

Ab dem zweiten Lehrjahr fand die praktische Ausbildung auch in den königlichen Gärten in Potsdam sowie auf der Pfaueninsel statt. Die Auszubildenden wurden auf die einzelnen Hofgärtner aufgeteilt, bei denen sie auch wohnten.

1842 zog die Landesbaumschule nach Geltow um. Die Gärtnerlehranstalt übernahm nun deren Gebäude an der Straße zum Neuen Palais. 1853 wurde die Schöneberger Abteilung geschlossen und 1854 wurde die Anstalt in „Königliche Gärtner-Lehranstalt zu Potsdam“ umbenannt.

Bis zu seinem Tod 1866 stand Lenné der Schule als Direktor vor. Ab 1866 bekleidete den Direktorenposten dann immer der amtierende Königliche Hofgartendirektor. So wurde Ferdinand Jühlke Lennés Nachfolger. Unter ihm wurde 1869 das Gebäude der Gärtnerlehranstalt in seine heutige Form umgebaut. Dies geschah, um den Erfordernissen des Schulbetriebes und der Unterbringung der Schüler besser gerecht zu werden, als dies bisher in dem ehemaligen Baumschulgebäude möglich war. Ebenfalls unter Jühlke wurde ab 1870 das Gelände der einstigen Baumschule in einen Mustergarten mit Wirtschaftsgebäuden und Gewächshäusern umgewandelt. Auf Jühlke folgten bis 1903 noch Franz Vetter, Hermann Walter und Gustav Adolph Fintelmann.

1903 wurde die Lehranstalt nach Dahlem verlegt. Insgesamt sollen etwa 50 Lehrer an der Lehranstalt gewirkt haben und dabei über 1.000 Schüler ausgebildet haben. Der für Potsdam bedeutendste Absolvent ist der spätere Staudenzüchter Karl Foerster, der ab 1892 die Lehreinrichtung besuchte. Weitere bekannte Schüler der Gärtnerlehranstalt waren unter anderem Julius Trip (ehemaliger Stadtgärtner in Hannover), Adolf Kowallek (ehemaliger Obergärtner der Stadtgärtnerei Nürnberg) oder Walter von Engelhardt (erster Gartenamtsdirektor von Düsseldorf).

Heute sind in dem ehemaligen Gebäude der Gärtnerlehranstalt Wohnungen eingerichtet, auf dem Gelände befinden sich Kleingärten und Garagen.