Landhaus Rubinski

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Landhaus Rubinski im Frühjahr 2001

Das Landhaus Rubinski befindet sich am Ostufer des Heiligen Sees in der Seestraße 45 in der Berliner Vorstadt von Potsdam. Von September 1958 bis 1990 (genauer Zeitpunkt nicht bekannt) war in dem Gebäude das ehemalige Haus der Lehrer untergebracht. Vorher war dieses in der Seestraße 41/42 (Landhaus Prölß).
Das Landhaus wurde im Januar 2006 unter Denkmalschutz gestellt. In der von der Unteren Denkmalschutzbehörde von Jörg Limberg im November 2005 verfassten „Begründung der Unterschutzstellung“ wird ausführlich über den Baustil, die Bauplanung und -ausführung und die Besonderheiten der Architektur geschrieben. In der Liste der Baudenkmale in Potsdam wird es unter der OBJ-Dok-Nr.: 5000 09156718 geführt. Die Eintragung umfasst die Gebäudeanlage in ihrer Gesamtheit, einschließlich der Raumstruktur, der wandfesten Ausstattung, wie Türen, Fenster, Treppen, Geländer und Details, wie Klingelschilder, Griffe etc. sowie die straßenseitige Einfriedung.

Geschichte von 1912 bis 1945

Das 1912/1913 errichtete Landhaus (Grundbuchbezirk Potsdam, Band 46, Blatt 1891-Gemarkung 0501, Flur 2, Flurstück 487) wurde von dem jüdischen Warenhausbesitzer Julius Rubinski erbaut und nach ihm benannt – bis 1912 hieß die Seestraße noch „Straße Nr. 1“. Bauausführung und Architekt war mit großer Wahrscheinlichkeit das Baugeschäft Adolf & Friedrich Bolle aus Potsdam. Fertigstellung war im Mai 1913.

Julius Rubinski war seit 1897 Prokurist und ab August 1901 Geschäftsführer und persönlich haftender Gesellschafter des in der Brandenburger Straße 30-31/Ecke Jägerstraße gelegenen Warenhauses M. Hirsch KG, als zusammen mit dem Hamburger Handelshaus M. J. Emden Söhne eine Kommanditgesellschaft gegründet wurde. Er wurde am 10. Juni 1872 in Insterburg/Ostpreußen geboren und war mit Paula David (20. Dezember 1878 in Osnabrück geboren – 1945 im KZ Auschwitz gestorben) verheiratet und hatte zwei Kinder: Alfred, geboren 1901 in Berlin oder Potsdam und Ilse, geboren 1907 in Berlin oder Potsdam. Ab Oktober 1916 war Julius Rubinski Alleineigentümer des Warenhauses, weil die Kommanditgesellschaft M. Hirsch aufgelöst und als Offene Handelsgesellschaft (OHG) weitergeführt wurde. Julius Rubinski starb im November 1916 in Potsdam und wurde auf dem Jüdischen Friedhof beigesetzt.

Nach dem Tod von Julius heiratete die Witwe Rubinski im November 1918 den Urologen Sanitätsrat Dr. med. Alfred Rothschild (geboren 1866 in Freiburg/Breisgau – gestorben Dezember 1942 in Theresienstadt). Im März 1934 stellten die Eigentümer Alfred und Ilse Rubinski (seit 17. Februar 1927 gemäß dem Testament ihres Vaters) über den Architekten Egon Eiermann den Antrag, das Haus als 2-Familien-Haus umzubauen. Dieser wurde aber schon im gleichen Monat zurückgezogen. Während der NS-Zeit wurde ihnen das Haus für das Polizeipräsidium Potsdam im Herbst 1941 abgekauft (es gibt in der Grundakte Acta specialia keinen Hinweis, dass ein Preis tatsächlich bezahlt wurde – wahrscheinlich wurden die Rubinski enteignet). Von Herbst 1941 bis Mai 1945 wohnte hier der SS-Oberführer (Stabsoffizier) und Potsdamer Polizeipräsident Heinrich von Dolega-Kozierowski.

Geschichte nach 1945

Nach dem Krieg wurde das Haus „volkseigen“ und das Land Brandenburg der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) Eigentümer. Es wurde zunächst als Gästehaus des Landes verwendet. Ab September 1958 wurde das Landhaus als „Haus der Lehrer“ genutzt. Wann dieses Haus von der Gewerkschaft Unterricht und Erziehung des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) geräumt wurde, ist nicht bekannt. Der FDGB löste sich zum 30. September 1990 auf.

Nach der Wiedervereinigung erwarb der Immobilienspekulant Johannes Rey (* 1953; † 9.10.2005 in Oberursel) um 1995 das Grundstück von der „Conference on Jewish Material Claims against Germany (JCC)“ und vermietete es an die Bildungseinrichtung ISBP - Internationale Schule Berlin Potsdam GmbH. Längere Zeit stand das Haus auch leer. Als Rey in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet (Zwangsverwaltung durch die Nassauische Sparkasse und Insolvenz) erstand im Februar 2005 der Modedesigner Wolfgang Joop die Villa mit dem 2.300 Quadratmeter großen Wassergrundstück für 2,1 Millionen Euro im Rahmen einer Zwangsversteigerung. Er wollte es als Ausstellungsraum für seine Mode „Wunderkind“ nutzen.

Im Februar 2007 verkaufte Joop das Landhaus wieder und die neuen Eigentümern sanierten es denkmalgerecht sehr aufwändig innen und außen. Hierzu mussten Teile der Seeseite zurückgebaut werden, die nicht dem ursprünglichen Gebäude entsprachen. Auf der Seeseite kam eine vom Denkmalschutz genehmigte, vorher nicht vorhandene Terrasse und doppelläufige Freitreppe an das Haus. Seit Frühjahr 2009 wird es als Wohnhaus der Eigentümer genutzt.

Der Umbau wurde von den Architekten Huhnhold und Gero Hoppe, Potsdam geplant.
Leistungen: - Sanierung der denkmalgeschützten Villa mit Neubau Terrasse für Schwimmbad einschl. Freitreppe - Leistungsphasen: 1 - 9 HOAI, einschl. Freianlagen - Fertigstellung: Dezember 2008

Die Bauausführung erfolgte u. a. durch Roland SCHULZE Baudenkmalpflege GmbH, Potsdam

Die Gartenanlage wurde vom Landschaftsarchitekten Gunnar LANGE aus Bad Belzig ausgeführt.

Weitere Details

  • Das Baugeschäft Adolf & Friedrich Bolle wurde 1850 gegründet und war ein großes Planungs- und Bauunternehmen in Potsdam. Durch einen Bombenangriff im Februar 1945 wurde der Firmensitz am Blücherplatz 4-5 in Potsdam schwer beschädigt und die Akten größtenteils vernichtet. Daher sind nur wenige Informationen dieser Baugesellschaft bekannt.


Stolpersteinverlegung

  • Am 19. Mai 2022 wurden vor dem Grundstück Stolpersteine für die letzten jüdischen Bewohner - Alfred und Paula Rothschild - gelegt. Alfred verstarb im Dezember 1942 in Theresienstadt an Herzversagen und Paula wurde nach Mai 1944 im Konzentrationslager Auschwitz umgebracht.

Weitere Bilder

Quellen

  • In vielen Publikationen - Zeitungen, Orts- und Reisebschreibungen - wird das Haus der Lehrer irrtümlich als Haus des Lehrers bezeichnet. Ein Foto vom 2. Mai 1966 vom Fotografen Werner Taag zeigt aber eindeutig, dass hier voneinander falsch abgeschrieben wurde. Das Foto ist im Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte unter FS24684 einsehbar (darf aber hier aus rechtlichen Gründen nicht veröffentlicht werden).
  • Bauzeichnungen von A. & F. Bolle 1912
  • Fassadenansichten für Bauantrag vom Juli 1912
  • Geschichtsort Potsdam - Julia Baumhauer u. a.: Die kleine Geschichte des Warenhauses Hirsch, hrsg. v. Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg, Potsdam 2000, zitiert in: Leo v. Lobenstein, Johann Schramm: Kaufhaus Magda Hirsch, Website Geschichtsorte Potsdam:
  • commons.wikimedia - Begründung der Unterschutzstellung der Unteren Denkmalschutzbehörde vom November 2005
  • Die Akten des "Haus der Lehrer" befinden sich im Brandenburgischen Landeshauptarchiv (BLHA) - sind aber noch nicht gesichtet (August 2022)