Leo Freiherr Geyr zu Schweppenburg

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Leo Dietrich Franz Reichsfreiherr Geyr von Schweppenburg (* 2. März 1866 in Potsdam; † 27. Januar 1974 in Wiesbaden) war ein deutscher General, Oberbefehlshaber, Militärattaché und Publizist.

Berufs- und Lebensweg

Leo Geyr von Schweppenburg begann 1904 seine Offizierskarriere als Fahnenjunker in Stuttgart. Bereits ein Jahr später wurde er zur Ausbildung an die Kriegsschule Potsdam versetzt. Im gleichen Jahr wurde er zum Leutnant befördert. Ab 1911 besuchte er die Kriegsschule in Berlin. Während des Ersten Weltkrieges nahm er als Rittmeister sowohl im Bereich der Ost- wie der Westfront teil. Nach der militärischen Niederlage und des Zerfalls des kaiserlichen Staates bemühte er sich, im Auswärtigen Amt in Berlin seine berufliche Tätigkeit fortzusetzen, wurde jedoch dann in die Reichswehr der Weimarer Republik übernommen.

In dieser Zeit war Leo Geyr von Schweppenburg als Lehrer an der Infanterieschule, als Kommandeur mehrere Kavallerieverbände und im Generalstab eingesetzt. Mehrmals wurde er für den Einsatz als Militärattaché vorgeschlagen, erhielt aber erst 1933 seine Kommandierung an die deutsche Botschaft für Großbritannien. Sein Aufgabenbereich erstreckte sich von London aus, auch auf Belgien und die Niederlande. Zwischen ihm und dem amtierenden deutschen Botschafter Leopold von Hoesch (1881-1936) entwickelte sich bald ein sehr vertrauliches und in den Grundauffassungen übereinstimmendes Verhältnis. In seinem Aufgabenfeld bemühte er sich einen guten und zum Teil vertraulichen Kontakt zu den britischen Militärstellen aufzubauen, was aber angesichts der seit 1933 durch die NSDAP betriebene Hetzkampagnen und politische Übergriffe gegen Großbritannien sehr erschwert wurde. Dennoch gelang ihm, durch sein persönliches Auftreten, vorsichtige gemeinsame Vereinbarungen zum gegenseitigen Besuch von Offizieren und Absprachen über die Teilnahme an Truppenmanövern zu treffen. Doch die Rahmenbedingungen änderten sich 1936, als nach dem Tod des Botschafters Hoesch, Joachim von Ribbentrop (1893-1946) die Verantwortung zur Führung der Botschaft übernahm. In seinen Berichterstattungen und bei persönlichen Absprachen mit hohen Offizieren der Wehrmacht brachte von Schweppenburg immer wieder zum Ausdruck, dass Deutschland durch seinen aggressiven Kurs der immensen Luftrüstung, das deutsch-englischen Verhältnis akut gefährdet. Am 30. September 1937 beendete er, inzwischen mit seinen Warnungen in der Heeresführung ignoriert, seine Mission als Militärattaché in London.

Wieder in Deutschland wurde Leo Geyr von Schweppenburg in Kommandeursstellen, so auch in der Nachrichtentruppe in Stahnsdorf, eingesetzt. Beim deutschen Überfall auf Polen waren seine Einheiten, an der Seite der von General Heinz Guderian (1888-1954) geführten Panzerverbände, mit beteiligt. Im Februar 1940 zum Kommandierenden General des XXIV. Armeekorps ernannt, nahm er zunächst auch an den Kämpfen gegen Frankreich teil. Wurde aber dann wegen seiner, die strategischen Pläne des Oberkommandos der Wehrmacht ablehnenden Haltung, aus dieser Position entfernt. Erst nach dem erfolgten Überfall auf die Sowjetunion 1941 wurde er wieder als Kommandierender General, nun des III. Armeekorps, eingesetzt. Er nahm an mehreren großen Schlachten teil und wurde dann 1943 als Kommandierender General des LXXVI. Armeekorps nach Frankreich versetzt. Bei der Landung der alliierten Verbände im Juni 1944 wurde sein Hauptquartier zerstört. Kurz darauf wurde er in die Führerreserve versetzt. Wieder in das Ersatzheer eingegliedert, kam er im Mai 1945 in Kriegsgefangenschaft. Erst im Juli 1947 wurde er hieraus entlassen.

Nach seiner Freilassung verfasste Leo Geyr von Schweppenburg seine Memoiren und begann an militärischen Publikationen zu arbeiten. Erste Veröffentlichungen erschienen 1949, weitere folgten bis 1952. Darin setzte er sich vor allem mit den eigenen Erfahrungen und daraus abgeleitet, dem politisch-strategischen Kräfteverhältnissen nach dem Krieg auseinandersetzte. Später meldete er sich mehrfach in Fachzeitschriften der BRD und der NATO-Mitgliedstaaten zu Wort. Erst nach seinem Ableben erschien 1984 , die von ihm verfasste Würdigung seines früheren Vorgesetzten, "Leopold von Hoesch - Ein Botschafter für denFrieden".

Familie

Leo Geyr von Schweppenburg hatte 1911 Anais Krausse geheiratet. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor.

Er selbst verstarb am 27. Januar 1974 in Irschhausen.

Publikationen von Leo Geyr von Schweppenburg

  • Erinnerungen eines Militärattachés. London 1933–1937, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1949.
  • Gebrochenes Schwert, Bernard & Graefe Verlag, Berlin 1952.
  • Die Verteidigung des Westens, Verlag Friedrich Rudl, Frankfurt 1952.
  • Die große Frage. Gedanken über die Sowjetmacht, Bernard & Graefe Verlag, Berlin 1952.
  • The Critical Years, Wirgate, London 1952.
  • Übersetzung aus dem Englischen: Lebenserinnerungen, von B.H. Liddel Hart, im Econ Verlag Düsseldorf und Wien, 1966
  • Leopold von Hoesch, Botschafter für den Frieden, Privatdruck in Bischofsheim / Röhn, 1984 (erscheint postum)

Quellen

  • Mark M. Boatner: The Biographical Dictionary of World War II, Presidio Press. Novato CA 1996. ISBN 0-89141-548-3.
  • Dermot Bradley (Hrsg.), Karl-Friedrich Hildebrand, Markus Rövekamp: Die Generale des Heeres 1921–1945. Die militärischen Werdegänge der Generale, sowie der Ärzte, Veterinäre, Intendanten, Richter und Ministerialbeamten im Generalsrang, Band 4, Biblio Verlag. Osnabrück 1996. ISBN 3-7648-2488-3.
  • Hans Hildebrand, Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1915-1945, Band 1, Biblio Verlag Osnarbrück 2000,
  • Manfred Kehring, Die Wiedereinrichtung des deutschen militärischen Attachédienstes nach dem Ersten Weltkrieg (1919-1933), Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein, 1966,
  • Biografie über Leo Geyr von Schweppenburg, Munzinger Archiv, URL: http://www.munzinger.de/document/00000003099

Weblinks

  • wikipedia - Biografie über Leo Geyr von Schweppenburg