O-Bus

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Ein O-Bus, der Baureihe 9Tr von Škoda, im Jahr 1978

Der O-Bus, auch „Obus“ geschrieben, war ein über elektrische Oberleitungen angetriebener Omnibus und das beliebteste Transportmittel des öffentlichen Personennahverkehres in Babelsberg. Durch seinen elektrischen Antrieb war der Bus sehr leise und äußerst umweltfreundlich.

Geschichte

Im Jahr 1941 wollten die Potsdamer Verkehrsbetriebe durch die Siemens-Schuckert-Werke ein O-Bus-Netz in Babelsberg bauen lassen. Trotz der Kriegswirren schafften es die Potsdamer Stadtwerke in den letzten Kriegsjahren Material für die Oberleitungen und Fahrzeuge für den Busbetrieb zu beschaffen. Erste Fahrleitungsmasten wurden schon 1944 in der Priesterstraße aufgestellt.

Nach Kriegsende ruhten die Arbeiten für den weiteren Aufbau des Netzes. Erst Ende 1947 war es wieder möglich das Projekt aufzunehmen. Am 1. Oktober 1949 konnte dann die erste O-Buslinie eröffnet werden. Sie führte von der Goethestraße zur Karl-Liebknecht-Straße und über den Bahnhof Drewitz zur Bushaltestelle "Drewitz Ort". Die Strecke war 5,8 Kilometer lang. Eingesetzt wurden zunächst die LOWA-O-Busse aus der DDR-eigenen Produktion.

Am 23. Juni 1956 wurde eine zweite Streckenlinie, die Linie B, in Betrieb genommen. Sie führte vom Bahnhof Drewitz über die Ernst-Thälmann-Straße zur Steinstraße. Die Rückfahrt erfolgte über die Mendelssohn-Bartholdy-Straße. Ein knappes Jahr später wurde ein weiterer Streckenabschnitt eröffnet – von der Goethestraße über die Karl-Marx-Straße und Hermann-Maaß-Straße zur Allee nach Glienicke. Diese Linien wurden mit 15 O-Bussen und sechs Anhängerwagen betrieben. Ab 1958 verkehrten hauptsächlich Busse der Marke Škoda aus der damaligen CSSR. Zeitweilig waren auch die ungarischen Ikarus-Busse im Einsatz.

Am 11. August 1971 wurde der Abschnitt „Bahnhof Drewitz“–„Drewitz Ort“ stillgelegt. Der Bau des Wohngebietes Am Stern machte es erforderlich, die frequentierten Straßen abzureißen und zuverlegen. Seitdem verkehrten nur noch die Linien A und B. Eine dritte Linie wurde nicht wieder eröffnet.

Ein defekter O-Bus, der Baureihe 9Tr von Škoda, im Jahr 1978

Bis Ende der 1970er Jahren wollte man eine Erweiterung des Linienverkehres bis in das Neubaugebiet der Waldstadt legen. Auch eine großräumige Netzerweiterung zwischen Eichhorst, Bahnhof Babelsberg bis Drewitz (Ort) und Bahnhof Rehbrücke war in Überlegung. Ebenso gab es Planungen für eine Überlandlinie nach Teltow oder Caputh. Zur Durchführung dieser Überlegungen ist es jedoch nie gekommen.

Nach der Wende kam das schleichende Aus für den O-Busverkehr. Da die Eisenbahnlinie für den ICE-Verkehr von und nach Berlin elektrifiziert werden sollte, entstanden am Bahnübergang Bahnhof Drewitz Probleme. Aus Sicherheitsgründen durfte es keine Oberleitungskreuzung an Bahnübergängen geben. Deshalb beschloß der Potsdamer Magistrat den Ankauf von Duobussen. Diese O-Busse konnten auch mit Diesel fahren und so die Lücke in der Oberleitung am Bahnübergang Drewitz passieren. Sie kamen auf der Linie A – die nunmehr Linie 690 hieß – zwischen Goethestraße und Steinstraße zum Einsatz. Die Linie B (nun Linie 691) wurde von Babelsberg Nord – der ehemaligen Villenkolonie Neubabelsberg – nur noch bis zum Bahnhof Drewitz geführt.

Im Mai 1994 kam es zu einer weiteren Teilstilllegung. Wegen schlechter Straßenzustände konnte die Strecke „An der Aue“ nicht mehr angefahren werden. Ein knappes Jahr später gab die DEKRA dann dem O-Busbetrieb den Todesstoß. Auf Grund des maroden Zustandes der Fahrzeuge mußte der Betrieb eingestellt werden. Da das nötige Geld für die Instandsetzung der Busse und der Infrastruktur fehlte – vom Neuankauf ganz zu schweigen – erfolgte am 22. Januar 1995 die Abschiedsfahrt des letzten O-Busses. Damit ging die Ära eines der umweltfreundlichsten Transportmittel zu Ende. Am 13. September 1996 wurden die letzten Fahrleitungen demontiert und der letzte Oberleitungsmast folgte am 4. Januar 1999.

Weitere Details

ehemalige Feuerwache und O-Bus-Depot im Frühjahr 2011

Das Depot der O-Busse befand sich auf dem Gelände der ehemaligen Feuerwache Babelsberg in der Stephensonstraße.

Weblinks

Quellen