Oberlinhaus

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Teil das Oberlinhauses,
im Herbst 2007
Der Haupteingang,
im Herbst 2007

Das Oberlinhaus im Potsdamer Stadtteil Babelsberg ist ein eigenständiges diakonisches Dienstleistungsunternehmen mit Betreuungs- und Bildungsangeboten sowie Einrichtungen zur schulischen, beruflichen, medizinischen und sozialen Rehabilitation. Das Gelände wird von der Rudolf-Breitscheid-Straße, der Straße Alt Nowawes und der Garnstraße umfaßt. Als Hausadresse ist die Rudolf-Breitscheid-Straße 24 angegeben.

Zu der Einrichtung gehören eine Orthopädische Fachklinik, Wohnungen und Werkstätten für behinderte Menschen, Kindertagesstätten, der Oberlinkirche und eine Ausbildungsstätte für die Berufsausbildung behinderter Jugendicher, der „Berufsbildungswerk im Oberlinhaus gGmbH“ (BBW).

Geschichte

Anfänge

Im Jahr 1871 wurde in Berlin der Oberlinverein gegründet. Namensgeber war der elsässische Sozial-Reformer und Pfarrer Johann Friedrich Oberlin (1740–1826). Die Betreuung und Bildung von kleinen Kindern zu organisieren und zu fördern, war das wesentliche Ziel des Vereins. 1874 eröffnete der Oberlinverein im damaligen Nowawes eine Kleinkinderschule mit einem Seminar zur Ausbildung von Kleinkinder-Schullehrerinnen.

Die Kleinkinder-Schule wurde schon bald mit der Gemeindepflege verbunden. Die Gemeinden brauchten Diakonissen, so dass im Jahr 1879 das Oberlinhaus ein Diakonissen-Mutterhaus wurde. Am 12. Januar 1905 wurde feierlich die Oberlinkirche auf dem Gelände eingeweiht.

1878 wurde das neu erbaute Diakonissen-Mutterhaus eröffnet, in dem 1881 eine Poliklinik, 1883 eine Kinderkrippe und 1888 eine erste Krankenstation ihren Betrieb aufnahmen. Erster Vorsteher wurde Theodor Hoppe. 1886 begann hier die Arbeit mit behinderten Menschen.

Am 20. Oktober 1890 konnte der Oberlinverein, mit Hilfe von Spenden, auf eigenem Grundstück das erste Krankenhaus in Nowawes mit 45 Betten eröffnen. 1894 folgten das erste „Deutsche Vollkrüppelheim“, ergänzt 1899 durch ein Krüppelschulhaus, 1906 das „Taubstummblindenheim“ und Werkstätten zur behindertengerechten beruflichen Ausbildung und 1910 das „Oberlin-Kreiskrankenhaus“.

Entwicklung

In den ersten 40 Jahren seines Bestehens wuchs das Gesamtwerk Oberlinhaus sehr schnell. Immer neue Aufgaben wurden angenommen und bewältigt. Noch vor der Jahrhundertwende entwickelte der damalige Hausvorstand (Oberin Thusnelda von Saldern und Pastor Theodor Hoppe) eine inhaltliche Grundlage für die weitere Arbeit im Oberlinhaus. Sie erarbeiteten die Konzeption einer komplexen Rehabilitation, welche die medizinischen, pädagogischen, beruflichen und sozialen Aufgaben auf einer geistlichen Basis ganzheitlich an den Bedürfnissen des Einzelnen orientiert. Dieses in jener Zeit einzigartige und später richtungsweisende Konzept wurde im Jahre 1900 auf der Pariser Weltausstellung mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Noch heute fühlt sich der Oberlinverein diesem Grundsatz in der Behindertenhilfe verpflichtet.

Innerhalb der „Deutschen Vereinigung für Krüppelpflege e.V.“ hat sich das Oberlinhaus maßgeblich an der Entstehung des ersten „Krüppelfürsorgegesetzes“ beteiligt, welches 1920 erlassen wurde. Für die Arbeit in den Einrichtungen war dieses Gesetz von entscheidender Bedeutung. Von nun an war die Behindertenfürsorge keine „Gnadenleistung“ mehr, sondern eine Pflichtleistung der Gesellschaft und des Staates. Es bildete somit den Grundstein der späteren Rehabilitationsgesetze.

Ab 1930

In den 1930er Jahren kam es erneut zu einer Ausdehnung der Aufgaben und damit einhergehend zu baulichen Erweiterungen. Am Ende des Zweiten Weltkrieges (1945) wurde das Oberlinhaus von schweren Fliegerbomben getroffen. Einige Häuser wurden vollständig zerstört. Kirche, Mutterhaus und Klinik wurden durch nahe Bombeneinschläge stark in Mitleidenschaft gezogen. In den folgenden Jahren wurden alle Kriegsschäden behoben und die einzelnen Dienstbereiche konnten neu strukturiert werden. Bis in die 1950er Jahre wurden von Diakonissen des Oberlinhauses 47 Außenstationen betreut, unter anderem 39 Gemeindepflegen, eine Klinik für Nervenkranke, vier Altersheime und eine Lungenfürsorgestelle.

Im Frühjahr 1983 konnte das Reinhold-Kleinau-Haus für körper- und mehrfachbehinderte Erwachsene eingeweiht werden. Mit großen Anstrengungen und dem unermüdlichen Wirken von Pastor Eckard Beyer war dieser so dringend benötigte Neubau möglich geworden. Nach der Wiedervereinigung wurden auch die Werkstatt- und Beschäftigungsbereiche für behinderte Erwachsene neu geordnet.

Nach der Wende

Im Jahr 2000 erwarb das Oberlinhaus ein Wohnhaus und das Gebäude der alten Babelsberger Post, um seinen Gebäudekomplex auszudehnen. Die Gebäude wurden zu einem Taubblindenheim für Kinder ausgebaut.

Die traditionellen Werkstätten des Oberlinhauses und die der Hoffbauer-Stiftung wurden zu einem wirtschaftlich tragfähigen Unternehmen zusammengeführt, das im Jahr 2009 mehr als 200 Menschen mit Behinderungen beschäftigt.

Oberlin-Klinik

Die Oberlin-Klink ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des Verein Oberlinhaus. Die Klinik befindet sich auf dem Gelände des Verein Oberlinhaus und ist als Brandenburger Wirbelsäulenzentrum ausgewiesen.

Die Klinik ist eine orthopädische Fachklinik mit 160 Betten und rund 250 Mitarbeitenden in vier Fachabteilungen:

  • Anästhesie- und Intensivmedizin
  • Extremitäten-Chirurgie
  • Wirbelsäulen-Becken-Chirurgie
  • Neuroorthopädie

Weitere Details

Vorstand

Das Oberlinhaus wird im Jahr 2009 von einem Zwei-Personen-Vorstand verantwortlich geführt: der Vorstandsvorsitzende Pfarrer Matthias Fichtmüller (seit 1. März 2008) und der Kaufmännische Vorstand Andreas Koch (seit 1. Juli 2002). Andreas Koch hatte zuvor schon seit 1999 das Amt des sogenannten Stiftskämmerer inne.

Aufsichtsrat

Einmal im Jahr tritt die Mitgliederversammlung zusammen. Sie wählt den Aufsichtsrat, der bis zu 12 Mitglieder haben kann. Mitgliederversammlung und Aufsichtsrat nehmen ihre satzungsgemäßen Kontrollaufgaben gegenüber dem Vorstand wahr.

Leitlinien

Der Verein Oberlinhaus ist eine diakonische Einrichtung für junge und alte, sowie für kranke Menschen, Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen. Diakonie ist Dienst an Menschen in gelebter christlicher Nächstenliebe. Die Leitlinien sollen helfen, das Miteinander zu fördern.

Zahlen, Daten und Fakten

  • Bettenkapazität: 148 Vollstationäre, 12 Tagesklinik
  • Anzahl der Operationen (2008): 4.600
  • stationäre Behandlungen pro Jahr (2008): 4.468
  • teilstationäre Behandlungen pro Jahr (2008): 287
  • Anzahl der Mitarbeitenden (2008): 254
  • Zertifizierungen: proCum Cert inkl. KTQ seit 02 / 2005

Geschichte

  • 1881 – Gründung der Poliklinik
  • 1888 – eingerichtete Krankenstation
  • 1890 – als Babelsberger Krankenhaus (mit 45 Betten) eröffnet, wurde das Gebäude schnell zu klein, in der späteren Oberlinschule entstand ein Neubau
  • 1910 – Einweihung des Oberlin-Kreiskrankenhauses; Betreiber waren der Verein Oberlinhaus und der Kreis Teltow
  • 1929 – endete die Zusammenarbeit des Verein Oberlinhaus und des Kreises Teltow, den Betrieb des Kreiskrankenhauses übernahm ab sofort nur noch der Kreis Teltow; daraus ging das heutige Städtische Klinikum „Ernst-von-Bergmann“ hervor
  • 1930 – in den 30er Jahren baut der Facharzt für orthopädische Chirurgie, Dr. Karl Stahlschmidt, die medizinische Abteilung des damaligen Krüppelheimes zu einer Fachklinik aus
  • 1980 – erfolgt der Ausbau des Krankenhauses zu einer modernen orthopädischen Fachklinik
  • 2000 – Eröffnung Wirbelsäulen-Chirurgie
  • 2005 – Eröffnung Neuroothopädie
  • 2001 – Eröffnung der Tagesklinik
  • 2007 – Einweihung des Klinikneubaus
  • 2007 – Gründung gGmbH
  • 2006 – Gründung Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) im Oberlinhaus gGmbH
  • 2008 – Gründung Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) der christlichen Krankenhäuser St.-Josefs-Krankenhaus und Oberlin-Klinik in Potsdam GmbH

Weblinks