Polizeigefängnis

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Das ehemalige Polizeigefängnis in der Henning-von-Tresckow-Straße (vormals Bauhofstraße, bis 1945 Priesterstraße) wurde 1925 errichtet und 1939 mit einem zweiten Gebäude auf 124 Zellen erweitert. Das Gefängnis befand sich auf dem Hof des Polizeipräsidiums - kurz vor der Bahnunterquerung zur Kleingartensparte Hinzenberg. Es wurde von der Kriminalpolizei, der Schutzpolizei und der Gestapo belegt, die für ihre Zwecke 90 bis 100 Zellen für Sonderaktionen angemeldet hatte. Heute ist an seiner Stelle ein nicht öffentlicher Parkplatz. Das Gefängnis wurde bis ins Jahr 2000 genutzt. Es wurde nach 1945 durch die Polizei als Untersuchungshaftanstalt und durch die Stasi genutzt. Im Jahre 2002 erfolgte der Abriss.


Das Gefängnis bis 1945

Im Zuge der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 wurden zahlreiche jüdische Männer in Potsdam und Babelsberg festgenommen und in das Polizeigefängnis in der damaligen Priesterstraße gebracht. Zu ihnen gehörte der expressionistische Maler Fritz Ascher, der dann in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert wurde. Sein Werk wurde erst zu Beginn des Jahres durch eine Ausstellung des Potsdam Museums und des Museums Charlottenburg-Wilmersdorf zusammen mit der Fritz Ascher Society gewürdigt.

Auch Hansjoachim von Rohr, konservativer Politiker und erklärter Gegner der Nationalsozialisten, war im Polizeigefängnis Priesterstraße inhaftiert. Festgenommen in Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944, war er seit August 1944 bis zum Kriegsende im Polizeigefängnis Potsdam inhaftiert. Mitglieder von Widerstandsgruppen wurden sowohl in der Priesterstraße als auch in der Lindenstraße inhaftiert.


Das Gefängnis nach 1945

Auch nach 1945 wurden Mitglieder von Widerstandsgruppen zum Teil im Polizeigefängnis untergebracht. Einige Inhaftierte wurden ab 1950 dem Gefängnis in der Bauhofstraße oder in das sowjetische Geheimdienstgefängnis Lindenstraße überstellt. Später, als nach 1952 der Staatssicherheitsdienst des Bezirkes Potsdam in der Lindenstraße (die damals Otto-Nuschke-Straße hieß) das Untersuchungsgefängnis betrieb, wurden Häftlinge kurz vor ihrer Freilassung oder ihrem Freikauf durch die Bundesrepublik in das Gefängnis in der Bauhofstraße überführt.

Quellen

  • Polizeigefängnis Bauhofstraße - MAZ vom 15. März 2018
  • Gemeinsame Erinnerung an ehemaliges Polizeigefängnis Priesterstraße / Bauhofstraße Pressemitteilung Ministerium des Inneren (MIK) vom 9. November 2018 [1]