Rudolf Moos

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Landhaus Moosgarten im Sommer 2020

Rudolf Moos (* 25. November 1866 in Buchau, ((damals Königreich Württemberg)); † 9. Oktober 1951 in Birmingham) war ein deutsch-jüdischer Unternehmer, Mitbegründer der Marke „Salamander“. Er bewohnte eine Villa im damaligen Ort Nowawes (heute Babelsberg), am Horstweg 10. Dieses Landhaus Moosgarten wurde benannt nach der Laubenkolonie (Kleingartensparte), die Rudolf Moos auf dem Gelände seiner eigenen Gärtnerei im Umfeld seiner Villa im Jahr 1929 errichten ließ.


Geschichte

Rudolf Moos wurde als Sohn des Lederwarenhändlers Heinrich Moos (1834-1891) und dessen Ehefrau Karoline Moos (* 1840) in Buchau geboren. Im Jahre 1871 zog die Familie nach Ulm. Hier besuchte Rudolf die Schule und arbeitete nach dem Schulabschluss zunächst in der Lederwarenhandlung seines Vaters. Als sein Vater im Jahre 1891 starb übernahm er die Leitung der Firma. Neben dem Verkauf von Lederwaren stellten sie auch Pflegemittel für Schuhe selbst her. In dieser Zeit entwickelte er das Warenzeichen einer Eidechse, was zunächst auf den Dosen für die Lederpflegemittel platziert wurde. Dieses „Symbol“ ließ er am 5. Dezember 1899 als Marke beim Deutsches Patent- und Kaiserlichen Patentamt in Berlin als Warenzeichen auf seine n Namen eingetragen.

Als Unternehmer machte Rudolf Moos sich Gedanken, wie er sein Geschäft erweitern und neue Geschäftsideen erproben könnte. Dabei spielte der Herstellungspreis für ein Paar Schuhe eine wichtige Rolle. Bei einer Ausschreibung, die er 1904 herausgegeben hatte, präsentierte sich die in Kornwestheim ansässige Schuhfabrikation Jacob Sigle und Max Levi als ein qualifizierter Partner für sein Unternehmen. Daraufhin ließ er am 8. Mai 1904 die beim Patentamt eingetragene Marke um die Fabrikation von Schuhen erweitern und gründete 1905, gemeinsam mit der Schuhfabrik Jacob Sigle die „Schuhverkaufs GmbH Salamander“. Die Produktion wurde in den angestammten Werkstätten in Kornwestheim erweitert der Verkauf aus eigenen Kräften organisiert. Deshalb wurde noch im gleichen Jahr die erste Salamander-Filiale in Berlin gegründet. Als es zum Jahresende 1909 zu Unstimmigkeiten zwischen den Unternehmenspartnern kam verkaufte Moos seine Geschäftsanteile.

Um wieder mit eigenen Geschäften und der Schuhfabrikation Fuß zu fassen, bemühte Rudolf Moos sich, ab 1910 im Raum Berlin-Brandenburg eine neue Produktionsstätte für die Schuhherstellung zu finden. Vorsorglich hatte er sich die Namen „Puma“ und „Fasan“ beim Patentamt in Berlin sichern lassen. Im Folgejahr war er sich den Inhabern der Nowaweser Schuhfabrik „Haase & Russ“, Jacques Russ (1867-1930) und Herrn Haase (1887-1965), einig, ein gemeinsames Unternehmen zu betreiben. So gründeten sie die Firma Puma GmbH und planten die Schuherstellung in den bereits seit 1900 bestehenden Fabrikhallen für die Schuhproduktion in Nowawes, Retzower Straße 8/9, (heutige Benzstraße) zu organisieren. Vorsorglich ließen sie das Markenzeichen „Puma“ und „Fasan“ am 30. August 1912 beim kaiserlichen Patentamt aktualisieren. Unter der Markenbezeichnung „Puma“ wurden durchgenähte und rahmengenähte Schuhe, unter der Marke „Fasan“ Frauenschuhe hergestellt. Später kam noch eine dritte Marke der, „STEPHAN“-Schuh dazu, der im Auftrag des Produktdesigners Otto Stephan gefertigt wurde. Um die bisherigen Produktionsstätten zu erweitern kaufte die Puma GmbH ein großes Grundstück am Potsdamer Horstweg. Der Aufbau der neuen Fabrikräume wurde aber wegen des beginnenden 1. Weltkrieges verschoben und nach dessen Ende nicht wieder aufgenommen.

Von seinem Freund dem Architekten August Endell (1871-1925) ließ sich Rudolf Moos 1913 am Rande dieses Geländes, unter der Adresse Horstweg 10, ein Wohnhaus errichten. Dieses Haus erhielt zu seiner Fertigstellung der Namen „Villa Moosgarten“, da auch noch eine Gärtnerei dazu entstand. Diese Villa entwickelte sich in den 1920er und den beginnenden 1930er Jahren zu einem beliebten Treffpunkt die Familien Moos und Einstein. Bis 1933 war beispielsweise Albert Einstein (1879-1955) mehrfach gern gesehener Gast in diesem Haus. Zum 25-jährigen Geschäftsjubiläum hatte die Schuhfabrikation bereits 350 Angestellte. Auf Grund der guten handwerklichen Qualität der Schuhproduktion arbeiteten Rudolf Moos und Jacques Russ in mehreren Ausschüssen und Verbänden der Leder- und Schuhindustrie sowie in Ausschüssen des Handwerkes mit. Die zum Grundstück der Villa „Moosgarten“ gehörende Gärtnerei wurde 1929 eingestellt und die damit freiwerdenden Flächen den Beschäftigten der Schuhfabrikation zur Nutzung als Schrebergärten zur Verfügung gestellt. Das schaffte eine gute Bindung der Belegschaft an den Standort Nowawes. Auf Grund einiger Fehlentscheidungen, die hauptsächlich den Vertrieb betrafen, geriet die Firma Anfang der 1930er Jahre in Schwierigkeiten.

Nach der Machtübernahme des NS-Regimes 1933 verschärften sich die Rahmenbedingungen noch weiter. Rudolf Moos verlor auf Grund der NS-Rassengesetze alle öffentlichen Ämter. Durch seine jüdische Herkunft wurde er bei der staatlichen Auftragsvergabe ausgeschlossen. Bis 1938 spitzte sich die Situation so weit zu, dass er sogar für 10 Tage von der Gestapo verhaftet wurde. Nach der Zahlung einer sogenannten „Fluchtsteuer“ in Höhe von 42.000 Reichsmark konnte er und seine Frau 1939 Deutschland in Richtung Großbritannien verlassen. Beide ließen sich in Birmingham – Großbritannien – nieder.

Rudolf Moos verstarb am 9. Oktober 1951 in Birmingham.

Quellen

  • Claus R. Russ, Jacques Russ und die wahre Geschichte über die PUMA-Schuhe, Artikel von 2017 aus Anlass der Straßenbenennung in Potsdam Babelsberg, (Kopie im Besitz des Autors)
  • Rudolf Moos: Journey of Hope and Despair: Volume I. Rise and Fall, 2010. Volume II, 2010;
  • Irmgard Sedler, Im Zeichen des Salamanders. Firmengeschichte in Selbstzeugnissen, Kohlhammer Verlag Stuttgart 2014;
  • Artikel über Rudolf Moos, Märkische Allgemeine Zeitung vom 8.Mai 2012;

Weblinks