Stadtmauer

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Die Stadtmauer im Frühjahr 2001

Die ehemalige Stadtmauer umschloss früher die Innenstadt von Potsdam. Sie war als Grenzmauer für die Soldaten errichtet worden, welche Fahnenflucht begehen wollten und später wurde sie als Steuermauer genutzt. Heute befinden sich die restlichen unter Denkmalschutz stehenden Teile größtenteils in der Großen Fischerstraße und ein kleiner Teil in der Schopenhauerstraße, am Alten Stadtwächter.

Architektur

Die Stadtmauer wurde – außer im Bereich der südlichen Wasserseite – aus Backsteinen gefertigt, die mit Ziegeln abgedeckt waren. Die Höhe der Mauer betrug etwa 3,77 Meter (12 Preußische Fuß). Die Mauer bestand aus starken Pfeilern, die durch Rundbögen miteinander verbunden waren. Zwischen den Pfeilern war die Mauer wesentlich dünner ausgeführt, wodurch kleine Nichen entstanden.

Geschichte

Als Garnisonsstadt verfügte Potsdam über eine Stadtmauer, die nicht der Verteidigung der Stadt diente, sondern vor allem die Fahnenflucht der Soldaten und den Warenschmuggel verhindern sollte. Die Stadtmauer verband die Stadttore, von denen heute (im Jahr 2009) noch drei nahezu vollständig erhalten sind – das Brandenburger Tor, das Nauener Tor und das Jägertor.

Im Jahr 1718 ließ Friedrich Wilhelm I. an der Havel einen Wall und einen Palisadenzaun errichten. Das weitere Stadtgebiet bedurft keine derartige Sicherung, da es von Sümpfen und einem Wassergraben – dem späteren Stadtkanal – umgeben war. Erst mit der ersten Stadterweiterung wurde der Bau einer sogenannten „Accise- und Desertations-Communication“ erforderlich. Doch kurz darauf begannen die Arbeiten zur zweiten Stadterweiterung und somit auch der Bau einer zweiten Stadtmauer.

Im Jahr 1826 wurden der Wall und der Palisadenzaun an der Havel zum größten Teil abgetragen und in eine Promenade umgewandelt. Der Abriß der Stadtmauer begann erst am Ende des 19. Jahrhunderts, wobei wenige Reste erhalten blieben. Die Stadttore aber wurden stehengelassen. Zwei der Stadttore sind am Ende des Zweiten Weltkrieges,zum größten Teil zerstört worden. Das Neustädter Tor wurde im Zweiten Weltkrieg, in der Nacht von Potsdam, fast völlig zerstört. Es blieb nur noch ein einzelner Obelisk erhalten. Das Berliner Tor mußte dem gestiegenden Verkehrsaufkommen weichen. Es blieb nur eine Seitenwand erhalten.

Verlauf von 1722

Potsdam bis 1733

Die erste Stadtmauer verlief, ausgehend vom Wall am Kiez, über die Breite Straße, durch die Lindenstraße und knickte an der Nordseite der Charlottenstraße in östliche Richtung ab. Kurz vor der später errichteten Französischen Kirche schwenkte die Mauer nach Nordosten in die spätere Hebbelstraße, um an der dortigen Zufahrt des Klinikum Ernst von Bergmann – Bereich Radiologie – in südöstlicher Richtung weiter zu führen (nicht mehr vorhandener Teil der Türkstraße). Die Einfahrt zum kleinen öffentlichen Parkplatz entsprach in etwa dem Verlauf der Stadtmauer. Die damals existierende Straße hieß bezeichnenderweise „Communication“ und endete in der Berliner Straße – später eine Zufahrt zum Klinikum Ernst von Bergmann. Die Mauer überquerte jetzt die Berliner Straße, am Berliner Tor, und führte weiter durch die Türkstraße. An der Großen Fischerstraße knickte die Mauer nach Süden ab und folgte dieser Straße bis zum Havelufer.

Verauf von 1733

Potsdam ab 1745

Die zweite Stadtmauer begann ebenfalls am Kiez, überquerte die Breite Straße als Neustädter Tor und verlief mittig auf der später, viel breiteren, Schopenhauerstraße. An der späteren Hegelallee bog sie östlich in die damalige Mauerstraße ab. Der Standort der Mauer ist sehr gut an den Grünstreifen und Parkplätzen in der Straßenmitte nachzuvollziehen. Im weiteren Verlauf durchquerte die Mauer die Kurfürstenstraße bis zur späteren Hebbelstraße. Diese Straße hieß früher „Communication“, genau wie die Stadtmauer selbst und wurde später (um 1830) in „Kommunikationen“ eingedeutscht und umbenannt. Der restliche Mauerverlauf entspricht dem der alten Stadtbefestigung.

erhaltene Reste

Der Abriß der Stadtmauer in der Hebbelstraße, um 1900

Mit dem Anwaschen der Bedeutung Potsdams wuchs auch die Stadt über ihre Grenzen. Längst war die Stadtmauer ein Hindernis bei der Ausdehnung der Stadt. So gab es bereits Mauerdurchbrüche in Höhe der heutigen Hermann-Elflein-Straße und der Jägerstraße, um ohne große Umwege in die Jägervorstadt zu gelangen. Am Ende des 19. Jahrhunderts begann dann der Abriß der Stadtmauer.

Bei diesem Abriß sind jedoch Reste erhalten geblieben. Diese stehen unter Denkmalschutz. Der größte Teil davon befindet sich in der Großen Fischerstraße, zwischen der ehemaligen Heilig-Geist-Kirche und der Straße Am Kanal. Ein kleiner Teil befindet sich in der Schopenhauerstraße Ecke Charlottenstraße, direkt an der Gaststätte „Alter Stadtwächter“.

Weitere Bilder

Quellen