Stadtschloß: Unterschied zwischen den Versionen

Aus PotsdamWiki
Wechseln zu:Navigation, Suche
(Das 20. Jahrhundert)
(kl. Korr)
Zeile 104: Zeile 104:
 
Bild:Exerzierplatz_1860.jpg|Der Exerzierplatz, im Jahr 1860
 
Bild:Exerzierplatz_1860.jpg|Der Exerzierplatz, im Jahr 1860
 
Bild:Lustgarten_um_1890.jpg|Das Stadtschloß, um 1890
 
Bild:Lustgarten_um_1890.jpg|Das Stadtschloß, um 1890
Bild:Innenhof_von_Muth.jpg|Der Innenhof, um 1900
+
Bild:Innenhof von Muth, um 1920.jpg|Der Innenhof, um 1900
 
Bild:Blick_aus_der_Schloßstr._(rechts_Stadtschloß).jpg|Blick aus der [[Schloßstraße]] (rechts das Stadtschloß), nach der [[Nacht von Potsdam]]
 
Bild:Blick_aus_der_Schloßstr._(rechts_Stadtschloß).jpg|Blick aus der [[Schloßstraße]] (rechts das Stadtschloß), nach der [[Nacht von Potsdam]]
 
Bild:Stadtschloß_&_Nikolaikirche,_1945.jpg|Innenhof des Stadtschlosses und der Nikolaikirche, 1945
 
Bild:Stadtschloß_&_Nikolaikirche,_1945.jpg|Innenhof des Stadtschlosses und der Nikolaikirche, 1945

Version vom 1. Dezember 2009, 17:29 Uhr

Das Stadtschloß, um 1928

Das Stadtschloss, früher auch Residenzschloss genannt, stand in der Innenstadt von Potsdam, direkt am Alten Markt. In unmittelbarer Nähe von dem zentralen Barockschloss befanden sich folgende Verkehrswege: die Breite Straße, die Schloßstraße, die Hohewegstraße, die Kaiserstraße, die Brauerstraße (heute ebenfalls nicht mehr existend), die Humboldtstraße und schließlich die Lange Brücke. Die Einfahrt vom Alten Markt erfolgt durch das Fortunaportal.

Das Stadtschloss war an die Stelle einer früheren Wall- und Befestigungsanlage errichtet worden. Unter verschiedenen Kurfürsten wurde es erst zur Burg und später zum Schloss ausgebaut. Sein heute bekanntes Aussehen erhielt es unter König Friedrich II. und wurde durch den Hofarchitekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff in den Jahren 1744 bis 1751 erschaffen. Die prachtvolle Innenausstattung galt als eine der wichtigsten Werke des Friderizianischen Rokoko. Nach dem Luftangriff in der Nacht von Potsdam, am 14.04.1945, brannte das Schloss aus und wurde dann in den Jahren 1959 bis 1960 gesprengt und die Reste abgetragen.

Ein in Anlehnung an des historsche Vorbild erfolgender Wiederaufbau als Sitz Brandenburger Landtages ist im Februar 2007 abschließend durch die Stadtverordentenversammlung beschlossen worden und soll bis zum Jahr 2011 umgesetzt werden.

Von der Burg zum Schloss

Bereits 993, dem Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung von Potsdam, befand sich am Havelufer – gegenüber der Nuthemündung – eine Slawenburg. Diese wurde später von deutschen Siedlern genutzt. Die Eroberung der Mark Brandenburg durch die Askanier im Jahr 1157, machte es notwendig, diese nach Westen zu verlegen und zu einer stärker befestigten Turmburg auszubauen. Diese bestand aus einem eckigem Turm und der steinernen Umfassungsmauer, deren Aufgabe es war, den dortigen Havelübergang abzusichern und die regelmäßigen Wanderströme aus dem Havelland in das Teltower Land zu kontrollieren. Im 14. Jahrhundert wurde dann eine noch wesentlich größere Burganlage errichtet, und die vorhandene Turmburg in die neue Anlage einbezogen.

Durch die anhaltenden und ständige Verpfändungen Potsdams verfielen die Gebäude weitestgehend. Auch damals schon durchgeführte regelmäßige Baugutachten zeigten einen derart maroden Zustand, dass Ende des 16. Jahrhunderts der Abriss der Burg und ein Neubau erfolgte. Ein wichtiger Anlass war jedoch auch der Erwerb des gesamten Gutes Potsdam durch den Kurfürsten Joachim Friedrich und dessen Gemahlin Katharina von Brandenburg-Küstrin, welche sich hier niederlassen wollte. Es wurde daher ein dreigeschossiges Gebäude mit 12 Dacherkernen und einem separaten Treppenturm errichtet. Das gesamte umlaufende Grundstück wurde im Karree durch eine Mauer abgegrenzt, dessen äußere Ecken durch Türme verstärkt wurden. Trotz des Todes der Kurfürstin 1602 konnten die Arbeiten 1603 abgeschlossen werden. Als im Jahr 1607 die Kurfürstin Eleonore von Preußen (Katharina von Brandenburg-Küstrin) starb, verlor der Kurfürst Joachim Friedrich jegliches Interesse an Potsdam und ließ sich im nördlich von Berlin gelegenen Joachimsthal nieder. Auch die ihm folgenden Kurfürsten zeigten keinerlei Interesse mehr an der Burganlage, weshalb sie zum wiederholten Male verpfändet wurde.

In der Zeit des Großen Kurfürsten

Datei:Eingangsseite des Stadtschlosses.jpg
Die Eingangsseite vom Stadtschloss, 1702

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) in Europa, wiesen das Gebäude und die Burganlage umfangreiche Schäden auf. Die meisten Fensterscheiben waren zerschossen, an sämtlichen Türen fehlten die Schlösser und auf dem Dach wuchsen wild die Bäume.

Als der Kurfürst Friedrich Wilhelm I. sämtliche Gebiete um Potsdam aus den Verpfändungen zurückkaufen wollte, wurde er durch den Klever Statthalter Johann Moritz von Nassau-Siegen, von dessen maßgeblicher Beteiligung an der Entwicklung der Stadt Kleve zu einer Kulturlandschaft, und durch die dortige Anlage verschiedener Parks, beeinflusst. Friedrich Wilhelm, der die umfangreichen Baumaßnahmen verfolgt hatte, war fasziniert und ließ sich auch regelmäßig Gartenbaufachbücher schicken. Auch durch seinen Kontakt mit dem Statthalter vergrößerte sich das Interesse für Gartengestaltung und Architektur. Ab 1660 ließ er sich unter eigener Anleitung einen Garten anlegen und das Potsdamer Schloss umbauen. Die Pläne sahen ab 1663 auch zwei kleinere Pavillons an den Seiten und einen großen Mittelpavillon vor, bei denen jeweils ein Turm auf das Dach gesetzt wurde. Die zwei hinten liegenden kleineren Pavillone, waren durch angesetzte Seitenflügel an die vorderen jeweils angeschlossen und bildeten ein Karree.

Ab dem Jahr 1671 nutzte der Kurfürst Friedrich Wilhelm das Schloss dann wesentlich häufiger. Um aber seinen gesamten Hofstaat unterzubringen zu können, mangelte es aber noch an Platz. Daher wurden 1679 die Seitenflügel verlängert und durch eine halbkreisförmige Galerie mit vorderen Torbau verbunden. Dies bildete bereits die charakteristische Form, welche das später umgebaute Stadtschloss prägen sollte.

Nach dem Ableben des Großen Kurfürsten im Jahre 1688 folgte dann mehrere Jahre, in denen keine weiteren Veränderungen mehr am Schloss durchgeführt wurden. Erst etwa zehn Jahre später wurde der Turm des Mittelpavillons abgenommen und diesem zwei Treppen angefügt. Sie befanden sich auf der Seite des Lustgartens (der sogenannten Gartenseite) und waren halbkreisförmig zur linken und rechten Seite angeordnet. Ihre Namen „Grüne Treppen“ erhielten sie dann durch die dort im Sommer augestellten Orangenbäume.

Der Bau des Fortunaportals bis 1740

Hauptartikel: Fortunaportal

Das Fortunaportal, um 1930

Aus Anlass der Selbstkrönung des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. zum König Friedrich I. von Preußen, wurden in Berlin, Oranienburg und Potsdam verschiedene Triumphbauwerke errichtet. Der Architekt Jean de Bodt leitete bereits ab 1700 die Umbaumaßnahmen des Eingangsportals am Stadtschloss. Im dortigen Sockel befand sich nun ein Rundbogen, der verziert mit dem Kopf des Herkules, an ein Obergeschoss bestehend aus vier Pfeilern und vier Pilastern anschloss. Den oberen Abschluss bildete eine halbrunde Kuppel, auf die eine zwei Meter hohe, vergoldete Figur aufgesetzt wurde. Deren Name Fortuna wurde dann auf das entstandene Portal übertragen. Ein, gemäß ursprünglicher Pläne für die Spitze gedachter kronentragender Adler, wurde daher auf das Obergeschoss gestellt. Vier große kriegerische Figuren aus Sandstein waren auf den vier Sockeln neben dieser Kuppel platziert. Dazwischen befanden sich noch bis etwa 1736 Uhren mit sehr großen Zifferblättern.

An weiteren Teilen des ursprünglichen Stadtschlosses wurden nur kleinere Veränderungen vorgenommen, u.a. stellte man 16 steinerne Statuen auf den Dachsims. Die vorhandenen Innenräume und deren Einrichtung nutzte der König als zeitweilige Wohnung, oder um Feste zu feiern und hohen Besuch zu empfangen, wie beispielsweise beim Dreikönigstreffen 1709 zwischen den Königen von Sachsen, Dänemark und Preußen. Von hier aus wurden auch seine zahlreichen Jagden in die Ravensberge oder nach Caputh begonnen. Der Nachfolger Friedrich Wilhelm I. (ab 1713) jedoch hatte kein Interesse mehr daran, sondern wollte das Schloss als eine vollwertige Wohnung nutzen, um von hieraus Potsdam zu einer Garnisonsstadt ausbauen zu können. Während dessen Amtszeit bis 1740 wurde die Stadt wesentlich vergrößert, wobei das Stadtschloss aber weiterhin in dem Zustand blieb, wie es von Friedrich I. gestaltet wurde.

Die Zeit Friedrich II.

Das Stadtschloß mit Zugbrücke, um 1772
Datei:1773 Stadtschloss.jpg
Das Schloß mit dem Exerzierplatz, um 1773

Als im Jahr 1740 Friedrich II. König von Preußen wurde, nutzte er in seinen ersten Amtsjahren das Schloss Charlottenburg als Wohnort. Er ließ sich jedoch auch im Stadtschloss eine Wohnung herrichten. Bereits 1743 bewohnte er mehrere Räume im östlichen Hauptflügel des Marmorsaals, bestehend aus dem Schreib- und Schlafzimmer, sowie einem zusätzlichem Konzertzimmer. Weitere Räume wurden im Westen des Marmorsaals als Gästezimmer eingerichtet. Trotz der Fassadenausbesserungen war Friedrich II. mit der gesamten Ansicht des Stadtschlosses unzufrieden. Der Archtitekt Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (bekannt auch von vielen Berliner Bauten), fertigte daher verschiedene Zeichnungen für die vom König gewünschten Umgestaltungen des Schlosses an.

Das Hauptgebäude mit seiner Front zum gegenüberliegenden Lustgarten, wurde im Innenhof um vorgezogenes Treppenhaus erweitert. Für eine architektonische und landschaftgestalterische Einheit der Gesamtansicht des Schlosses, mit dem nebenan liegenden Marstall und auch des Lustgartens herzustellen wurden zwei Kolonnaden errichtet. Die beiden seitlichen Flügel passte man auf zwei Etagen an und es wurden sogenannte Kopfbauten zum Alten Markt hin errichtet. Hierbei wurde der rechte auch breiter war als der linke Hauptflügel gestaltet, um damit zusätzlicher Platz für ein integriertes Theater geschaffen.

Weiterhin erhielten diese Flügel eine angeordnete Säulengliederung und jeweils Dreiecksgiebel. Bei der Gestaltung des Hauptflügels, mit seiner Front zum Lustgarten, übernahm dann Friedrich II. persönlich dessen Bauplanung. 1745, nachdem er den Zweiten Schlesischen Kriege erfolgreich beendet hatte, geriet mit Knobelsdorff aneinander, da dieser nicht alle seine Vorstellungen der Fassadengestaltung teilte. Nur bei den Fenstern einigte man sich, um diese, statt einer Runden Ausführung, eckig zu gestalten. Dazwischen wurden drei gleiche Säulenpaare gestellt, wobei die Seiten nur eine Säule erhielten, und für die damalige Zeit eine vollkommene Neuerung darstellte. Als Zierde über dem einzigen runden Fenster oberhalb des Eingangs diente eine Wappenkartusche über dem Eingang, welches bestehend u.a.aus dem Wappenschild und einem Adler bestand. Im Jahre 1751, nachdem dann alle Arbeiten abgeschlossen waren, wurden dem Stadtschloss noch weitere Vasen, verschiedene Figuren und auch einige Trophäen hinzugefügt und sein Innenhof neu gestaltet.

Die Zeit Friedrich Wilhelm II.

Der Alte Markt mit dem Stadtschloß, um 1860

Ab 1786 hieß der preußische König Friedrich Wilhelm II. (auch der dicke Lüderjahn genannt). Für ihn wurde im Nordwestflügel des Stadtschlosses eigens eine Wohnung hergerichtet. Da seine Vorliebe jedoch dem im Neuen Garten stehenden Marmorpalais galt, wurde diese seinen Söhnen Friedrich Wilhelm III. und Friedrich Ludwig Karl (auch „Louis von Preußen“ genannt) übereignet. In den Zeiten in denen er das Stadtschloss besuchte, wohnte er dann in den Wohnungen von Friedrich II. im Hauptflügel. Während seiner kurzen, nur 12 Jahre währenden Amtszeit, heiratete sein älterer Sohn Friedrich Wilhelm III. die Prinzessin Luise von Mecklenburg-Strelitz und erhielt die Räumlichkeiten des Nordwestflügels dann allein zugesprochen. Das Paar mochte eine sehr schlichte Ausstattung. Daher wurden beim anschließenden Umbau (1799–1802) waren viele der vorher vorhandenen Wanddekorationen durch verschiedene Bespannungen (farbige Tapeten) oder nur Anstriche ersetzt.

Anstatt der Kamine, wurden neue Öfen eingebaut, die auch in kleinsten Nischen Platz fanden. Nur einige wenige Wohnräume von Königin Luise wurden nicht verändert. Diese hielt sie sich hier bis zu ihrem Ableben 1810 gerne auf.

In den folgenden Jahrzehnten wurde dann die „Grüne Treppe“ ersetzt, indem eine Rampe vor dem Hauptflügel ausgebaut wurde. Viele der weitreichenden Pläne von Friedrich Wilhelm IV. zum Umbau der Fassade des Hauptflügels (1856) wurden aber nicht mehr umgesetzt, und so konnte das Stadtschloss bis 1945 sein äußeres Aussehen beibehalten.

Das 20. Jahrhundert

Das Stadtschloss am Alten Markt, um 1912

Als der Erste Weltkrieg beendet wurde und der deutsche Kaiser Wilhelm II. abdankte, wurde auch das Potsdamer Stadtschloss nicht mehr für kaiserlichen Zwecke benötigt. Hinzu kommt, dass dessen Interesse bereits vorher deutlich abgenommen hatte und sich bereits seit 1910 hier ein Museum befand. Auch die Potsdamer Stadtverwaltung, der Magistrat der Stadt Potsdam und das Arbeitsamt nutzten dieses Gebäude. Der Magistrat führte hier beispielsweise seine Sitzungen durch. Ab etwa 1920 wurden Räume an Künstler, Biographen und an den Potsdamer Kunstverein vermietet. Im Jahre 1922 zog dann, mit dem Potsdamer Garnisonsmuseum, ein weiteres Museum in die Räumlichkeiten ein. Zu dieser Zeit stand das Stadtschloss als öffentliches Gebäude für Besucher, abgesehen von einer Anmeldung beim Pförtner, zu festen Öffnungszeiten für Besichtigungen und auch Führungen offen.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde ab 1943 insbesondere der Hauptflügel, mit seiner Front zum Lustgarten, infolge der Luftangriffe der Westalliierten mit Bretterverschlägen gesichert und der Besucherbetrieb eingestellt. Wie auch in anderen bedeutenden Gebäuden Deutschlands wurden die beweglichen Aufbauten und andere transporttable Teile ausgelagert.

Bei dem schwersten Luftangriff auf Potsdam, in der Nacht von Potsdam (am 14.04.1945), wurde das Stadtschloss und seine umliegenden Gebäude schwer beschädigt und teilweise zerstört. Besonders stark traf es dabei die der Innenstadt zugewandte Nordwest-Ecke des Schlosses (der ehemalige Kapellenflügel) und das Fortunaportal. Einige Volltreffer der zahllosen Brand- und Sprengbomben zerstörten dabei die ehemaligen Wohnräume von Friedrich III. und Königin Luise bis in das Erdgeschoss. Der linke Seitenflügel des Fortunaportals blieb lediglich als eine Außenwand stehen. Infolge der Brandbomben und der starken Zerstörungen in der gesamten Innenstadt brannte das Stadtschloss bis auf die Grundmauern nieder.

Datei:Ruine 1945.jpg
Die Ruine des Stadtschlosses, 1945

Nachdem die Zukunft der Schlossruine lange ungewiss blieb, entschied die Potsdamer Stadtverwaltung im Jahr 1959, das Gebäude vollständig abzutragen. Zwar ist im Zusammenhang mit der Entscheidung gegen einen Wiederaufbau der Ruine auch die damalige wirtschaftliche Situation mit knappen Ressourcen und notwendigem Wohnungsbau zu sehen, der eigentliche Hauptgrund für die Sprengung der Stadtschlossruine ist jedoch darin zu sehen, dass die Erinnerung an die Vergangenheit von Potsdam – als königliche Residenzstadt – ausgelöscht und eine sozialistische Umgestaltung des Stadtzentrums erfolgen sollte. Trotz zahlreicher Proteste gegen eine Beseitigung des Stadtschlosses begannen im November 1959 die Abrissarbeiten, die insgesamt vier Monate dauerten. Den Anfang bildete die Sprengung des Fortunaportals. Die letzte Sprengung erfolgte im April 1960 mit der Beseitigung des Treppenhauses. Die zusammenhängende und geschlossene Gestaltung des Alten Marktes verlor sein wichtigstes Glied und damit sein historisches Gesicht.

Durch eine großflächige Verkehrskreuzung und Straßenflächen auf dem freigewordenen Gelände wurde der historische Stadtraum vollends unkenntlich gemacht. Auch das Umfeld wurde entsprechend umgestaltet. So wurde der ehemalige Lustgarten mit einer neuen innerstädtischen Magistrale, der Wilhelm-Külz-Straße durchzogen. Der Lustgarten war durch den Bau des Ernst-Thälmann-Stadions bereits seit dem Jahr 1949 um die Hälfte verkleinert worden und wurde von 1966 bis 1969 mit dem Bau des Hochhauses des Interhotels vollständig beseitigt. Das einzig verbliebende Gebäude des Stadtschlosses ist somit der Marstall unweit des Neuen Marktes, der ursprünglich durch die Ringerkolonnade mit dem Westflügel des Stadtschlosses verbunden war. Er entging nur knapp einem bereits geplanten Abriss, da sich der geplante Erweiterungsbau des Interhotels verzögerte. Nach der Übergabe der Macht an Erich Honecker, im Jahre 1973, und dem weitgehenden Bruch mit Ulbrichts Vorstellungen, wurde dann der Schwerpunkt der Entwicklung der „sozialistischen Innenstadt“ zur Klement-Gottwald-Straße (später wieder in Brandenburger Straße benannt) verlagert.

Noch im Jahr 1989 begann man, ein neues Gebäude für das Hans-Otto-Theater auf dem Gelände des kriegszerstörten Palast Barberini zu errichten. Aufgrund der politischen Veränderungen in der ehemaligen DDR und der anschließenden Wiedervereinigung wurde der Rohbau (es bestand lediglich ein zu verkleidender Betongleitkern) im Jahr 1991 wieder abgerissen, da man sich die Möglichkeit für eine spätere Bebauung des gesamten Geländes nach historischem Vorbild nicht versperren wollte.

Neues Landtagsgebäude

In den Jahren 2000 bis 2002 wurde als erstes Teilstück der Wiedererrichtung des historischen Stadtzentrums das Fortunaportal am Alten Markt, durch ausschließlich und zahlreiche Privatspenden, insbesondere des Wahlpotsdamers Günther Jauch, wieder aufgebaut. Bereits bei den vorangegangenen archäologischen Ausgrabungen wurden dabei u.a. einige keramische Gefäße aus der Zeit der Slawen ausgegraben und auch einige Teile der ursprünglichen Burganlage aus dem 14. Jahrhundert freigelegt. Die Errichtung eines notwendigen Schutzdaches wäre der Stadt aber zu teuer geworden, daher wurde das freigelegte Loch bereits wieder am Ende des Sommers 2000 zugeschüttet.

Als im Jahr 2004 mit der Verlegung von Wasserleitungen auf dem ehemaligen Stadtschlossareal begonnen wurde, hat man den Alten Markt wieder auf die frühere Höhe (um etwa 46 cm) abgesenkt und mit einem chinesischem Granitstein überpflastert. Während dieser Arbeiten wurde zur Verdeutlichung des geplanten Wiederaufbaues der halbe Grundriss des Stadtschlosses mit roten Holzwänden dargestellt, welche auch als Sichtschutz dienten. Weiterhin entstand ein neuer Informationsstand, in welchem Bilder vom alten Stadtschloss und der alten Potsdamer Mitte, sowie die Architekturvorschläge für deren Wiederaufbau bis August 2006 ausgestellt wurden. Zum Tag der deutschen Einheit 2006 wurden die Arbeiten abgeschlossen, wobei die angrenzenden Gebäude auch neue Treppen erhielten und damit die Schinkel-Treppe an der Nikolaikirche entfernt wurde.

Der Brandenburger Landtag hatte am 20. Mai 2005 beschlossen, ein neues Landtagsgebäude zu errichten, und dafür die Um- und Aufrisse des historischen Stadtschlosses zu nutzen. Der Bau sollte im Jahre 2011 fertiggestellt werden. Geplanter Baubeginn war im Jahr 2008, wobei erhaltene alte Segmente wieder eingebaut werden sollten. Die Kosten für diesen Bau wurden mit 80 Millionen Euro angegeben. Weitere 40 Millionen Euro wurden für die Errichtung der historischen Fassade und rund 32 Millionen Euro für den Umbau der gesamten Verkehrsführung über die Lange Brücke und dem Alten Markt benötigt, da auch eine neue Straßenbahnbrücke (damit die Straßenbahn das tieferliegende Stadtschlossareal erreichen kann) errichtet werden sollte. Die Umsetzung des Projektes sollte im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft realisiert werden. Die Vorstellungen besagten, dass Errichtung und auch der Betrieb durch einen privaten Investor gewährleistet werden sollten und das Land Brandenburg das Stadtschloss vorerst für 30 Jahre mieten und anschließend kaufen würde.

Im Juli 2006 wurde vom Land Brandenburg eine europaweite Ausschreibung, für den Bau des neuen Landtagsgebäudes für Brandenburg-Berlin am Alten Markt, veröffentlicht. (Quelle: Der Potsdamer, 24.06.2009)

Eine im Jahr 2007 durchgeführte Bürgerbefragung bei den Potsdamer Einwohnern, zum zukünftigen Standort des Landtagsneubaus, ergab dann eine relative Mehrheit von 42,8 Prozent (24.172 von 122.407 wahlberechtigte Potsdamer) der abgegebenen Stimmen, zu Gunsten des Standortes am Alten Markt. Dabei wurden drei Standorte wurden zur Wahl gestellt – die ehemalige Speicherstadt, das Stadtschloss am Alten Markt und das ehemalige Palais Barberini.

Auch der Bürgerverein ARGUS hatte zur Klärung der Gestaltungsfrage vom 15. Januar 2007 bis 22. Januar 2007 durch das forsa-Institut eine Telefonumfrage durchführen lassen, nach der sich eine Mehrheit von 59 Prozent unter der angerufenen Potsdamer für den Wiederaufbau mit einer vollständig historischen Fassade aussprachen, wobei die Qualität der Umfrage auch kritisiert wurde (z.B. von einem Prof. für Informationsökonomie).

Am dem 31. Januar 2007 wurde mit 29 Ja- und 16 Nein-Stimmen, bei drei Enthaltungen, durch die Stadtverordnetenversammlung die Auslegung des Bebauungsplanes beschlossen. Damit wurde der Weg für den Baubeginn eines neues Landtagsgebäudes im Jahr 2008, allerdings nur in den Um- und Aufrissen des alten Stadtschlosses, freigegeben.

Im Februar 2009 gab die Ladesregierung den drei im Wettbewerb verbliebenen Konsortien auf, ihre bis dahin geschaffenen Entwürfe so zu überarbeiten, dass nun alle Schloss-Fassaden nach historischem Vorbild zu errichten sind und zudem auch das Knobelsdorff-Treppenhaus wieder aufgebaut werden soll. (Quelle: Der Potsdamer, 24.06.2009)

Quellen

Weitere Bilder

Weblinks