Unger-Haus

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Das Haus Nummer 6,
Sommer 2007

Das so genannte Unger-Haus, ein einfaches Stadthaus, steht in der Innenstadt von Potsdam, in der Spornstraße 6, an der Ecke zur Lindenstraße.

Geschichte

Das Haus wurde 1683 als einfaches Fachwerkhaus erbaut. Im Jahr 1722 erfolgte ein erster Umbau: Aufstockung zum Zweigeschosser und Verstärkung durch Mauerwerk. Ab 1773 erhielt das Haus unter dem Vormund des Stadtarchitekten Georg Christian Unger sein heutiges Aussehen. Es kam ein weiteres Stockwerk hinzu und die Fassade wurde im Barockstil verkleidet.

Bis zum Jahr 2005 stand das Gebäude leer. Die Mauerbereiche verfielen und die Decke im ersten Obergeschoss bestand nur noch aus Rudimenten. Die Dachgeschossdecke existierte kaum noch. Nur die Kellerdecke war noch gut erhalten. Der Wiederaufbau erfolgte 2006. Über eine Million Euro wurde in die Rekonstruktion investiert.

weitere Details

Das Gebäude reflektiert den Einfluss der harmonisch-ästhetischen Lehre des Renaissancekünstlers Andrea Palladio. Das heute noch bedeutende Werk „i quattro libri dell’ architettura“ (Die vier Bücher zur Architektur, erschienen um 1570) war u.a. Basiswissen für die Gestaltung der Fassade. Unger hatte das Glück neben seinem Lehrer für Baukunst, Hieronimus Bon einem Theatermaler aus Bologna, auch Karl von Gontard, einen Kenner der italienischen Baukunst und Perspektivlehre zu haben.

Die längsseitige Straßenfront enthält feinsinnige Akzente zur Betonung der Gebäudemitte und des Entrees. Die axialsymmetrische Anordnung der Fenster und Verdachungen auf Konsolen im 1. Obergeschoss, eicht den Blick des Betrachters auf der horizontalen Mittelinie des Gebäudes. Das filigran herausgearbeitete Oberlicht des Entrees justiert den Blick auf dem vertikalen Meridian, sodass sich die optische Gebäudemitte kurz oberhalb des Entrees einstellt. Das vorspringende Gesims bewirkt, dass das Satteldach von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachtet, teilweise oder völlig verdeckt wird. Damit wird eine mediterrane Wirkung erzielt und gleichzeitig auf den antik-künstlerischen Einfluss hingewiesen.

Auf der Hofseite, wurde eine die Fassade halbseitig überspannende, pyramidenartige Glaskonstruktion angefertigt. Damit entstehen in einzelnen Wohnräumen Fenster die sich über die gesamte Raumbreite erstrecken. Sie lassen viel Licht hinein und bieten den Bewohnern einen freien Ausblick in den begrünten Innenhof.

Bauherr: Terraplan Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH; Architekt: Tassilo Soltkahn - Architektengesellschaft Soltkahn - [1]; Fertigstellung: November 2006

Dieses Haus wurde mit Fluchtweggaupen ausgestattet, die den Ausbau des Dachgeschosses unter den Auflagen der Denkmalschutzbehörde in Potsdam ermöglichte. Mehr Dazu unter www.fluchtweggaupe.de

Quellen

  • Tassilo Soltkahn - offizielle Webseite des Architekten Tassilo Soltkahn
  • Artikel in der MAZ vom 15. Dezember 2006