Villa Schöningen

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Die Villa Schöningen, im Sommer 2010

Die Villa Schöningen in der Berliner Vorstadt von Potsdam in der Berliner Straße 86 – unmittelbar an der Glienicker Brücke gelegen – prägte den glanzvollen Eingang von Berlin nach Potsdam.

Geschichte

Die erste Bebauung stammt aus dem Jahr 1826. Es war ein einfaches Wohnhaus für den Schiffbauer Martin Friedrich Nüssoll. Der Hof, auf dem sich unter anderem ein Abort (Toilette) befand, war mit einem Bretterzaum umgeben. Dem Sohn von Friedrich Wilhelm III., Prinz Carl von Preußen – er wohnte auf der gegenüber liegenden Seite der Havel im Schloß Glienicke – störte der Anblick dieses „Arme-Leute-Anwesens“ sehr.

Nach dem Regierungsantritt von König Friedrich Wilhelm IV. im Jahr 1840 kaufte dieser das komplette Grundstück und vermachte es dem Hofmarschall Kurd Wolfgang Wilhelm Gustav von Schöning. Von 1843 bis 1845 wurde unter der Bauleitung von Ludwig Persius – dem Meisterschüler von Karl Friedrich Schinkel – die Villa im italienischen Baustil mit Turm und Loggia errichtet. Die Villa wurde im so genannten „Baukastensystem“ errichtet, wie es bei italienischen Wirtschaftsbauten üblich war. Der Vorteil dieses Prinzips war, daß man ganze Gebäudeteile ergänzen oder zurück bauen konnte, ohne daß der Gesamteindruck des Baues verloren ging. Und solche großen Umbauten ertrug die Villa Schöningen immerhin drei Mal.

Nach dem Tod von Schönings, im Jahr 1859, wechselte das Anwesen mehrfach den Besitzer. Im Jahr 1878 erwarb der jüdische Bankier Hermann Wallich – einer der ersten Direktoren der Deutschen Bank – das Gelände. Die Familie Wallich war verantwortlich für umfangreiche Umbauarbeiten an der Villa, die sie ihren jeweiligen Bedürfnissen anpaßte. Der letzte Eigentümer der Familie Wallisch, Paul Wallich, beging nach der Reichskristallnacht vom 11. November 1938 Selbstmord aus Angst vor Verfolgung und Inhaftierung durch die Nationalsozialisten. Die restliche Familie floh kurz darauf aus dem selben Grund aus Deutschland. Nach 1945 besetzte zunächst die Sowjetarmee das Gelände. Kurzeitig war hier auch der Gewerkschaftsbund untergebracht. Von 1950 bis 1992 befand sich dann ein Kinderwochenheim in der Villa.

Seit 1977 ist die Villa Schöningen ein Baudenkmal und steht in der Denkmalschutzliste des Landes Brandenburg. Seit 1996 ist sie auch Teil des Potsdamer UNESCO-Weltkulturerbes.

Die Villa im Frühjahr 2001

Nach der Wiedervereinigung erhielten die Erben des ehemaligen Eigentümers, Peter Wallich, die Villa Schöningen zurück. Im Jahr 1995 kaufte der Berliner Bauunternehmer und Architekt Dieter Graalfs die Villa. Er wollte das Gebäude sanieren und auf dem 6.000 Quadratmeter großen Grundstück fünf weitere Häuser errichten. Nach Ablehnung dieses Planes durch die Potsdamer Stadtverordneten aufgrund der Nähe zum Weltkulturerbe, stellte der Bauunternehmer einen Abrißantrag. Dieser wurde ebenfalls abgelehnt. Damit erschöpfte sich das „Engagement“ von Dieter Graalfs. Die Villa verwahrloste durch Leerstand und Vandalismus immer mehr. Ende März 2007 erwarb der Vorstandschef der Axel Springer AG Dr. Mathias Döpfner und der Bankier Leonhard H. Fischer, Generaldirektor der Schweizer Bank Credit Suisse, das Gelände.

Die Neueigentümer ließen die Villa restaurieren, wobei viel Wert auf die Erhaltung von Originalteilen aus der Gründungszeit der Villa gelegt wurde. Nach den Bauarbeiten wird in den sechs Räumen des Erdgeschosses eine Dauerausstellung eingerichtet, die die Geschichte der Villa, deren Bewohner und deren Nutzer beinhaltet. Das Obergeschoß ist geplant für Wechselausstellungen, wo zeitgenössische Künstler ihre Werke präsentieren können. Außerdem stehen dort Räumlichkeiten für Lesungen, Versammlungen und Diskussionsrunden zur Verfügung.

Weblinks

Literatur

  • „Das Haus an der Brücke: Die Villa Schöningen in Potsdam und ihre Bewohner“ – Autor: Katie Hafner; ISBN 3-931 329-36-4