Sanatorium Dr. Sinn

Aus PotsdamWiki

Version vom 19. Juni 2012, 11:10 Uhr von Bouche, Bolko (Diskussion | Beiträge) (→‎Geschichte)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | ?Nachstjüngere Version (Unterschied)

Das Sanatorium im Juni 2012

Das heute denkmalgeschützte Areal des 1908 eröffneten Sanatoriums in der Großbeerenstraße 301 gehört zum Potsdamer Stadtteil Babelsberg. Es liegt nahe dem Jagdschloss Stern. Eine Potsdamer Immobilienfirma ist zurzeit mit Sanierungsarbeiten beschäftigt. Bis 2013 sollen Wohnungen und Einfamilienhäuser bezugsfertig sein.

Geschichte

Im Jahr 1907 ließ der Aachener Nervenarzt Dr. Richard Sinn in der Großbeerenstraße das private Sanatorium errichten. "Kranke nur der gebildeten Stände und nur in beschränkter Zahl" war das Motto Sinns. Über zwanzig Jahre lang konnte sich Dr. Sinn seiner Patienten annehmen und sie auf ihrem Weg der Genesung begleiten.

Mit dem Jahr 1933 änderte sich unter Befehl des Naziregimes die Philosophie der Heilanstalt. Die weit verbreitete Euthanasie und die damit einhergehende nationalsozialistische „Rassenhygiene“ fand in der Nervenklinik jedoch nicht statt. Stattdessen war Dr. Sinn gezwungen, Häftlinge und Feinde Hitlers in seiner Anstalt aufzunehmen – gleich ob diese nervlich erkrankt waren oder nicht. Ebenso entstand im größten Gebäude der Einrichtung ein Reservelazarett, in dem mehrere Räume ab 1940 durch die Geheime Staatspolizei (GESTAPO) beansprucht wurden. Hier wurden vornehmlich unliebsame Prominente inhaftiert.

Nach Kriegsende konnte Sinn an seine alte Philosophie anknüpfen und das von Verwüstungen verschonte Sanatorium weiterführen. Nach der Beschlagnahmung der Einrichtung 1946 durch die sowjetische Militärverwaltung erfolgte der Umzug von Arzt und Patienten in zwei nahegelegenen Villen. 1956 errichtete die Nationale Volksarmee der DDR auf dem Sanatoriumsgelände für die Grenztruppen ein Armeelazarett.

Richard Sinn starb 1953 und wurde in Potsdam beigesetzt.

Bis 2008 war die Außenstelle Potsdam der Stasi-Unterlagenbehörde letzter Nutzer des Geländes.

Prominente Häftlinge

  • Fritz Thyssen (Industrieller)
  • Edouard Herriot (französischer Außen- und Premierminister)
  • Karl Hofer (Mitglied der Preußischen Akademie der Künste)

Weblinks

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung von PotsdamWiki. Durch die Nutzung von PotsdamWiki erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies speichern.