Franz Benda

Franz Benda (* 22.11.1709 in Benatek, Böhmen; † 07.03.1786 in Nowawes, bei Potsdam) war ein Violinist, Komponist und Kapellmeister. Nach ihm wurde die Bendastraße in Babelsberg benannt.
Herkunft und Ausbildung
Franz Benda wurde als ältester Sohn des Leinewebers und Zunftvorstehers Johann Georg Benda und dessen Ehefrau Dorothea, geborene Brixi, in Alt-Benatek (Benátky nad Jizerou), etwa 30 km nordöstlich von Prag, geboren und am 22. November 1709 katholisch getauft. Die Mutter entstammte der bekannten böhmischen Musikerfamilie Brixi.
Seine Ausbildung erhielt Benda unter anderem als Chorknabe in Prag und Dresden. Früh zeigte sich neben seinen gesanglichen Fähigkeiten eine besondere Begabung für das Violinspiel. Der in den habsburgischen Ländern bestehenden Leibeigenschaft entzog er sich durch Flucht aus Wien. Über Breslau, wo er einem gegen ihn erlassenen Steckbrief entging, gelangte er gemeinsam mit den Musikern Czarth, Höckh und Weidner nach Warschau.
Werdegang und Wirken
In Warschau war Benda zunächst als Kapellmeister tätig und näherte sich dem evangelischen Glauben an, zu dem er später in Dresden übertrat. Durch Vermittlung des Grafen Brühl erhielt er eine Anstellung in der königlich-polnischen und kurfürstlich-sächsischen Hofkapelle in Dresden. Dort stand er im Austausch mit bedeutenden Musikern seiner Zeit, darunter Jan Dismas Zelenka, Johann Joachim Quantz, Sylvius Leopold Weiß und Johann Georg Pisendel.
Auf Empfehlung von Johann Joachim Quantz wurde Benda dem preußischen Kronprinzen Friedrich (dem späteren König Friedrich II.) vorgestellt. Nach einem Vorspiel in Neu-Ruppin wurde er in die Hofkapelle aufgenommen. Benda blieb zeitlebens in königlichen Diensten und genoss die besondere Gunst Friedrichs II., der auch die Übersiedlung seiner Familie nach Potsdam veranlasste. Franz Benda erwarb 1754 das Nowaweser Haus in der Priesterstraße 15 (heute Karl-Liebknecht-Straße 15). Bewohnt wurde es jedoch nicht von ihm selbst, sondern von seinen Eltern und seinem Bruder Victor.
Familie
Mehrere Mitglieder der Familie Benda wirkten ebenfalls als Musiker: Sein Bruder Joseph wurde sein Nachfolger als Konzertmeister, Johann war ebenfalls Mitglied der Hofkapelle, und Georg Benda erlangte später als Hofkapellmeister in Gotha, insbesondere durch seine Melodramen, große Bekanntheit. Der Vater sowie der Bruder Viktor führten in Nowawes (Neuendorf), zwischen Potsdam und Babelsberg, weiterhin eine Leineweberei.
Während eines Aufenthalts in Bayreuth lernte Franz Benda seine spätere Ehefrau Franziska Louise Eleonore Stephanie kennen, die als Kammerjungfer tätig war. Die Heirat erfolgte 1739. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor, die sämtlich eine musikalische Laufbahn einschlugen.
Die Söhne Friedrich Wilhelm Heinrich und Carl Benda wurden als Geiger und Komponisten bekannt; Carl wirkte später als Konzertmeister der Hofkapelle in Potsdam. Maria Caroline Benda heiratete später den Konzertmeister und späteren Kapellmeister Ernst Wilhelm Wolf und war als Opernsängerin erfolgreich tätig. Sie hat noch unter Goethes Theaterleitung viele Rollen gesungen und gespielt. Die jüngste Tochter Juliane Benda wurde ebenfalls als Sängerin und Komponistin bekannt. Sie heiratete 1776 den Komponisten und Schriftsteller Johann Friedrich Reichardt.
Mehrere Töchter der Familie sind in jüngerer Zeit verstärkt Gegenstand der musikgeschichtlichen Frauenforschung geworden.
Autobiografie und Quellenlage
Über Bendas bewegtes Leben sind wir ungewöhnlich gut informiert, da er seine Lebensgeschichte selbst niederschrieb (datiert auf 1763). Teile dieser Autobiografie fanden bereits zu seinen Lebzeiten Verbreitung: Der Musikschriftsteller Johann Adam Hiller nutzte sie für seine 1766 veröffentlichte Lebensbeschreibung in den „Wöchentlichen Nachrichten die Musik betreffend“. Eine vollständige Veröffentlichung erfolgte erstmals 1856 in der „Neuen Berliner Musikzeitung“. Eine bis heute maßgebliche Edition erschien 1967 im Rahmen der Biografie von Franz Lorenz („Franz Benda und seine Nachkommen“). Das Originalmanuskript ist erhalten und wurde von einem Nachfahren, Hans von Benda, dem Staatlichen Institut für Musikforschung – Preußischer Kulturbesitz in Berlin übergeben; es ist inzwischen auch online zugänglich.
Franz Benda gilt als Begründer einer über mehrere Generationen wirkenden Musikerfamilie in Berlin und Preußen. 1771 wurde er Konzertmeister des Königs. In seinen letzten Lebensjahren litt er an Gicht, die wiederholte Kuraufenthalte erforderlich machte. Er starb am 7. März 1786 in Nowawes bei Potsdam. Andere Quellen geben 1795 als Todesjahr an.
Werk und Bedeutung
Benda trat zunächst als Sopranist, später als Altist und Tenor auf, bevor er sich vor allem als Violinvirtuose profilierte. Sein Spiel zeichnete sich durch einen warmen Ton und besondere Ausdruckskraft aus, insbesondere in langsamen Sätzen, die er kunstvoll verzierte. Zeitgenössische Beispiele seiner Verzierungspraktiken sind überliefert.
In seinen Kompositionen entsprach Benda weitgehend der konservativen Musikästhetik am Hof Friedrichs II., zeigte jedoch eine vorsichtige Hinwendung zu einem freieren Tonsatz. Sein Werk umfasst vor allem Instrumentalmusik, darunter Sinfonien, Violinkonzerte, Flötenkonzerte, Triosonaten sowie Violinsonaten mit Generalbass. Hinzu kommen Etüden und Capricen. Von seinen Vokalwerken sind lediglich drei Oden aus dem Jahr 1753 bekannt. Ein vollständiges thematisches Werkverzeichnis liegt bislang nicht vor.
Quellen
- Erinnerungen an den Potsdamer Hofmusiker Franz Benda; Festkonzert mit Schülern der Musikschulen der Städte Benatky und Potsdam 2022
- Franz Benda - Webseite der Franz-Benda-Gesellschaft
- Franz Benda – Artikel bei der Wikipedia
- Mitschrift vom Vortrag „Franz Benda – Flüchtling aus Böhmen und Violinvirtuose am Hof König Friedrichs II.“ von Dr. Klaus Harer, Referent für Musik und Osteuropa beim Deutschen Kulturforum östliches Europa in Potsdam bei Kulturstadt Potsdam e.V.