Kaiserbahnhof

Aus PotsdamWiki
Wechseln zu:Navigation, Suche
Die Bahn-Akademie im ehemaligen Empfangsgebäude vom Kaiserbahnhof, im Sommer 2006
Das stillgelegte Empfangsgebäude des Bahnhof Park Sanssouci, im Sommer 2006


Der Kaiserbahnhof (ursprünglich „Hofstation im Wildpark“ genannt) befindet sich zwischen dem Wildpark und dem Park Sanssouci. Der Bahnhof wurde für Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1909 eröffnet und wird heute als Akademie für Führungskräfte der Deutschen Bahn genutzt.

Geschichte

Der Kaiserbahnhof wurden in den Jahren von 1905 bis 1909 für Kaiser Wilhelm II. – der auch Reisekaiser genannt wurde – gebaut. Architekt war der Geheime Oberhofbaurat Ernst Eberhard von Ihne. Er errichtete den Bau auf Wunsch des Kaisers im englischen Landhausstil. Die offizielle Bezeichnung war „Hofstation im Wildpark“, die an der Strecke PotsdamWerder lag. Diese verlief damals südlich des Schlossparks von Sanssouci. Ab 1886 war im Wildpark ein erster Haltepunkt für den öffentlichen Verkehr. Schon vor 1888 gab es daneben eine „Erbkronprinzliche Einsteigestelle“ für den späteren Kaiser Friedrich dem Dritten. Noch heute liegen Kaiserbahnhof und der Bürgerbahnhof, der Bahnhof Park Sanssouci, unmittelbar nebeneinander. Für den Neubau 1909 wurden die Fernbahngleise höher gelegt. Es entstand eine 88 Meter lange Bahnhofshalle aus Stahl. Mit Fachwerk gelang eine optische Angleichung an das historisierende Empfangsgebäude.

Im November 1918 reiste der abgedankte Kaiser mit seiner Gemahlin Auguste Viktoria von hier aus ins holländische Exil. Möbel, Bilder, Porzellan, Silber und ein Auto wurden auf Güterwagen verladen und mitgenommen. Nach der Abreise des Kaiserpaares hatte der Bahnhof seine Bedeutung weitgehend eingebüßt. Im Zweiten Weltkrieg stand der Kommandozug des Oberbefehlshabers der Luftwaffe Hermann Göring hier auf dem Gleis. Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1952 verkehrte von hier aus der so genannte Blaue Express, ein Urlauberzug der sowjetische Offiziere zweimal in der Woche nach Moskau brachte. Bereits 1945 war die Eisenbahn ab sowjetischer Grenze auf die russische Breitspur umgenagelt worden, so dass Josef W. Stalin ohne Umsteigen mit der Bahn zur Potsdamer Konferenz fahren konnte.

Nach 1952 wurde das Empfangsgebäude noch von der Betriebsfachschule der Deutschen Reichsbahn für den Unterricht genutzt. Ab 1957 war hier nur noch ein Lager. Der Bahnhof verfiel zusehends – zum Glück wurde er jedoch 1977 auf die Denkmalliste gesetzt, was den drohenden Abriss verhinderte.

Zur Ausstattung der Bahnakademie gehören zwei historische Waggons, die restauriert wurden und heute für Konferenzen genutzt werden. Dabei handelt es sich um einen 1901 gebauten Salonwagen der Kaiserin Auguste Viktoria. Er war ausgestattet mit einem Abteil für die Kaiserin mit eigener Toilette und Abteilen für Hofdienerinnen und Personal. Der zweite Museumswagen ist ein Schnellzugwagen von 1912. Er wurde ab 1977 in Saßnitz ausgestellt, um an die legendäre Reise von Wladimir Iljitsch Lenin zu erinnern, der 1917 aus dem Schweizer Exil über Sassnitz nach Russland zurückkehrte. Allerdings ist es nicht der originale Wagen.

Die Deutsche Bahn investierte 2004 und 2005 insgesamt 25 Millionen Euro in die gelungene Restaurierung des zum Weltkulturerbe gehörenden Kaiserbahnhofs. Seit Mai 2005 ist der Kaiserbahnhof als Bahnakademie wiedereröffnet worden. Er ist leider nicht öffentlich zugänglich.

Weblinks