Villa Truman

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Die Truman-Villa, im Sommer 2007

Die Truman-Villa, früher „Villa Müller-Grote“ oder auch „Haus Erlenkamp“ genannt, steht im Potsdamer Stadtteil Babelsberg in der Villenkolonie Neubabelsberg, in der Karl-Marx-Straße 2. Die Villa wurde nach dem ehemaligen US-amerikanischen Präsidenten, Harry S. Truman, benannt, der hier während der Potsdamer Konferenz gewohnt hat.

Gegenüber der Villa befindet sich seit dem 25. Juli 2010 der Hiroshima-Platz. Dort wurde einem Gedenkort eingerichtet, der an die Atombombenabwürfe und deren Opfer erinnern soll.

Geschichte

Die Villa wurde im Jahr 1891 für den Verleger Carl Müller-Grote errichtet und war früher auch unter der Bezeichnung „Haus Erlenkamp“ bekannt. Geplant wurde die Villa von dem Architekturbüro Kayser & von Großheim. Müller-Grote machte aus dem Anwesen einen kulturellen Treffpunkt. Zu den früheren Gästen zählten unter anderem Edwin Redslob, der in der Weimarer Republik Reichskunstwart und im Jahr 1945 einer der Gründer des Tagesspiegels war.

Den Namen „Truman-Villa“ erhielt das Haus, weil Harry S. Truman während der Potsdamer Konferenz hier wohnte, zudem erhielt das Haus auch den Beinamen „Kleines Weißes Haus“, nach dem Weißen Haus in Washington, dem dortigen Sitz des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Bereits im Vorfeld der Potsdamer Konferenz hatte die sowjetische Unterkunftsverwaltung die Villa leergeräumt. Die Bewohner mussten innerhalb von zwei Stunden ihre Sachen packen und das Haus räumen. Was zurückblieb wurde größtenteils entsorgt. Truman landete am 15. Juli 1945 in Gatow und wohnte für 17 Tage zusammen mit dem Außenminister James F. Brynes sowie dem militärischen Berater William Daniel Leahy in der Villa. Von hier aus erging am 25. Juli 1945 von Truman der Befehl zum Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki.

Überliefert ist auch, dass Truman zu den Feinschmeckern zählte. So ließ er in Babelsberg auffahren: Sherry trocken, Spinatcremesuppe, gebackenen Schinken, gebackene Kalbsleber in Schinken, Grüne Bohnen mit Kartoffeln Julienne (in dünnnen Scheiben) Pumpernickel, Preislebeeren, Obst, Pfefferminztee mit Kandiszucker, trockenen kalifornischen Weiß- und Rotwein, Mineralwasser.

Nach der Nutzung durch den US-amerikanischen Präsidenten zog der Oberkommandierende der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, Marschall Georgi Konstantinowitsch Schukow, in die Villa ein. Er wohnte dort bis zu seiner plötzlichen Abberufung im Frühjahr 1946. Danach diente das Gebäude nacheinander der SED-Parteischule, als Polytechnische Oberschule und als Möbellager.

Die Villa wurde 1998 von der Friedrich-Naumann-Stiftung der FDP gekauft und saniert. Vor Beginn der Baumaßnahmen hatte ein durch Brandstiftung ausgelöstes Feuer schwere Schäden angerichtet. Die alte Villa wurde im Jahr 2000 durch einen modernen Bürobau ergänzt, den der Architekt Professor Diethelm Hoffmann entwarf.

Quellen

  • „Neuendorf-Nowawes-Babelsberg Stationen eines Stadtteils“ – Geiger-Verlag, Horb am Neckar; 2000