Diskussion:Weinbergterrassen
Mühlenberggrotte Die Mühlenberggrotte war am Südhang der Stauchmoräne in der Jägervorstadt eine historische Gaststätte, mit der postalischen Adresse Augustastr.13a bzw. 15 (jetzt Weinbergstraße). Wegen Deutung des eigenartigen Namens Grotte müssen wir in die Vorgeschichte des Gebietes gehen, dessen Bedeutung mit den linsenförmigen Vorkommen von Lehm in der Moräne zusammenhängt, der seit dem Mittelalter besonders für die Potsdamer Ratsziegelei abgebaut wurde und seit 1404 rechtlich abgesichert durch Verkauf des Areals von den in Bornstedt ansessigen von Gröbens an das Stedeken Potsdam. Verbunden mit dem nur selektiv möglichen Lehmabbau in Einzellöchern war eine Verschandelung der Landschaft zu einem Wüsten Berg. Friedrich II. (1712-1786) wollte diesen Schandfleck beseitigen und gestaltete den Hauptabbaubereich 1764 zu dem dekorativ terrassierten Winzerberg um. Aber im östlich anschließenden Gebiet führte danach wilde Lehmgräberei zu weiteren landschaftlichen Verwüstungen. Urbarmachung und Bebauung dieses Hanges begannen Am Mühlenberg 1 trotzdem 1772 durch den Leiter der Bildergalerie von Sanssouci Johann Andreas Brandenburger (1738-1802), der seinen Schwiegersohn, den Küchenmeister Lieder (Lebensdaten unbekannt), auf dem unmittelbar östlich anschließenden Bauland (Am Mühlenberg 2) 1798 zum Nachbarn nahm. Lieder verfüllte in seinem Grundstück auf eigenen Kosten die bis fast 10 m tiefen Abbaulöcher und terrassierte mit Stützmauern den Hang. Mit dieser Kultivierung legte er dort einen Weinberg an, den er der Grotte nannte. Die Namenswahl bezog sich höchstwahrscheinlich auf die verfüllten Abbaulöcher der ehem. Mondlandschaft. Und damit begann auch die Nutzung des nun malerischen Hanges unter 4 Windmühlen für das Gastgewerbe. Darauf wies ein Verkaufsangebot einer schon lange vorhandenen nahrhaftesten Tabagie im Jahre 1818 (z.B. Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen 26.Sept.1818, S. 17) hin. Offensichtlich hatte die Werbeanzeige Erfolg, denn der neue Eigentümer wirkte dort 30 Jahre erfolgreich, bis er krankheitshalber den Weiterverkauf anstrebte (Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen 03. Sept 1848, S. 22). Mitte der 1850er Jahre entstand weiter hangaufwärts unterhalb zweier Windmühlen ein zweistöckiger Neubau mit Aussichtsturm in durch Treppen verbundene Außenanlagen in einem großen Garten nun unter der Bezeichnung Mühlenberggrotte, recht wahrscheinlich auf die Begriffskreation Lieders bezugnehmend. Durch ein abwechslungsreiches Programm mit Tanzveranstaltungen, Konzerten, Treffen des Vereins für Schachfreunde u.v.m. war die Mühlenberggrotte eine bekannte Adresse, zumal sie auch Herberge war. Sie war sogar auf einigen topografischen Karten Potsdams ausgewiesen. Außerdem war sie auch Heimstatt für politische Organisationen. Die Demonstration am 1. Mai 1890 in Potsdam wurde hier vorbreitet und beschlossen. 1928 ging das Haus für einige Zeit in Gewerkschaftseigentum über und wurde teilweise nur noch einfach als Berg- bzw. Terrassenrestaurant bezeichnet. Nach dem Krieg war sie wieder unter dem Namen Mühlenberggrotte, besonders der große Saal auch für politische Veranstaltungen gefragt. (z.B. 10. Juni 1949 National-Demokratische Partei mit 300 Teilnehmern, nach SCHOLLWER, W., 2018, Nachdruck von 1988: Potsdamer Tagebuch 1948-1950, liberale Politik unter sowjetischer Besatzung in Biographische Quellen der deutschen Geschichte nach 1945, Band 6, S. 128). Nach einer Restaurierung hieß sie ab Pfingsten 1955 bis zur Schließung im Jahre 1988 Weinbergterrassen. Quellen FIDICIN, E. (1864): Potsdams älteste Stadt-Urkunde. – Mitt. Vereins Geschichte Potsdams.-- Band 1, Beitrag XXXIII, 8 Seiten (Vortrag gehalten 23. Februar 1864, verlesen von Beyer, weil Fidicin erkrankt war, nach Protokoll 19. Versammlung, auf S. 74). Diverse Adreßbücher. Diverse topographische Karten. Brandenburgviewer, Digitales Geländemodell (DGM), https://geobasis-bb.de.