Feldschanzen gegen Napoleon
Nach der Schlacht von Großgörschen südwestlich von Leipzig am 2. Mai 1813 deutete sich an, dass die napoleonischen Truppen Berlin wieder einnehmen wollen. Es musste in Windeseile eine Verteidigungslinie südlich der Hauptstadt, Nuthe-Notte-Linie genannt, eingerichtet werden. Ihre zwei Hauptelemente zur Verteidigung waren: a) weitflächiger Anstau an beiden Flüsse und b) aufgeworfene Feldschanzen auf erhöhten Punkten zur Sicherung der Défilés, der Gebiete dazwischen. Für den Potsdamer Raum war das Nuthetal durch Anstau an den vorhandenen Wassermühlen am Hakendamm (jetzt Friedrich-Engels-Straße) einfach unpassierbar zu machen. Dagegen musste der Zugang nach Potsdam durch zahlreiche Feldschanzen und zusätzlich durch zwei Gürtel von sogenannten Verhauen (Bäume reihenweise nebeneinander gestapelt mit den Kronen gegen den Feind ausgerichtet) dazwischen gesichert werden.

Ablauf der Schanzarbeiten
Wegen der fortdauernden Kämpfe konnten keine Militäreinheiten für den Aufbau der Verschanzungen abgeordnet werden, sondern die Arbeiten mussten von der Zivilbevölkerung unter der Leitung von Militärs übernommen werden. Alle zum Landsturm gerechneten Männer wurden zur Teilnahme verpflichtet. Ihre Bereitschaft dazu hielt sich in Grenzen. Nicht wenige schickten ihre Mägde (‚Weiber‘ genannt) oder Jungens. Treffpunkt war seit Mitte Mai früh 5.00 Uhr morgens vor dem Friedhof an der jetzigen Heinrich-Mann-Allee. Die erwünschte Anzahl von 1000 Personen kam nie zusammen. Und das war nicht das einzige Hemmnis bei den Verschanzungen. Eine grobe Planung für die Linie war zwar vorhanden, aber im Detail nicht ausgereift. Für den Potsdamer Raum sollte eine sehr engmaschige Aufstellung der Schutzbauten für genügend Verteidigungskapazität sorgen. Durch mehrfachen Wechsel der Führungsmannschaft und Ratschlägen von versierten Festungsbauern bei Kontrollbesuchen wurde die Planung immer wieder geändert. So ist die Wasserschanze ganz im Westen erst später hinzugekommen und andere Schanzen nordöstlich davon überflüssig und nicht weiter gebaut wurden. Hilfreich war der ab 5. Juni bis19. August 1813 ausgehandelte Waffenstillstand, so dass die Verteidigungslinie danach im Wesentlichen zur Verfügung stand.

Formen der Verteidigungsbauten
Die vielen Feldschanzen vor Potsdam zeigen keinen einheitlichen Bauplan. Aufgrund der Konfiguration der Wälle oder auch Gräben, die teilweise erhalten oder auf Karten dargestellt sind gab es Lünetten mit Facen und zwei abgewinkelten Flanken, geradlinige Bauten (Schanzgräben), spitz auslaufende Fleschen u.a. An vielen Schanzen sind im rückwärtigen Bereich Palisadenbarrieren eingerammt. Ansonsten sind nur wenige Details bekannt, z.B. über die Ausmaße der Hauptschanze auf dem späteren Telegraphenberg, die eine E-W-Erstreckung von etwa 100 m aufwies. Sie war für 500 Verteidiger und dazu 5 Kanonen ausgelegt. Die beschränkte Kenntnis hängt vor allem damit zusammen, dass am 08. Mai 1814 von Friedrich Wilhelm III. aus Paris der Befehl zu deren Demolierung erging. Sie wurden dabei weitestgehend zerstört.

Nur die Wasserschanze ganz am Westende der Verschanzung blieb verschont, so dass der Bauplan dieser Feldschanze auch im Detail rekonstruiert werden kann (von innen nach außen): inneres Plateau mit Auffahrrampe für eine Kanone, Schanzwall mit Aufstellungsplateau für ein Kanone als Abschluss der Auffahrrampe, Schanzgraben als Annäherungshindernis, ‚Glacis‘ (von franz. Abhang, entlehnt in die Festungskunde) als geringmächtige Aufschüttung am Außenrand des Grabens, im Graben ist im NW-Teil ein kleines Plateau erkennbar, auf dem ein Blockhaus als Unterstand mit stabilem Dach als Schutz vor steil einschlagenden Granaten gestanden haben kann.
Die zum Bau des Verhaus notwendigen Baumstämme kamen aus der Nähe der Verschanzung. Und das waren nicht wenige, denn die beiden Verhaue zusammen erstreckten sich auf etwa 6 km. Nach diesem Holzeinschlag verschandelten ausgedehnte Blöszen (damalige Schreibweise für baumfreie Areale) die Landschaft, die allerdings wegen der geschaffenen Fernsicht den Bau der Station 4 der Königlich Preußischen Optischen Telegraphenlinie dann im Jahre 1832 begünstigte. Die Vorstellungen der Position der Verhaue zu den Schanzen änderte sich im Laufe der Bauphase. Ihr Aufstapeln begann schon am 9. Mai 1813 zunächst weit vor den späteren Schanzen, später beim Aufwerfen der Wasserschanze wurden sie direkt mit dem Schanzwerk verbunden. Die Verhaue waren durchgehend, an Straßen aber unterbrochen. In bedrohlichen Zeiten waren sie durch Aufstellen von ‚spanischen Reitern‘ (tragbare Holzkonstruktionen) zumindest schwer passierbar.
Nutzung der Verschanzung
Die napoleonischen Truppen nutzten bei ihrem Marsch nach Berlin eine weiter östlich von Potsdam gelegene Route. Sie versuchten über Großbeeren vorzurücken, rechneten am 22. August 1813 wegen des Regenwetters nicht mit einem Angriff der preußischen Truppen. Diese nutzten aber die Chance und konnten den Feind in die Flucht schlagen. Die preußischen Truppen 4 Bataillone des 5ten kurmärkischen Landwehr-Infanterieregiments in den Verschanzungen vor Potsdam kamen also nicht zum Einsatz. Sie waren erst in der Nacht 21./22. August aus der Stadt Brandenburg in einem Nachtmarsch nach Potsdam gekommen und wurden bald danach wieder zurückkommandiert. Aber in der ersten Hälfte des August 1813 waren vier Bataillone des Ersten Westpreußischen Landwehr-Infanterie-Regiments in den Verschanzungen interniert. Sie galten wegen ihrer 'polnischen Zunge' als Risiko, verständlicherweise wollten sie nicht ihr Leben für Preußen riskieren, das sie als Okkupanten ihres Landes ansahen.
Quellen
Paech, Hans-Jürgen (2011): Verteidigungsmaßnahmen in Potsdam und Umgebung gegen die napoleonische Bedrohung Berlins im Jahre 1813. – Mitteilungen des Vereins für Kultur und Geschichte Potsdams, Studiengemeinschaft Sanssouci e.V. 16. Jahrgang, S.33 ‑115.
Paech, Hans-Jürgen (2012):Das Potsdamer Telegraphenberg-Brauhausberg-Gebiet und seine Umgebung aus historischer Sicht. – In: Menning, Manfred & Andreas Hendrich (Ed.): Die preußischer Telegraphenlinie Berlin – Koblenz und zur Geschichte und Geologie des Potsdamer Telegraphenbergs und seiner Umgebung. S. 100 – 181.