Humboldtstraße 3

Aus PotsdamWiki

Humboldtstraße 3, Mai 2021
Humboldtstraße 3, ca. 1940

Das Palazzo Pompei stand in der Innenstadt von Potsdam, in der Humboldtstraße 3. Das Vorderhaus wurde 1754 für den Gastwirt Johann Friedrich Schmidt nach Plänen von Carl Ludwig Hildebrandt errichtet. Als architektonisches Vorbild diente der Palazzo Pompei in Verona, ein Renaissancebau der Familie Pompei von Michele Sanmicheli (1535–1540), dessen Gestaltung für Potsdam adaptiert wurde. Die in dem Haus eingerichtete Gaststätte hieß „Zum Roten Adler“.

Architektur

Die Fassade des siebenachsigen Gebäudes war durch ein bewusstes Spiel von Gegensätzen geprägt. Das rustizierte Erdgeschoss aus grobem Sandstein mit breiten Fugen verlieh dem Bau eine schwere, nahezu abweisende Wirkung. Dem gegenüber stand das repräsentative Obergeschoss mit dorischen Säulen, die eine klare, herrschaftliche Gliederung erzeugten. Ein mittig angeordneter Balkon setzte einen eleganten Akzent.

Über den Fenstern und dem Hauptportal befanden sich maskenhafte Kopfplastiken. Den oberen Abschluss bildete ein niedriges Attikageschoss mit Fensterreihe, bekrönt von Sandsteinvasen – ein für Potsdam typisches Gestaltungselement des 18. Jahrhunderts.

Im Unterschied zum italienischen Vorbild ergänzte Hildebrandt ein drittes Geschoss und passte Proportionen sowie Details an die lokalen Gegebenheiten an. So entstand kein reiner Nachbau, sondern eine eigenständige barocke Interpretation.

Vorgängerbau und frühe Nutzung

Bereits um 1721 befand sich an dieser Stelle ein zweigeschossiges Gebäude, vermutlich auf dem Gelände der ehemaligen königlichen Hofküche. Früh wurde hier ein Gasthaus eingerichtet, das unter dem Namen „Zum Roten Adler“ bekannt wurde.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich das Haus zu einer gefragten Herberge für Reisende, die durch die Hofhaltung Friedrichs II. nach Potsdam kamen. Zu den bekannten Gästen zählen unter anderem Giacomo Casanova (1764) sowie der französische General und Schriftsteller Jacques Antoine Hippolyte Guibert (1773), der jedoch ein kritisches Urteil über die Unterkunft hinterließ.

Auch die Tänzerin Barbara Campanini („Barbarina“) wird traditionell mit dem Haus in Verbindung gebracht, wenngleich dafür keine gesicherten Quellen vorliegen.

Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert

Ab den 1770er-Jahren befand sich das Haus im Besitz von Maximilian Conrad Säger, der den Gasthof erfolgreich weiterführte. 1793 wurde der „Rote Adler“ als Gasthof erster Klasse geführt. Neben dem Herbergsbetrieb war Säger auch als Vergolder und Maler tätig.

Im 19. Jahrhundert wechselten die Eigentümer mehrfach. Das Haus firmierte zeitweise als „Hôtel de Berlin“ und später als „Hôtel de Bavière“. 1833 übernahm Carl August Ferdinand Flahault den Betrieb, geriet jedoch in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Unterstützung erhielt er unter anderem von Alexander von Humboldt, der sich für ihn einsetzte.

Gewerbliche Nutzung und Umbauten

Nach dem Ende des Hotelbetriebs Mitte des 19. Jahrhunderts wandelte sich die Nutzung grundlegend. Aufgrund der Lage an der Alten Fahrt etablierten sich gewerbliche Betriebe, darunter eine Färberei sowie eine Essig- und Likörfabrik. Die Hofgebäude wurden entsprechend erweitert.

Seit dem späten 19. Jahrhundert zogen zudem verschiedene Händler in das Gebäude ein. Dennoch verschlechterte sich der bauliche Zustand zunehmend. Ein Gutachten von 1928 dokumentierte erhebliche Mängel und eine nur noch eingeschränkte Nutzbarkeit großer Teile des Gebäudes.

In den 1920er- und 1930er-Jahren bestanden weiterhin kleinere Geschäfte, darunter ein Lebensmittelladen sowie eine Bankfiliale.

Zerstörung und Wiederaufbau

In der Nacht von Potsdam, am 14. April 1945, wurde auch dieses Haus total zerstört. Im Zuge der Neubebauung des Alten Marktes entstand 2015 auf dem Grundstück ein Neubau mit rekonstruierter historischer Fassade. Das Projekt wurde im Rahmen des Leitbautenkonzepts umgesetzt. Hinter dem Vorderhaus entstanden moderne Hofgebäude, die Häuser Humboldtstraße 4a bis 4d.

Quellen

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung von PotsdamWiki. Durch die Nutzung von PotsdamWiki erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies speichern.