Weisse Flotte

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Teil vom Hafen der Weissen Flotte, am Hotel Mercure, Anfang 2009

Die Weisse Flotte (vollständiger Name „Weisse Flotte Potsdam GmbH“) ist ein Fahrgastschifffahrtsunternehmen mit Sitz in der Innenstadt von Potsdam, mit der Adresse Lange Brücke  6. Hier, am Fuß des Hotel Mercure, befindet sich der Heimathafen der Flotte und das Hafenrestaurant „El Puerto“ mit dem mediterranen Palmenzelt.

Geschichte

Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen einige Schifffahrts-Enthusiasten das Motorschiff „Karo As“ der Reederei Schmidt wieder flott zu machen. Bis zum Jahr 1947 folgten weitere Dampf- und Motorschiffe. Im Jahr 1949 wurde die „Deutsche Schiffahrts- und Umschlagszentrale“ (DSU) gegründet mit einer Außenstelle in Potsdam. Ihr gehörten alle selbständigen Fahrgast-Schifffahrtsunternehmen von Berlin, Stralsund und Dresden an. Zehn Jahre später – der 1. Januar 1959 gilt als offizielles Gründungsdatum – erfolgte die Übernahme aller privaten Flotten durch den damaligen „VEB (K) Verkehrsbetrieb Potsdam“. Diese Weisung des Verkehrsministeriums der DDR betraf alle Schiffe der „Stern- und Kreisschiffahrt“, die in Potsdam stationiert waren. Die Schiffe wurden aber als eigenständige Betriebe eingestuft und entspechend weiter geführt. 1965 und 1966 wurde die Anlegestelle von der Ostseite der Havel an die Westseite verlegt. Die Potsdamer Flotte bestand aus vier Dampfern und drei Motorschiffen, deren Baujahre zwischen 1889 und 1910 lagen. Nur das Motorschiff „Libelle“ war relativ jung mit einem Baujahr von 1930. Weitere Schiffe wurden im Laufe der Zeit dazugekauft. Im Jahr 1962 wurde der erste Schiffsneubau, das Motorschiff „Sanssouci“ übernommen. Mit der Übernahme weiterer neu gebauter Schiffe konnte der Bestand alter Schiffe nach und nach verringert werden.

Das Fahrgebiet der Weissen Flotte umfaßte ursprünglich noch die gesamte Insel Potsdam. Durch die Maßnahmen der Grenzsicherung im Jahr 1961 reduzierten sich die Fahrtrouten nur noch in Richtung Havel abwärts. Die Fahrziele beschränkten sich hauptsächlich auf Werder, Brandenburg an der Havel, Caputh, Petzow und Ferch.

Das Jahr 1989 brachte auch für die Weisse Flotte entscheidende Veränderungen. Am 3. März 1990 konnte das erste Schiff aus Potsdam wieder in Berlin-Wannsee anlegen. Die alten Fahrtrouten rund um die Insel Potsdam wurden wieder aufgenommen und Ziele wie die Pfaueninsel, Spandau, Tegel, das Schiffshebewerk Niederfinow und Neuruppin wurden nun wieder angesteuert. In übertriebener Begeisterung fuhr ein Kapitän mit seinem Fahrgastschiff von Potsdam in Richtung Norden und legte nach dreitägiger Fahrt an den Hamburger Landungsbrücken an.

Mit der Auflösung der Volkseigenen Betriebe (VEB) auf dem Gebiet der ehemaligen DDR stellte sich für den Magistrat der Stadt Potsdam – als Eigentümer der Potsdamer Verkehrsbetriebe und damit auch der Flotte – die Frage eines Verkaufs der Schiffe. Im Jahr 2000 wurde die Weisse Flotte zum Verkauf ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielten zwei Jungunternehmer aus der Region, die bereits das Unternehmen „Haveldampfschiffahrt“ mit dem Salonschiff „Fridericus Rex“ und dem Dampfschiff „Gustav“ betrieben. Beide Unternehmen firmieren seit dem als eigenständige Betriebe unter dem Namen „Schiffahrt in Potsdam“. Nach dem Verkauf zweier Schiffe, die Unterhaltskosten waren höher als der Nutzen, festigte sich das Unternehmen am Markt und beförderte im Jahr 2005 erstmals seit der Privatisierung mehr als zweihunderttausend Fahrgäste.

Im Herbst 2005 wurde das erste neue Schiff seit 15 Jahren auf Kiel gelegt, daß am 21. Mai 2006 in Potsdam auf den Namen „Belvedere“ getauft wurde. Weitere Kleinfahrzeuge für besondere Kundenwünsche, Wassertaxen und das Charterboot „Luise“ erweiterten den Flottenbestand. Die Traditionsnamen Belvedere und Sanssouci wurden frühzeitig für später geplante Neubauten reserviert. Das neue Fahrgastschiff „Sanssouci“ lief dann am 15.  Dezember 2009 in der Schiffswerft „Bolle“ GmbH in Neuderben (Sachsen-Anhalt) vom Stapel. Mit der jährlich Mitte April stattfindenden Flottenparade auf der Havel in Potsdam und der gleichzeitigen Saisoneröffnung wurde das neue Schiff „Sanssouci“ in den Flottenbestand übernommen. Ihr erster offizieller Einsatz am 18. April 2010 war als Führungsschiffs bei der jährlichen Flottenparade den anderen Schiffen vorraus zu fahren.

Weitere Details

Der Firmenname wird umgangssprachlich auch als „Weiße Flotte“ geschrieben. Dies ist nicht korrekt. Ursprünglich wurde der Name ausschließlich in Großbuchstaben, also mit Doppel-S, geschrieben. Als man zur normalen Schreibweise überging, wurde das Doppel-S übernommen und auf das „ß“ verzichtet.

Flottenbestand (aktuell)

Schiffsname ENI-Nummer Baujahr Bauwerft / Ort Länge / Breite / Tiefgang Hauptantriebs-
leistung
Fahrgäste max. Bild Bemerkung
Sanssouci
04808290
2009/10
Werft Bolle GmbH, Derben 72,11 m/8,96 m/1,20 m 2 x 248 kW / 2 x 337 PS
600 (334 im Salon)
MS Sanssouci vor Babelberger Park.JPG Jetantrieb als Bugaktivruder
Belvedere
04805340
2005/6
Werft Bolle GmbH, Derben 40,96 m/6,50 m/1,25 m 248 kW / 337 PS
250 (160 im Salon)
MS Belvedere.jpg elektrisches Bugstrahlruder
Königswald
-
Umbau und Modernisierung in Werft Bolle GmbH, Derben MS Königswald im Hafen.JPG elektrisches Bugstrahlruder
Charlottenhof
-
1966, 1990 Umbau und Modernisierung Yachtwerft Berlin 45,73 m/6,16 m/1,41 m 2 x 102 kW / 2x 140 PS
300 (180 im Salon)
MS Charlottenhof vor dem Babelberger Park.JPG Panoramaschiff
Paretz
-
1964 , 1994 Umbau und Modernisierung Yachtwerft Berlin 35,78 m/5,90 m/1,10 m 2x 96 kW / 2 x 130 PS
240 (135 im Salon)
MS Paretz auf der Havel.JPG Behindertengerecht modernisiert
Stadt Potsdam
-
1991
Yachtwerft Berlin 32,18 m/5,10 m/0,90 m 96 kW / 130 PS
160 (94 im Salon)
MS Stadt Potsdam auf der Havel.JPG zugelassen als Standesamt
Fridericus Rex
05700680
1927
Gebrüder Winkler, Kalkberge (Rüdersdorf bei Berlin) 29,97 m/4,68 m/1,09 m 96 kW / 130 PS
75
MS Fridericus Rex im Hafen.JPG historisches Salonschiff mit Dampferoptik, 2000 restauriert
Gustav
-
1908
Gebr. Wiemann, Brandenburg 32,60 m/6,10 m/1,09 m 18496 kW / 250 PS
55
Dampfer Gustav vor Sacrow.JPG Dreifachexpansionsdampfmaschine mit Kohlefeuerung
Wassertaxi 1
05112020
1920
in Hamburg, Umbau 1975, Generalüberholung 2007/8 Werft Bolle GmbH 21,61 m/3,79 m/1,10 m 132 kW / 180 PS
60
Wassertaxi, Biberbaer; 2007.JPG Außer Dienst, steht zum Verkauf
Wassertaxi 2
04806530
2008
Werft Bolle GmbH, Derben 26,72/5,10/1,00 m 148 kW / 201 PS
120
Wassertaxi 2 auf der Havel.JPG Fahrradmitnahme
Wassertaxi 3
04811000
2013
Werft Bolle GmbH, Derben 31,11/5,10/0,90 m 166 kW / 226 PS
120
Wassertaxi 3 auf der Havel.JPG Fahrradmitnahme
Luise
1955
13,60/4,00/1,00 m 180 PS
15
ehemaliger Krabbenkutter aus Holz, steht zum Verkauf

Weitere Bilder

Siehe auch

Quellen

  • „Potsdam historische Straßen und Plätze heute“ von Waltraud Volk, VEB Verlag für Bauwesen Berlin 1988, S. 51, ISBN 3-345-00050-4
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