Kristall- und Muschelgrotte

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Kristall- und Muschelgrotte
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BLDAM-Eintrag 09156103
Wikidata-Eintrag Q1954060


Die Kristall- und Muschelgrotte ist eine Gartenstaffage im Neuen Garten von Potsdam. Sie entstand 1791/92 im Auftrag König Friedrich Wilhelms II. nach Entwürfen von Andreas Ludwig Krügers und gehört zu den kunstvoll inszenierten Architekturformen der zeitgenössischen Gartenkunst, die Natur und künstliche Gestaltung bewusst miteinander verschränken.

Im Inneren war die Grotte umso reicher ausgestattet. Die drei Kabinette waren ursprünglich mit Spiegeln, farbigem Glas, verschiedenartigen Gesteinen, Mineralien, Kristallen sowie echten Muscheln und Muschelimitationen dekoriert. Diese Ausstattung erzeugte ein vielschichtiges Spiel von Lichtreflexen und Oberflächen, das den Eindruck eines künstlich gesteigerten Naturraums hervorrief. Die heute erhaltenen Reste lassen die einstige Wirkung und den dekorativen Reichtum noch erahnen.

An heißen Sommertagen sorgte die Grotte für angenehme Kühle. Der Zugang erfolgte von der Ostseite durch einen sich perspektivisch verengenden Gang, der die räumliche Wirkung steigerte und den Besucher gezielt in das erste Kabinett führte.

Bereits im 19. Jahrhundert geriet die Grotte zunehmend in Vergessenheit. Schon während der Regierungszeit Friedrich Wilhelms III. wurde sie vernachlässigt. Für das Jahr 1863 ist überliefert: „Von allen Partien der Königlichen Gärten in Potsdam ist wohl diese Grotte am wenigsten bekannt und besucht.“

Im 20. Jahrhundert verschärfte sich der Verfall. Aufgrund ihrer Lage an der Havel, die während der deutschen Teilung den Grenzverlauf zwischen West-Berlin und Potsdam markierte, befand sich die Anlage im Grenzstreifen und war über Jahrzehnte nicht zugänglich. Erst nach der Wiedervereinigung 1990 konnten Sicherungsmaßnahmen eingeleitet werden. Mit der Erneuerung der Dachkonstruktion wurde der weitere Verfall gestoppt.

Seit 2003 setzt sich der Förderkreis Muschelgrotte im Neuen Garten Potsdam e. V. für die Erforschung, Vermittlung sowie für die Erhaltung und Pflege des Bauwerks ein. Ein wichtiger Schritt der jüngeren Restaurierung war die Wiederherstellung des historischen Marmorfußbodens im mittleren Kabinett, die bis Mai 2025 durch den Restaurator Lutz Schummel (SPSG) abgeschlossen wurde. Der Boden ist heute im Rahmen von Führungen zugänglich.

Quellen

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