Straßenpflasterung

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Die Voraussetzungen zur Pflasterung der Potsdamer Straßen waren denkbar ungünstig und damit der Ausbau der Straßen ein langwieriger Prozess, um deren Beginn sich auch Legenden Potsdams Straßen werden gepflastert ranken. Und diese Legende hat einen historischen Hintergrund. 1543 gab es z.B. einen Gerichtsbeschluss, dass jeder, der sich im öffentlichen Raum hörbar gestritten hat, zwei Quadrat-Ruthen (~10 m2) Steinweg pflastern muss. Trotzdem blieb der Zustand der Straßen Potsdams beklagenswert, so dass man die Stadt als Spottsdam verunglimpfte.

Anforderungen

Der Zweck der Pflasterung war vor allem die Stabilisierung des Untergrundes und das für lange Zeit auch bei starkem Verkehr, dabei sollte aber der durch den Verkehr verursachte Lärm möglichst gering sein. Zur Minimierung von Konflikten zwischen den Arten von Verkehrsteilnehmern setzte sich nach und nach durch, dass den Fußgängern ein etwas erhöhter eigener Bereich, der Gehweg, vorbehalten sein sollte. Der Höhenunterschied wird durch einen Bordstein alias Rinnstein ausgeglichen, an dem entlang der Abfluss, nicht nur des Regenwassers, bis zur endgültigen Kanalisation Potsdams um 1895, ermöglicht wurde.

Historische Entwicklung

Übersichtskarte der Befestigungsarten von Potsdamer Straßen

Die Hauptschwierigkeit bei der Pflasterung war der Mangel an entsprechendem Gesteinsmaterial in stadtnahen Vorkommen. Als Festgesteine gab es nur den mitteltriassischen Muschelkalk von Rüdersdorf, der aber für Pflasterung auf Straßen ungeeignet ist. Und die sich für Pflasterungen anbietenden Geschiebe aus den Eiszeitablagerungen sind in der Potsdamer Gegend auch rar. Darum musste man sie von weiter her – meist aus dem Westen – herantransportieren, wenn man sich nicht mit Bohlen- bzw. Knüppeldämmen zur Wegebefestigung begnügen wollte. Es entstanden Kopfsteinpflaster mit unterschiedlich großen, meist rundlichen Geschieben im wilden Verband, wie er in der Spornstraße bis 2025 in einer nutzerfreundlich gestalteten Ausführung wieder hergestellt worden ist. Wie die Straßen in den Anfängen des Straßenbaus wirklich ausgesehen haben, zeigen z.B. die Große Fischerstraße und partiell Teile der Fußwege in der Innenstadt. In Potsdam sind kein Gurtnetze bekannt, die aus großen Geschieben gesetzt die kleineren Geschiebepflasterung dazwischen stabilisierten, wie sie aus dem mittelalterlichen Freyenstein (bei Wittstock) bekannt ist.

Mit der Entwicklung der dampfbetriebenen Transportmöglichkeiten per Schiff etwa ab 1840 konnten aus anderen Gebieten in Steinbrüchen gewonnene Festgesteine herantransportiert werden. Das waren zum einen magmatische Gesteine, die zu formatiertem Pflastermaterial behauen werden konnten und strukturierten Pflasterverband und damit bessere Haltbarkeit und glattere Verkehrsflächen ermöglichten. Manche Festgesteine konnten nur zu unregelmäßigen Pflastersteinen behauen werden, die einen wilden, nicht so stabilen Pflasterverband ergaben. Um alles Pflastermaterial zu nutzen, wurde die Pflasterfläche einer Straße nicht selten in einen strukturierten äußerst widerstandsfähigen zentralen Bereich aus gleichgroßen, gut behauenen Quadern für den rollenden Verkehr und am Rand eine Zone mit in nicht so stabilem wilden Verband aus unterschiedlich großen Steinen zum Abstellen der Fahrzeuge gegliedert.

Die heutzutage bevorzugte Stabilisierung der Straßendecken durch Asphaltieren setzte zur Regierungszeit Friedrich Wilhelm IV. in den 1840er Jahren mit aus Südwestdeutschland importiertem Asphalt lokal an königlichen Bauten ein, entwickelte sich dann ab etwa 1900 ganz rasant. Im gleichen Zeitraum setzte sich auch das Kleinpflaster aus Granit durch.

Kleines a-b-c der Pflasterung

Die Vielfalt der Straßenpflasterung ergibt sich aus Größe, Form, Gesteinsart der Pflastersteine und in welchem Gefüge sie zueinander verlegt sind. Die Pflastersteine haben unterschiedliche Formate: Großpflaster (>15 cm), Kleinpflaster (~10 cm), Mosaikpflaster (~5 cm) vorwiegend auf Gehwegen, selten Kleinstpflaster (<3 cm) für Schmuckpflasterungen. Bevorzugt waren behauene Pflastersteine mit ± parallelen Gegenflächen, denn die Pflasterfläche sollte unter Spannung stehen, seitlich abgestützt durch die größeren und tiefer reichenden Bordsteine. Die entsprechenden Gefüge waren Reihen- bzw. Diagonalpflaster, selten auch Schuppenpflaster mit den bogenförmig sich ablösenden Pflasterreihen (nur bei Kleinpflaster). Die erforderliche Spannung ließ sich bei ungleichmäßig formatierten Bruchstücken nur durch Schiebepflasterung unvollständig erreichen.

Übersichtskarte der Verbreitung von Granitplatten auf Gehwegen des historischen Potsdams

An Gesteinsarten sind zu nennen: eiszeitliche Geschiebe unterschiedlichster Zusammensetzung (Magmatite, Gneise, Vulkanite), Granit und saure Vulkanite aus Sachsen und Schlesien, Granitoide aus Schweden, Basalt aus Sachsen und auch Sedimentgesteine aus dem Grundgebirge der Magdeburger Gegend wie der Gommern-Quarzit (im Straßenbau Plötzkyer genannt) und die Magdeburger Grauwacke (beides aus dem Erdzeitalter des Karbons). Vor allem das Gesteinsmaterial aus Gommern fand auch auf königlichen Wegen ab 1845 Verwendung, taucht aber recycled als Einzelstein auf verschiedensten Straßen auf. Etwas später dominierten ab ~1875 triassische Kalksteine aus der Bernburger Gegend als Mosaikpflaster, die wegen Vormacht von runden Gesteinskomponenten im Millimeterbereich Rogenstein genannt werden. Sie sind normalerweise witterungsbeständig, manche Varianten neigen zum Zerbröseln. Die graufarbenen Bernburger Mosaiksteine eigneten sich besonders für Gehwege, wo sie auch heute noch dominant sind und mit schwarzem Basalt oder weißem Marmor zu eindrucksvollen Schmuckpflasterungen gelegt werden können.

Für die Potsdamer Innenstadt sind auf Gehwegen auch Granitbahnen typisch, die aus bis 2 m langen Granitplatten bestehen. Die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Platten (Verlegung ab 1830) sind per Hand und damit nicht so ebenflächig bearbeitet und der Arbeitsersparnis wegen unten bauchig gelassen. Sie heißen deswegen auch Schweinebäuche. Die neueren Granitplatten sind maschinell bearbeitet, nicht mehr so dick und habe glatte Flächen und Kanten.

Quellen

  • Paech, H.-J. (2021): Historischer Abriss der Pflasterung Potsdamer Straßen. – Mitt. Verein Kultur und Geschichte Potsdams, Studiengemeinschaft Sanssouci e.V. 26. Jg., S. 7-54.
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