Telegrafenberg

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Telegrafenberg
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Wikidata-Eintrag Q1609378

Der Telegrafenberg (historische Schreibweise: „Telegraphenberg“) ist eine Erhebung der Saarmunder Endmoräne nahe deren Nordende. Der Telegrafenberg erreicht eine offizielle Höhe von 93,5 m, partiell ist er aber 96 m hoch. Er befindet sich südlich der Innenstadt von Potsdam, in der südwestlichen Verlängerung zwischen der Templiner Vorstadt und der Teltower Vorstadt. Sein Gebiet hat eine wechselvolle Geschichte, wobei seit 1871 wissenschaftliche Aspekte Vorrang haben, die mit der Gründung des Wissenschaftsparks Albert Einstein im Jahre besonders unterstrichen werden. Der Name Telegraphenberg bezieht sich auf die Station 4 der Königlich Preußischen Optischen Telegraphenlinie von Berlin nach Koblenz, die 1832 bis 1849 in Betrieb und auf der Bergkuppe in dieser Zeit unübersehbar und damit dominant war. Trotzdem fand der geografische Name Telegraphenberg erst lange nach Abbau der Telegrafenstation 1867 in einer topografischen Karte offiziell Anerkennung.

Geschichte des Telegrafenberges

Das Gebiet des Telegrafenberges war in Kurfürstenzeiten zunächst für die Hohenzollern als Jagdgebiet von vorrangigem Interesse. Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688) umzäunte dazu mit hohem Aufwand den Großen Tiergarten, in dem auch das Telegrafenberggebiet eingeschlossen war. Unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) lieferte es Bauholz für die zahlreichen Bauten des sich vergrößernden Potsdam. Bis 1813 war das Gebiet aber wieder aufgeforstet.

Napoleonische Bedrohung im Jahre 1813

Topografischer Überblick der demolierten Feldschanze auf dem Gipfel um 1832

Diese Aufforstung erwies sich später als Vorteil, denn 1813 musste zur Abwehr der wieder sehr akuten Bedrohung durch die napoleonische Allianz zur Verteidigung Berlins die Nuthe-Notte-Linie eingerichtet werden. Denn es waren zahllose abgehackte Baumstämme zum Aufschichten von zwei Verhaugürteln von ca. 6 km Länge als Annäherungshindernis notwendig. Ein besonders wichtiger Schutz in der Potsdamer Gegend waren die Feldschanzen gegen Napoleon, zu der auf der Kuppe des Telegraphenbergs die Hauptschanze aufgeworfen wurde. Sie erstreckte sich als etwa 4 m hoher Wall in Ost-West-Richtung über 100 m in Form einer Lunette mit zwei langen, schwach abgewinkelten Facen und beidseitig je einer Flanke. Die Errichtung der Feldschanze musste von der Potsdamer Bevölkerung unter militärischer Leitung erbracht werden. Stellzeit war ab Mitte Mai 1813 früh 5 Uhr am Friedhof für 500 Personen. Diese Zahl kam aber niemals zusammen. Dass die Schanzen dann aber doch bis zum Anmarsch der napoleonischen Truppen am 22. August 1813 verteidigungfähig waren, hängt mit dem ab 6. Juni ausgehandelten Waffenstillstand zusammen. Die Schanze war für 500 Mann und 5 Kanonen dimensioniert und dann auch in der bedrohlichen Phase besetzt. Kampfhandlungen fanden aber nicht statt, weil die napoleonischen Truppen weiter im Osten bei Großbeeren durchbrechen wollten, was ihnen aber nicht gelang.

Aufschluss am Kleinen Refraktor (A32): Auflagerung von Schanzenmaterial auf Stauchendmoräne

Mitte 1814 kam der Befehl zur Demolierung der Schanze, sie war dann ohne Verteidigungswert, deutlich gekappt, aber immer noch zu erkennen. Bei Bauarbeiten 2007 war die Auflagerung des Schanzenschüttmaterials aus der Demolierungzeit zu erkennen. Es lagerte auf steil aufgepressten Schichten der Stauchendmoräne und einer dünnen Lage von verkohltem Strauchwerk, offensichtlich Reste des ehemaligem Tarngestrüpps, das zu Beginn der Demolierung 1814 durch Abfackeln entsorgt worden war. Für das Gebäude des Astrophysikalischen Observatoriums wurde vermutlich 1875 ein Teil des immerhin noch 2 m hohen Schanzwalls im vorgelagerten Graben entsorgt, über den es allerdings keine weiteren Hinweise gibt. Ein großer Anteil der Erdmassen fand beim Wegebau sinnvoll Verwendung. Nur die rechte Flanke der Schanze blieb erhalten, denn sie störte nicht beim Bau des Astrophysikalischen Observatoriums. Auf ihr konnte sogar im Jahre 1888 das Kuppelgebäude für den Kleinen Refraktor (A32) errichtet werden.

Optische Telegrafenstation

Optischer Telegraf, Station Nr. 4 - Potsdam (Nachbau der Signalanlage von 2009), Signal: A4.2 B5.1 C4.2=Potsdam, Aufnahme 2012
Rekonstruktion der Station 4 im heutigen Landschaftsbild

Im Jahre 1832 wurde zur schnellen Datenübermittlung in die durch den Wiener Kongress 1815 Preußen zugesprochenen Gebiete im Rheinland die Linie der optischen Telegrafie von Berlin nach Koblenz erbaut, dazu gehörte die Telegrafen-Station 4 auf dem Potsdamer Telegraphenberg. Am 21.Juli 1832 erging der Allerhöchste Spezialbefehl Sr. Majestät des Königs und damit begann die mit hohem Aufwand betriebene extrem schnelle Errichtung. Der Aufbau erfolgte so schnell, dass am 22.Dezember 1832 auf dem Abschnitt zwischen Berlin und Magdeburg schon erste Übertragungsversuche liefen, sodass das Telegraphen-Etablissement bei Potsdam offensichtlich auch schon funktionstüchtig und somit errichtet war. Unsere Kenntnis über den Bautyp in Potsdam ist eingeschränkt. Recht wahrscheinlich hatte die Station auch einen Turm und war ein Fachwerk- oder Holzbau, denn ersteigert hatte sie 1851 ein Tischlermeister Heiner aus Nowawes, der verpflichtet war, alles Material zu entsorgen, und dazu gehörten auch ein Stall und ein Staketenzaun. Und seine Aufgabe nahm er sehr ernst, es wurden bisher– sehr zum Leidwesen der Recherchierenden der Baugeschichte – keine Spuren oder gar Reste der Station vor Ort gefunden.

Günstiger sind unsere Kenntnisse zur Position des Telegrafengebäudes. In Karten ist sie – bezogen auf die Konfiguration der Schanzenumrisse – uneinheitlich angegeben: entweder an der Face oder an der rechten Flanke. Durch die hochgenauen geodätischen Vermessungen durch J.J. Baeyer (1795-1885), Oberst und Abteilung-Vorsteher im Generalstab und Dirigent der trigonometrischen Abtheilung (1849), bei denen der hohe Signalmast der Station 4 ein weithin sichtbarer Peilpunkt war, ließ sich die Position genau bestimmen. Außerdem konnte die Höhe der Spitze des Signalmastes mit 14 m über der Plinthe (= Basis der Station) bestimmt werden, die mit 97 m NN höher als der jetzige höchste Punkt war.

Turnplatz

Ganz am nordöstlichen Ausläufer des Telegrafenberges, auch noch die morfologische Delle zum Brauhausberg umfassend, war von dem damaligen Potsdamer Schulrat Wilhelm von Türk (1774-1846), im Sinne von Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) mit privaten Spenden ein Sportplatz am 11.April 1818 eröffnet worden, wo jetzt die Häuser B-G stehen. In Betrieb war der Turnplatz zunächst keine zwei Jahre, Friedrich Wilhelm III. sah in der Turnbewegung die Brutstätte aufrührerischer Ideen und Anfang Januar 1820 hieß es „nach dem Reskripte der Königl. Ministerii des Innern und der Polizei vom 2ten Januar d. J. ist es Sr. Majestät ernstlicher Wille, daß das Turnwesen ganz aufhört“. Darum musste diese Sportstätte am Telegrafenberg wieder geschlossen werden. Im Jahre 1845 ergab sich die Möglichkeit der Wiedereröffnung des Turnplatzes, der dann für viele Jahre bis 1945 für den Schulsport zur Verfügung stand. Eine kleine Gaststätte, der Berggeist, konnte sogar mit Mineralwasser und Obstsäften helfen, den Durst der Sportler und Sportlerinnen nach den Übungen zu stillen.

Das Betriebsende der Telegrafenstation trat nicht abrupt ein. Ab 1846 erfolgte die Nachrichtenübermittlung von und nach Berlin schon meist elektromagnetisch vom Potsdamer Bahnhof aus und Ende Juni 1849 war die letzte Übertragung einer Depesche mit dem optischen Telegrafen, danach ging alles nur noch elektromagnetisch.

Damit war das Etablissement auflässig, aber wie alle Stationen musste wegen möglichen Diebstahls eine Wachperson benannt und dann auch bezahlt werden. Erst September 1850 gab Friedrich Wilhelm IV. seine Einwilligung zum Abriss, der aber über eine Versteigerung vergeben werden sollte. Erste Versteigerung lief am 21. November 1850 und erbrachte nur 39 Taler, inakzeptabel für die Regierung. Bei der Wiederholung am 20. März 1851 bot der Tischlermeister Heiner aus Nowawes 81 Taler, zur Erinnerung der Bau der Station hatte 1832 1484 Thaler gekostet.

Wissenschaftsstandort

Der Telegrafenberg geriet nach Abbau der Telegrafenstation zunächst wieder in den Hintergrund. Erst Ende der 1860er Jahre gewann er erneut an Bedeutung. Auslöser war die Entwicklung der Spektralanalyse durch Gustav Kirchhoff und Robert Bunsen, die neue Möglichkeiten für die astronomische Forschung eröffnete. In der Folge entstand der Wunsch, neben den bestehenden Sternwarten eine eigene Sonnenwarte einzurichten.Zunächst war an ein in fachlicher Hinsicht breit gefächertes „Staatsinstitut für Physik des Himmels und der Erde“ gedacht, von dem die Preußische Akademie aus dem Grund abriet, weil eine einzelne Person die wissenschaftliche Anleitung eines solchen Instituts nicht leisten könne. Deswegen beschränkte man die Aufgabenstellung des neuen Instituts auf die Astrophysik.

Nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 ergaben sich hierfür günstigere Rahmenbedingungen. Auf Anregung von Wissenschaftlern ließ der Kronprinz, der spätere Kaiser Friedrich III. (1831-1888), entsprechende Planungen prüfen. Der Direktor der Berliner Sternwarte, Wilhelm Foerster (1832-1921), wurde beauftragt, konkrete Vorschläge für ein neues, an die Berliner Sternwarte angelehntes Institut auszuarbeiten.

In den folgenden Jahren entwickelte sich der Telegrafenberg zu einem bedeutenden Wissenschaftsstandort. 1874 wurde das Astrophysikalische Observatorium gegründet, das als erstes Institut weltweit fast ausschließlich der astrophysikalischen Forschung gewidmet war. Es zog zahlreiche Wissenschaftler nach Potsdam und begründete den internationalen Ruf des Standorts. Aber in der Gründungsphase gab es auch Bestrebungen den Forschungsstandort für andere Fachrichtungen zu nutzen. Georg Neumayer (1826-1909), Namensgeber der bundesdeutschen Antarktisforschungsstation, führte schon vor dem ersten Spatenstich im Jahre 1874 erdmagnetische Messungen auf dem Telegraphenberg durch, die er später wiederholte und ab 1875 in einer speziellen eisenfreien Messhütte. Seine diesbezüglichen Messreihen sah Neumayer immer im Zusammenhang mit der Südpolarforschung, für die er bei jeder sich bietenden Möglichkeit warb.

In der Folge entstanden weitere wissenschaftliche Einrichtungen auf dem Telegrafenberg, darunter Institute mit meteorologischem, geodätischem, geologischem und geophysikalischem Profil. Bis heute prägen Forschungseinrichtungen das Gelände auch solche mit weiteren Interessengebieten wie Polar- und Klimafolgenforschung und knüpfen an die Tradition des Ortes als Zentrum naturwissenschaftlicher Forschung an. Deren Organisationform unterlag allerdings im Laufe der Entwicklung immer wieder erheblichen Änderungen.

Mit seismologischen Studien, organisatorisch angebunden an das Geodätischen Institut, befasste man sich mehr durch Zufall. Zum Nachweis von Erdgezeiten war im Keller des östlichen Turms (A31) ab Anfang März 1889 für ein halbes Jahr von Ernst von Rebeur-Paschwitz (1861-1895) ein Horizontalpendel aufgestellt. Dieses fotografisch aufzeichnende Gerät zeigte am 17. April ab etwa 17.00 Uhr für drei Stunden erhebliche Oszillationen. Zu deren Deutung war von Vorteil, dass der Forscher in Wilhelmshaven ein ähnliches Gerät aufgestellt hatte, das zur gleichen Zeit ähnliche Bewegungen anzeigte. Es war also ein endogener Prozess dafür verantwortlich und der Forscher konnte dann ein Erdbeben in Japan bei Kumamato als Verursacher der Krustenvibrationen benennen. So war ein Fernbeben erstmals auf Welt registriert und erkannt worden. Und das bedeutete, anschließend auf dem Telegraphenberg seismische Forschungen zu betreiben. Man nutzte dazu einmal weiterhin solche Horizontalpendel, aufgestellt im Keller des Geodätischen Instituts und in der Messkammer des Tiefbrunnens in etwa 20 m Tiefe, später auch spezielle Seismometer in einem eigenen 1901 erbauten Gebäude (A18) sogar bis 1970. Interessanterweise unterstützten die seismischen Forschungen auch fotografische Registrierungen von Magnetometern, die allerdings organisatorisch zur Meteorologie gehörten. Sie waren so hochempfindlich, dass sie auch Vibrationen, also Erdbebenwellen, anzeigten.

Baugeschichte der Observatorien im 19. Jahrhundert

Topografische Übersicht des Wissenschaftsparks Albert Einstein mit Aspekten der Baugeschichte

Bei der Suche nach einem Ort für astronomische und andere geowissenschaftliche Forschungen ging es um gute Erreichbarkeit, minimale Luftverschmutzung und die Möglichkeit zum Bau mehrerer Observatorien, die sich bei ihren Messungen nicht gegenseitig störten. Die Wahl fiel auf den Telegraphenberg, damals noch außerhalb von Potsdam gelegen. Die erste Aufgabe bestand in der Anlage von Verkehrswegen und deren Befestigung. Die Zufahrt wurde vor Baubeginn der Gebäude sehr rationell angelegt als einspurige Pflasterstraße, die in Form einer asymmetrischen 8 eine lange, dadurch flache Anfahrt ermöglichte, während die Abfahrt deutlich kürzer und dadurch steiler war. So konnte der Antransport der schweren Ziegel beladenen Pferdefuhrwerke optimal durchgeführt werden. Es war Einbahnverkehr vorgeschrieben, der Kreuzungsbereich von An- und Abfahrt war flach gehalten, um das Risiko von Zusammenstößen zu minimieren. Dieses einfache Wegenetz wird in der Gegenwart auch noch genutzt, ist aber durch eine Vielzahl von neuen Verbindungen verdichtet und nach außen erweitert worden. Von der primären Pflasterung ist wohl nichts erhalten und die späteren Straßenbefestigungen zeigen die unterschiedlichsten Ausführungen, so dass ein vielfältiges Straßenbild entstanden ist.

Das Observatoriumsgelände war bewusst großräumig angelegt, damit die verschiedenen Messprogramme sich nicht gegenseitig stören. Außerdem war man bedacht, mikroklimatische Beeinflussung so gering wie möglich zu halten. Darum wurde viel angepflanzt und dann auch für Bewässerung gesorgt. Die randliche Bepflanzung mit Sträuchern erhielt ein Bewässerungssystem, ermöglicht durch die schon 1875 erfolgte Anlage eines Tiefbrunnens mit einer Tiefe von fast 40 m. Zudem wurde das Flachdach des Astrophysikalischen Observatoriums (A31) begrünt.

Das heutige Ensemble von Wissenschaftsbauten besticht durch die ziegelsichtigen gelbdominierten Fassaden, die bei den Gebäuden aus dem 19. Jhdt. durch horizontale Rotziegelbänder aufgewertet sind. Die roten Ziegel stammen bei fast allen Gebäuden dieser Periode aus der Südwestecke der Rathenower Ziegelregion bei Genthin und weiter südwestlich. Ihr Architekt war meist Paul Emanuel Spieker (1826-1896) aus der späten Schinkelschule. Eine Ausnahme macht das Direktorenhaus (A33), das von Emil Gette (1840-1887) entworfen war und dieser entscheidet sich für rote Ziegel aus seiner Geburtsstadt Freienwalde.

Quellen

  • Baeyer, J. J. (1849): Die Küstenvermessung und ihre Verbindung mit der Berliner Grundlinie. – 584 Seiten
  • Directoren (1890): Die Königlichen Observatorien für Astrophysik, Meteorologie und Geodäsie auf dem Telegraphenberge bei Potsdam. 159 Seiten, XI Tafeln, Nachdruck 1989
  • Paech, H.-J. (2012): Das Potsdamer Telegraphenberg-Brauhausberg-Gebiet und seine Umgebung aus historischer Sicht. – In: Menning, M. & A. Hendrich (Ed.): Die preußischer Telegraphenlinie Berlin – Koblenz und zur Geschichte und Geologie des Potsdamer Telegraphenbergs und seiner Umgebung. S. 100 – 181. Paech, H.-J., Fritzsche, D., Gernandt, H. and Kopsch, C. (2023): Georg Neumayers Bemühungen um Kooperation mit Forschungseinrichtungen des Potsdamer Telegraphenberges. -- Polarforschung Vol. 91, S.81-94, 2023. https://doi.org/10.5194/polf-91-81-2023
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