Wilhelmstift

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Teilansicht des ehem. Stifts, Frühjahr 2011

Das Wilhelmstift - vollständiger Name war „Heil- und Pflegeanstalt Potsdam-Wilhelmstift“ - befand sich in der Teltower Vorstadt von Potsdam, in der heutigen Heinrich-Mann-Allee 103. Bis Juli 2015 wurden die Gebäude vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie (MASGF) des Landes Brandenburg und nun vor allem durch die Bundespolizei genutzt.

Geschichte

Das Wilhelmstift wurde im Jahr 1865 als evangelische Erziehungs- und Pflegeanstalt für geistig behinderte Kinder auf dem Gelände des Exerzierplatzes Teltower Vorstadt gegründet. Diese Einrichtung erzog ihre Zöglinge durch moderne reformpädagogische Methoden. Ab 1886 bildete sich zusätzlich eine Anstalt für Epileptische mit einer großen Anzahl von Patienten, darunter auch Erwachsenen. Dazu wurden 90 Morgen Land angekauft, auf dem bis zum Ausbruch der Ersten Weltkrieges zahlreiche Gebäude entstanden. Zudem hatten sich als kleinere Einrichtungen das Helenenstift (1913) für Mädchen und das Nowaweser Bethlehemstift (1852 schon gegründet) hier angesiedelt, die dann auch in der gemeinsamen Landesanstalt für Epileptische zusammengefasst wurden. Für alle diese Stiftungen war typisch, dass deren Arbeit auf private Spenden angewiesen war, um die sie in Zeitungen werben mussten. Die Anstalt an der jetzigen Heinrich-Mann-Allee war aber trotzdem recht gut ausgestattet, Sie besaß eine anstaltseigene Schule, einen Landwirtschaftshof und einige Werkstätten, die der Berufsausbildung der Kinder diente. Sogar ein eigener Friedhof gehörte dazu, der nahe dem Lehmhaus angelegt worden war. Eine Kapelle am Ausgang dorthin war auch vorhanden und ab 1914 zudem eine Kirche, die 1985 vollkommen intakt abgerissen wurde, weil sie nicht ins Profil der DDR-Grenztruppen passte. Die Erweiterung des Geländes erfolgte nach Norden durch Übernahme des 1911 gegründeten Helenenstifts und den Zwickel zum ausgebauten Horstweg erst mit Übernahme der Gebäude durch die Kasernierte Volkspolizei im Jahre 1955, verbunden mit der Neuerbauung von einer Häuserzeile für Offziersfamilien.

Kartenskizze der Entwicklung des Areals des Wilhelmstifts i. w. S.

Im Jahr 1934 zog die „Erbbiologische Landeszentrale“ in die Gebäude mit der Aufgabe, die Bevölkerung „erbbiologisch“ zu erfassen. Das Stift wurde 1938 geschlossen. Die verbliebenen Kinder kamen zwei Jahre später nach Brandenburg-Görden, wo sie im Rahmen der nationalsozialistischen Euthanasie in den Gaskammern ermordet wurden. Die nun leeren Gebäude werden teilweise von der Provinzialverwaltung Brandenburg genutzt, waren nur wenig von Kriegsschäden betroffen. Nach dem Kriege ist eine Nutzung durch die Rote Armee denkbar, belegt ist aber der Einzug von verschiedenen Versicherungen und Behörden wie Gesundheitsamt, der Bau einer Studiobühne durch das Stadttheater und eine neu eingerichtete Bibliothek.

Das Hauptgebäude des Wilhelmstifts wurde vom VEB Kartographischer Dienst Potsdam genutzt, welcher nach der Wende in die Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg überging. Das übrige Areal wurde von der Kasernierten Volkspolizei 1955 übernommen, ab 1961 von den DDR-Grenztruppen Grenzkommando Mitte bis zum Beitritt der DDR in die Bundesrepublik Deutschland am 03.10.1990. Zunächst übernahmen danach Regierungsstellen des Landes Brandenburg die Gebäude, dann die Landespolizei und seit 2010 die Zentrale der Bundespolizei, die 2025 am Horstweg einen neu erbauten Gebäudekomplex übernehmen konnte.

Quellen

  • "Die unheiligste Allianz" - Artikel in der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 05./06.03.2011
  • "Ministerien am neuen Standort in Potsdams Mitte" – Pressemitteilung des Brandenburgischen Landesbetriebs für Liegenschaften und Bauen (BLB) vom 31.08.2015, abgerufen am 20.10.2015
  • Hübener, K., Rose, W. (2013): Wilhelmstift. – In Wernicke, T., Götzmann, J. & K. Winkler: Ed.), Stadtgeschichte von A bis Z, Potsdam Lexikon, 432 Seiten, hier S.393
  • Klausmeier, Axel (2012): Hinter der Mauer: Zur militärischen und baulichen Infrastruktur des Grenzkommandos Mitte. – 335 Seiten, Chr. Links Verlag BerlinPaech, H.-J. (2017): Die wechselvolle Geschichte des Gebietes links der Nuthe. – TauZone 118, S.16, https://schlaatz.de/der-schlaatz/tauzone/
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