Exerzierplatz Teltower Vorstadt
Der Exerzierplatz erstreckte sich in der Teltower Vorstadt entlang der jetzigen Heinrich-Mann-Allee vom Gebiet nahe dem Teltower Tor an der Havel bis in das Gebiet südöstlich des jetzigen Horstwegs in der Nuthe Niederung, durch eine bis 2 m-hohe morphologische Stufe zur Nutheaue begrenzt. Er war bei Hochwasser der Nuthe meist nicht überflutet.
Geschichte


Potsdam als Soldatenstadt brauchte Übungsplätze für sein Militär. Der Soldatenkönig (1688-1740) gestaltete zunächst einen Teil des Lustgartens zum Drill seiner Langen Kerls um, hatte aber seit 1726 vor dem Teltower Tor zusätzlich ein Übungsgelände, Exerzierplatz genannt. Friedrich II. nutzte dann diese Fläche in der Teltower Vorstadt auch, aber hauptsächlich für Manöver an Feldschanzen. Im Juli 1752 fand ein großes einwöchiges Festungsmanöver mit etwa 5000 Soldaten statt, die mit scharf schießenden Kanonen ausgerüstet nach und nach über dabei ausgehobene Laufgräben an das Festungswerk vordrangen, es eroberten und mit Fladderminen teilweise zerstörten. Ein weiteres Festungsmanöver ist von 1784 bekannt, das 12 Tage dauerte. Neben diesen Großmanövern gab es auf dem Gelände an Feldschanzen oftmals Übungen, meist an einer Redoute (Viereckschanze), die offensichtlich danach in Ordnung gebracht wurde. So ist sie bis 1860 einsatzbereit, wie es durch Darstellung auf einer Karte angezeigt ist. Eine nach Nordwesten von der Redoute gelegene kleine Schanze in Form einer Lunette deutet die vielfältige Nutzung des Exerzierplatzes an. Auch der oberhalb gelegene Hang der Saarmunder Endmoräne war einbezogen, wo eine Lunette aus dem Jahre 1810 auf dem ehem. Schanzenberg noch morphologisch erkennbar ist. Eng an den Exerzierplatz gebunden waren Pulvermagazine mit den entsprechenden Bauten für die Wächter.
Die Fläche des Exerzierplatzes wurde im Laufe der Entwicklung merklich eingeengt: seit 1796 durch den Alten Friedhof, etwa 1860 durch die Ausflugsgaststätte Kaffeehaus bei Mertens, wo 1865 dann das Wilhelmstift gegründet wurde, ab 1886 weitflächig durch zahlreiche Gebäude der Provinzialanstalt für Epileptische, 1894 für die Kolonie Daheim. Bis etwa 1900 war auf den Karten das Gebiet als Exerzierplatz oder Alter Exerzierplatz bezeichnet, ab 1900 etwa meist als kleiner Exerzierplatz (letzte bekannte Eintragung in einer Karte von 1929). Die Verbindung von der heutigen Heinrich-Mann-Allee entlang der SE-Grenze des Alten Friedhof zur Kolonie Daheim hieß früher Am kleinen Exerzierplatz. Hier wurden Behelfsheime gebaut und dort waren 1945 etwa 500 Zwangsarbeiter eingepfercht, deren Baracken am 14.April fast alle zerstört wurden. Viele Opfer waren zu beklagen. Die militärische Nutzung des Gebiets war immer noch nicht beendet. Ab 1956 dienten die Gebäude der Kasernierten Volkspolizei, später Einheiten der DDR-Grenztruppen. In dieser Zeit standen auf dem Gelände auch Schießstände zur Verfügung.
Quellen
- Klausmeier, Axel (2012): Hinter der Mauer: Zur militärischen und baulichen Infrastruktur des Grenzkommandos Mitte. – 335 Seiten, Chr. Links Verlag Berlin
- Paech, Hans-Jürgen (2012): Das Potsdamer Telegraphenberg-Brauhausberg-Gebiet und seine Umgebung aus historischer Sicht. – In: Menning, Manfred & Andreas Hendrich (Ed.): Die preußischer Telegraphenlinie Berlin – Koblenz und zur Geschichte und Geologie des Potsdamer Telegraphenbergs und seiner Umgebung. S. 100 – 181
- Paech, H.-J. (2017): Die wechselvolle Geschichte des Gebietes links der Nuthe. – TauZone 118, S.16 https://schlaatz.de/der-schlaatz/tauzone/