Flatowturm


Der Flatowturm im Potsdamer Stadtteil Babelsberg ist auf der Höhe des Babelsberges im Park Babelsberg gelegen. Das Gebäude besteht aus einem 46 Meter hoch aufragenden Backsteinturm mit Zinnen und einem seitlichen Anbau, einem oberen Wehrgang, vier Erkertürmchen und einem Spitzhelm.
Geschichte
Auf dem Hügelplateau des Babelsberges stand seit dem Jahr 1753 die holländische Wind- und Schneidemühle des Hofrates Rehnitz. Nachdem die Rehnitzsche Mühle im Jahr 1848 einem Brand zum Opfer gefallen war, wurde in den Jahren von 1853 bis 1856 der Flatowturm – in Anlehnung an den Eschenheimer Torturm in Frankfurt am Main als Aussichtspunkt und Gästewohnung – in einem bastionsartig konfigurierten künstlichen Wasserbecken im Auftrag des Prinzen von Preußen, dem späteren Wilhelm I. (1797-1888), erbaut.
Der Architekt des neogotischen Aussichtsturmes (auch Belvedere genannt) war Johann Heinrich Strack (1805–1880). Die Architektur des Turms stellt, wie auch bei der Gerichtslaube und dem Matrosenhaus, einen Bezug zum deutschen Mittelalter her. Die in der Vorderhalle eingebaute, reich figurierte Rundbogenpforte entstammte den Vorlagen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts.
Der Flatowturm erhielt seinen Namen von dem Gut Flatow im ehemaligen Westpreußen. Finanziert soll der Bau auch aus den Einnahmen der dortigen Krongüter Flatow und Krojanke sein, die aber dem Prinzen Karl von Preußen (1801-1883) gehörten, einem jüngeren Bruder von Wilhelm I.
Später zum zeitweiligen Aufenthalt für Wilhelm I. bestimmt, war die Ausstattung des Bauwerkes größtenteils auch seiner Ideenwelt verpflichtet. Im Vorraum zum Turm ist noch die ehemalige Zugvorrichtung für die Brücke über den Wassergraben sichtbar. Ansonsten ging es viel um die Erinnerung an die blutige Zerschlagung des Badischen Aufstandes 1849. In den 5 Bastionsvorsprüngen um den Turm waren je eine Kanone mit Gravuren des Gefechtstages 29. Juni 1849 aufgestellt, die bei der Niederschlagung des badischen Aufstandes auf der Festung Rastatt erbeutet worden waren. Zudem erinnerte im Turm eine Kanonenkugel an das gleiche Gefecht. Diese Wilhelm I. verherrlichenden Exponate sind natürlich nicht mehr vorhanden. Aber das Datum sollte uns daran erinnern, dass Max Dortu (1826-1849) bei demselben Gefecht auf der Gegenseite für die Freiheit kämpfte, und das an seinem 23ten, nämlich seinem letzten Geburtstag. Wilhelm hatte sich beim gleichen Gefecht das Bildstöckl für seinen Park ausgeguckt, im Kugelregen – wie es hieß. Es war früher auch mit dem Datum 29. Juni 1849 markiert.

Die Herkunft des Ziegelmaterials für den Flatow-Turm wurde auf das westpreußische Flatow bezogen. Durch neue Funde der Ziegelstempel C.HINTZE AW und WALLIS dort ist nun Lieferregion Werder aber eindeutig belegt. Diese frühere fehlerhafte Herkunftsangabe des Ziegelmaterials kann damit zusammenhängen, dass Prinz Karl von Preußen auf seinen Gütern in Westpreußen gar keine Ziegelei betrieb, aber sein eigenes Ziegel-Etablissement in Klein-Glienicke 1827 nach Werder umsiedelte, dem er zur Ehrung seiner jungen Gemahlin Marie den Namen Marienberg beilegen ließ.
Und die von Zeitgenossen vorgenommene Bezeichnung des Bauwerkes als Malakoff-Turm findet eine mögliche Erklärung darin, dass eine Feldschanze in der Nordostecke des Parkes auch damals öffentlich. z.B. in einer Zeitung 1860, so bezeichnet wurde. Der Hintergrund hierfür war, dass dort mit nicht kleinen Kanonen zu Zeiten des Turmbaus in Anlehnung an den Krimkrieg Übungen durchgeführt wurden, die natürlich geheim bleiben sollten. Das konnte dann zur Verwechslung führen.
Der Flatowturm wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt. Die Restaurierungsarbeiten wurden erst im Jahr 1987 abgeschlossen.
Quellen
- Flatowturm – Artikel bei Sanssouci-Sightseeing.de
- Makaloff-Turm Berliner Gerichtszeitung 26. Juni 1860, S. 3
- Barclay, David E.: Denkmal und Revolutionsfurcht. Friedrich Wilhelm IV. und die Verherrlichung des preußischen Feldzugs in Südwestdeutschland 1849 – Monumentale Beispiele im Potsdamer Raum, Jahrbuch brandenburgische Landesgeschichte, Band 44 (1993), S. 130–160, hier S. 151
- Marienberg Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin, 1827, unter 17. August, S.148
Weblinks
- Flatowturm im Park Babelsberg - Webseite der SPSG
- Flatowturm – Artikel-Abschnitt bei der Wikipedia