Geodätisches Institut

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Hauptgebäude des Geodätischen Instituts

Das Gebäude des ehemalige Geodätischen Instituts befindet sich auf dem Telegrafenberg und ist Teil eines 1874 errichteten Wissenschaftsparks – der heute Wissenschaftspark Albert Einstein heißt.

Geschichte und Aufgaben

Das Königlich-Preußische Geodätische Institut wurde 1870 als Zentralbüro der Permanenten Kommission für die internationale Gradmessung in Berlin gegründet. Seit 1886 trug die Kommission die Bezeichnung Internationale Gradmessung. Das Zentralbüro sammelte jährlich die Tätigkeitsberichte der beteiligten Staaten und veröffentlichte sie in gemeinsamen Generalberichten. Zugleich hatte das Institut den preußischen Anteil an den internationalen Arbeiten zu leisten.

Eine weitere zentrale Aufgabe war die Erforschung der „höheren Geodäsie“, also jener Teilbereiche der Erdmessung, die sich mit der großräumigen Gestalt der Erde, ihren Bewegungen und ihrem Schwerefeld befassen.

Seit den 1860er Jahren nahmen die Aufgaben und die Zahl der Mitarbeiter kontinuierlich zu, sodass die angemieteten Räume in Berlin bald nicht mehr ausreichten. Nach dem Tod des Initiators und ersten Direktors des Zentralbüros und des Geodätischen Instituts, des preußischen Generalstabsoffiziers Johann Jakob Baeyer (1794–1885), setzte sich sein Nachfolger Friedrich Robert Helmert (1843–1917) für neue Arbeitsräume ein.

Im April 1892 bezog das Königlich-Preußische Geodätische Institut die neu errichteten Gebäude auf dem Potsdamer Telegrafenberg. Damit wurde das dort bereits bestehende Ensemble aus Astrophysikalischem, Meteorologischem und Magnetischem Observatorium um eine weitere bedeutende wissenschaftliche Einrichtung ergänzt.

Was ist Geodäsie?

Nach der klassischen Definition von F.R. Helmert ist die Geodäsie die „Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche". Sie umfasst die Bestimmung der geometrischen Gestalt der Erde, ihres Schwerefeldes und ihrer Orientierung im Weltraum, insbesondere der Erdrotation.

Traditionell wurde zwischen der höheren Geodäsie, die sich mit Erdmessung und Landesvermessung befasst, und der niederen Geodäsie, zu der vor allem die Katastervermessung gehört, unterschieden. Das Geodätische Institut widmete sich insbesondere der höheren Geodäsie und damit der großräumigen Vermessung und Erforschung der Erde.

Das Hauptgebäude

Das Hauptgebäude des Geodätischen Instituts, das heutige Helmert-Haus, wurde von 1889 bis 1892 errichtet. Architekt war der Oberbaudirektor Paul Emanuel Spieker, der die Klinkerbauten im klassizistischen Stil in einen englischen Landschaftsgarten integrierte.

Der breit gelagerte, ausgewogene Bau besitzt einen rechteckigen Grundriss, vier leicht erhöhte Eckrisalite und ein flaches, begehbares Dach. Die für den Telegrafenberg typischen farbigen Ziegel prägen die Gestaltung. Die beiden als Mittelrisalite vorgezogenen Eingangsportale liegen an den Schmalseiten des Gebäudes; die nach Norden gerichtete Hauptfassade besitzt keinen Eingang. Bis zum Boden reichende Arkadenfenster mit Doppelbögen und korinthischen Säulen verleihen der Schauseite Rhythmus und Repräsentativität.

Die besondere innere Konstruktion wurde durch die wissenschaftlichen Aufgaben des Instituts bestimmt. In den beiden fensterlosen Hauptsälen konnten Experimente unter möglichst genau kontrollierten Temperaturbedingungen durchgeführt werden. Die Wände besaßen ein System aus Ventilationsröhren und Hohlräumen; im Abstand von etwa einem halben Meter waren zusätzliche Blechwände vorgelagert. Die Luft im Zwischenraum konnte je nach Bedarf erwärmt werden. Acht obeliskartige Schornsteine auf dem Dach führten die Abluft ab.

Auch die Beleuchtung war auf die besonderen Anforderungen der Messungen abgestimmt. Die in Hohlräumen der Wände untergebrachten Gasleuchten sollten möglichst wenig Wärme erzeugen. Spiegel lenkten ihr Licht in die Räume. Zusätzlich gelangte über gläserne Fußböden der darüberliegenden Bibliotheks- und Sitzungssäle indirektes Licht in die Hauptsäle. Die Oberlichter dieser Räume waren in geschoßübergreifende Gewölbe eingebettet.

Der Sitzungssaal erhielt eine Eichenholzvertäfelung und wurde mit Büsten und Reliefs bedeutender Wissenschaftler ausgestattet. Neben weiteren Arbeitsräumen und mechanischen Werkstätten gab es Wohnungen für Angestellte und den Direktor.

Das mit einer farbig ornamentierten Kassettendecke ausgestattete Treppenhaus und Teile der Innenräume wurden bis 1999 restauriert.

Messanlagen und Observatorium

Neben dem Hauptgebäude entstand eine Reihe von Spezialanlagen für die geodätischen und astronomischen Messungen. Zwei in Nord-Süd-Richtung angeordnete Meridianhäuser und ein in Ost-West-Richtung ausgerichtetes Vertikalhaus bildeten gemeinsam mit dem astronomisch-geodätischen Beobachtungsturm das Observatorium für Winkelmessungen. Der Beobachtungsturm wird seit 1924 als Helmert-Turm bezeichnet.

Weitere Anlagen waren unter anderem das doppelwandige Erdbebenhaus, eine rund 240 Meter lange Versuchsmessbasis und das Uhrenhaus. In dessen Keller liefen mehrere Präzisionspendeluhren parallel, deren Ganggenauigkeit über Jahre kontrolliert und jede Abweichung erfasst wurde. Das Institut konnte damit auch die anderen Observatorien auf dem Telegrafenberg mit exakter Zeit versorgen.

Seit den 1930er Jahren wurden für die Zeitmessung Quarzuhren eingesetzt. Zusammen mit fünf seit Anfang der 1970er Jahre betriebenen Atomuhren bildeten sie als Zeitnormal die Grundlage für den offiziellen Zeitdienst der DDR.

Die Anlagen des Geodätischen Instituts bildeten damit ein außergewöhnlich komplexes wissenschaftliches Ensemble, in dem astronomische Beobachtung, Erdvermessung, Gravimetrie und hochpräzise Zeitmessung miteinander verbunden waren.

Geodäsie und Geophysik

Unter Friedrich Robert Helmert, der das Institut rund 30 Jahre leitete, wurden die Beziehungen zwischen Geodäsie und Geophysik zunehmend deutlich. Die Forschung zeigte, dass nicht nur die Oberfläche und das Schwerefeld der Erde, sondern auch die Orientierung des Erdkörpers im Raum räumlichen und zeitlichen Veränderungen unterliegen.

Die immer weiter verfeinerte geodätisch-astronomische Zeitbestimmung und die verbesserten Möglichkeiten der Zeitbewahrung schufen wichtige Voraussetzungen, um solche Veränderungen messen zu können. Helmert führte die Erdvermessung wissenschaftlich und organisatorisch enger mit der Geophysik zusammen. Potsdam entwickelte sich dadurch zu einem internationalen Zentrum der Geodäsie und wurde zeitweise als „Welthauptstadt der Geodäsie“ bezeichnet.

Vom Ersten Weltkrieg bis zur DDR

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 endete die Hochphase des Geodätischen Instituts. Bereits 1917 war Friedrich Robert Helmert gestorben. Mit ihm verlor das Institut seinen langjährigen Direktor und einen der international bedeutendsten Geodäten.

Die Versailler Verträge von 1919 untersagten deutschen Forschungseinrichtungen die Mitwirkung in internationalen wissenschaftlichen Vereinigungen. Auch das Zentralbüro der Internationalen Erdmessung, das am Geodätischen Institut angesiedelt war, wurde ins Ausland verlegt.

Eine erste Wiederaufnahme internationaler Zusammenarbeit erfolgte 1924 mit der Gründung der Baltischen Geodätischen Kommission. Die beteiligten Staaten, darunter die Weimarer Republik, wollten ihre Landesvermessungen an den Staatsgrenzen aufeinander abstimmen und ein gemeinsames Vermessungsnetz entlang der Ostseeküsten schaffen. Aufgrund der politischen Veränderungen nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Kommission ihre Arbeit einstellen.

1946 wurde das Geodätische Institut als eine der ersten Forschungseinrichtungen der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin angegliedert. 1969 ging es, kurz vor seinem 100-jährigen Gründungsjubiläum, als Bereich „Geodäsie und Gravimetrie“ im Zentralinstitut für Physik der Erde (ZIPE) auf.

Das ZIPE wurde nach der deutschen Wiedervereinigung zum 31. Dezember 1991 geschlossen. Am folgenden Tag wurde das GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) gegründet, das das wissenschaftliche Erbe des Geodätischen Instituts weiterführte und zugleich neue Forschungsschwerpunkte entwickelte.

Heutige Nutzung

Das ehemalige Hauptgebäude des Geodätischen Instituts gehört heute zum Wissenschaftspark Albert Einstein. Seit 1999 befindet sich dort ein Teil der Bibliothek des GFZ. In den ehemaligen, sechs Meter hohen Instrumentensaal an der Nordseite wurde eine mit einer Stahlkonstruktion ausgeführte Galerie für die Bibliotheksnutzung eingebaut.

Das ehemalige Geodätische Institut ist gemeinsam mit seinen historischen Messanlagen Teil des wissenschaftshistorisch bedeutenden Ensembles auf dem Telegrafenberg und steht unter Denkmalschutz.

Quellen

  • „Der Telegrafenberg in Potsdam“, DKV-Kunstführer Nr. 589/1, S. 24-25,
  • „Fokus: Erde - von der Erdvermessung zum System Erde", Herausgeber Helmholtz-Zentrum Potsdam, Deutsches GeoforschungsZentrum GFZ im Deutschen Kunstverlag, 2017, Seiten 55-60; ISBN 978-3-422-07395-1
  • Eintrag in der Denkmalschutzliste des Landes Brandenburg, Objekt-Nr. 09156548
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