Helmert-Turm
Der Helmert-Turm gehört zum ehemaligen Geodätischen Institut im Wissenschaftspark Albert Einstein auf dem Telegrafenberg. Die nordwestlich des Hauptgebäudes gelegene teilweise mit Wellblech verkleidete Gebäudegruppe entstand für die astronomisch-geodätischen Messungen. Der nach dem ersten Direktor des Instituts, Friedrich Robert Helmert (1843–1917), benannte Turm wurde 1893 als geodätisch-astronomischer Beobachtungsturm fertiggestellt.
Sein aus Backstein gemauertes Pfeilerfundament trug die Instrumente zur optischen Fernbeobachtung. Ursprünglich war der Turm 15 Meter hoch. Das Beobachtungsgeschoss mit seinen Fenstern und einem äußeren Umgang wurde von einer oben zugespitzten Drehkuppel abgeschlossen. Die Kuppel wurde 1920 abgetragen und durch ein Flachdach mit weit auskragender Schienenkonstruktion ersetzt, die eine horizontale Öffnung des Daches ermöglichte.
Eine Besonderheit ist die Ummantelung des Turms. Die doppelwandige Wellblechverkleidung diente der Klimaregelung und trug zugleich die Treppe zur Turmspitze. Sie berührte den eigentlichen Baukern nicht, um Erschütterungen und Schwingungen zu vermeiden, die die empfindlichen Messungen hätten beeinträchtigen können. Die ursprünglich vorhandene äußere Wellblechverkleidung fehlt heute; der Turm wartet auf seine Sanierung.
Der Helmert-Turm und das benachbarte Meridianhaus mit seinem spitzbogigen Tonnengewölbe und verschiebbaren Wellblechwänden dienten der mitteleuropäischen Gradmessung. Der Turm bildete den Nullpunkt der preußisch-deutschen Landesvermessung. Gemeinsam mit dem Instrumentenhaus und weiteren Messvorrichtungen war er Teil eines wissenschaftlichen Messsystems. Die 250 Meter lange, am Südrand des Geländes gelegene Meßbahn lieferte weitere für die trigonometrischen Berechnungen erforderliche Messpunkte. Einige taubenschlagartige Mirenhäuschen aus Wellblech dienten als Peilmarken für die Winkelmessungen.
Auch das später um ein Geschoss aufgestockte Instrumentenhaus gehört zu diesem Ensemble. Es besaß ursprünglich ein Flachdach mit massiven Zinnen, die sich an der Gestaltung der vorhandenen Türme orientierten. Erst später erhielt das Gebäude sein heutiges Satteldach.
Der Helmert-Turm ist nicht nur ein historisches Bauwerk, sondern selbst Teil der wissenschaftlichen Ausstattung des ehemaligen Geodätischen Instituts. Die Turmkonstruktion steht als wissenschaftsgeschichtliches Zeugnis auf der UNESCO-Welterbeliste.
Quellen
- „Der Telegrafenberg in Potsdam“, DKV-Kunstführer Nr. 589/1, S. 24-25,
- Helmertturm – Artikel in der Wikipedia