Juden in Potsdam
Wann sich die ersten Juden in Potsdam ansiedelten, ist nicht genau belegt. Der früheste Nachweis findet sich im Stadtbuch des Jahres 1691, in dem ein Schutzjude als Hauseigentümer erwähnt wird. Schutzjuden standen unter dem Schutz eines Landesherrn oder einer Stadt und hatten dafür Abgaben zu leisten. In der Folge siedelten sich weitere jüdische Bewohner in Potsdam an oder wurden gezielt angeworben.
Jüdische Gemeinde Potsdam - Anfänge bis 1740
Die Gründung der Jüdischen Gemeinde in Potsdam lässt sich auf etwa 1740 datieren, als zehn männliche Juden in der Residenz- und Garnisonstadt lebten. Jüdisches Leben ist jedoch bereits seit 1691 durch die Erwähnung eines jüdischen Kaufmanns belegt. Grundlage hierfür war das Aufnahmeedikt des Großen Kurfürsten vom 20. Mai 1671, das 50 aus Wien vertriebenen jüdischen Familien die Ansiedlung in der Mark Brandenburg und die Ausübung des Handels erlaubte.
Mit dem von König Friedrich Wilhelm I. erlassenen General-Judenreglement von 1730 konnten jüdische Unternehmer auch in Potsdam Manufakturen errichten, insbesondere im Textilgewerbe. Ziel war es, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu nutzen und zugleich die Zahl der ansässigen Juden zu begrenzen. Dennoch wuchs die Gemeinde durch den Zuzug von Händlern und Angestellten.
Gemeindeentwicklung im 18. Jahrhundert
Aus den Aufzeichnungen der damaligen Zeit ist zu schließen, dass es um 1740 mindestens zehn Juden in Potsdam gab, die Voraussetzung für die Gründung einer jüdischen Gemeinde. Im Jahr 1743 erhielten die Juden eine eigene Begräbnisstätte. Der Jüdischer Friedhof befand sich am Fuße des damaligen Eichberges, der seit dem als Judenberg (heute Pfingstberg) bezeichnet wurde.
Nach der Errichtung einer Seidenfabrik durch den Schutzjuden Hirsch David erhielt die Gemeinde 1760 mit Jechiel Michel ihren ersten Rabbiner. Er setzte sich für den Bau einer Mikwe und einer Synagoge ein. Bereits 1767 wurde eine Synagoge in zentraler Lage am heutigen Platz der Einheit errichtet, an der auch ein Kantor tätig war.
Die Bautätigkeiten sowie zusätzliche Abgaben führten zu einer erheblichen Verschuldung der Gemeinde. Mit ihrem weiteren Wachstum wurde ein größerer Synagogenbau erforderlich. Dieser entstand trotz schwieriger Bodenverhältnisse am selben Standort und wurde am 8. August 1802 eingeweiht.
Rechtliche Gleichstellung und Gemeindestruktur im 19. Jahrhundert
Mit dem preußischen Emanzipationsedikt vom 11. März 1812 erhielten Juden die Staatsbürgerrechte. Die inzwischen auf etwa 70 Familien angewachsene Gemeinde beteiligte sich am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben der Stadt.
Nach den Reformen im Zuge der Revolution von 1848 und dem Gesetz über die Verhältnisse der Juden vom 23. Juli 1847 konnte sich die Potsdamer Gemeinde als Synagogengemeinde mit eigener Rechtsfähigkeit konstituieren. In der Folge entwickelte sie ihre Strukturen weiter, insbesondere in den Bereichen Bildung, Wohlfahrt und Gottesdienst.
Zu der jüdischen Gemeinde, die 1850 die notwendigen Kooperationsrechte erhielt, gehörten auch die Juden aus Ahrensdorf (westlich Ludwigsfelde), aus Drewitz, aus Bornim, aus Ketzin und aus Werder (Havel). Später kamen noch die Juden aus Nowawes, dem heutigen Babelsberg hinzu.
Im Jahr 1895 zählte die Gemeinde 477 Mitglieder. Aufgrund baulicher Mängel wurde ein Synagogenneubau notwendig, der nach Plänen des Architekten Julius Otto Kerwien entstand und am 17. Juni 1903 eingeweiht wurde. Rabbiner Dr. Tobias Cohn, der von 1857 bis 1896 wirkte, prägte die Gemeinde nachhaltig.
Für das Jahr 1925 sind über 600 Gemeindemitglieder aufgezählt. Davon stammen 407 aus Potsdam, 126 aus Nowawes und die anderen aus den umliegenden Gemeinden.
Zeit des Nationalsozialismus 1933–1945
Unmittelbar nach der Machtübergabe an Hitler im Jahr 1933 begannen die Repressalien und Zwangsmaßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung. Es begann mit der Boykottierung jüdischer Geschäfte und Einrichtungen im selben Jahr. 1938 durften Juden keine kulturellen Einrichtungen mehr besuchen. Ein Jahr später wurde ein Gesetz erlassen, dass alle Juden den Zusatznamen Israel (Männer) bzw. Sarah (Frauen) tragen mussten. Im September 1941 wurde schließlich der sogenannte Judenstern eingeführt, den alle jüdischen Bürger sichtbar an der Kleidung tragen mussten. Die Potsdamer Juden wurden im Mai 1939 gezwungen, ihre Synagoge einschließlich des Grundstückes zu verkaufen.
All diese Maßnahmen veranlassten viele Juden Deutschland zu verlassen. So wurden im Jahr 1939 nur noch 175 Juden in Potsdam registriert. Der größte Teil der jüdischen Bevölkerung wurde jedoch deportiert. Sie wurden in Ghettos gepfercht oder in Konzentrationslager eingesperrt, um Zwangsarbeit auszuführen. Millionenfach wurden die Juden jedoch direkt in die Vernichtungslager verfrachtet, wie dem KZ Auschwitz-Birkenau. Die jüdische Bevölkerung von Potsdam wurde im jüdischen Altenheim in der Spitzweggasse 1 eingewiesen. Das Gebäude ist nicht mehr erhalten. Es erinnert nur noch ein Gedenkstein an dieses Drama. Im Januar 1942 wurden die letzten Potsdamer Juden nach Riga deportiert. Damit endete vorläufig die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Potsdam.
Neubeginn seit 1990
Seit 1990 entstand in Potsdam wieder jüdisches Gemeindeleben, vor allem durch Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion. Am 21. März 1991 wurde die Jüdische Gemeinde Land Brandenburg mit Sitz in Potsdam gegründet, die am 30. Oktober 1994 in den Zentralrat der Juden in Deutschland aufgenommen wurde.
Mittlerweile gibt es in Potsdam drei jüdische Gemeinden. Die Jüdische Gemeinde Potsdam (663 Mitglieder, Stand 2024/ ZWST), die Synagogengemeinde Potsdam sowie die Gemeinde Kehilat Israel. Die Vierte im Bunde, die Gemeinde Adass Israel, ist mit der Jüdischen Gemeinde Potsdam fusioniert.
Religiöse Bauwerke
Das erste Gemeindehaus befand sich in der Ebräerstraße. Ab 1763 ist ein Gemeindehaus in der Jägerstraße 18 erwähnt. Beide Häuser haben die Jahrhunderte nicht überstanden. Die erste Synagoge wurde 1767 am heutigen Platz der Einheit eingeweiht. Wegen des sumpfigen Untergrundes mussten jedoch alle Häuser dieses Bereiches im Jahr 1794 abgerissen werden. Der Neubau wurde 1802 eingeweiht. 100 Jahre später entstand durch Neubau eine Synagoge, die weitere 100 Jahre später als Alte Synagoge bezeichnet wird.
In der Pogromnacht des 9. Novembers 1938 wurde die Synagoge von den Faschisten geschändet und ausgeraubt. Das Haus wurde aber nicht in Brand gesetzt, da befürchtet wurde, dass die benachbarte Hauptpost ebenfalls in Brand geraten könnte. Die Synagoge wurde anschließend durch die Deutsche Post übernommen. Hier entstand ein Posthörsaal für den Gemeinschaftsempfang von Rundfunk- und Fernsehübertragungen. Das Haus und das Grundstück mussten im Folgejahr zwangsweise an die Post verkauft werden. Bei der Bombardierung in der Nacht von Potsdam am 14. April 1945 wurde die ehemalige Synagoge schwer beschädigt. Die Ruine wurde 1954 abgetragen und es entstand ein Wohnhaus. An der Fassade des Hauses erinnert eine Gedenktafel an den Vorgängerbau.
Am 11. Juli 2024 wurde der Neubau des Synagogen- und Gemeindezentrums Potsdam eingeweiht, der sich in der Schloßstraße 8, gegenüber dem Marstall, befindet.
Quellen
- Artikel in der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 07. November 2013
- „Potsdam-Lexikon, Stadtgeschichte von A bis Z“, Götzmann, Jutta; Wernicke, Thomas; Winkler, Kurt (Hrsg.); Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin, 2010, S. 219f; ISBN 978-3-942476-03-4.
- „Spurensuche auf dem Jüdischen Friedhof Potsdam“, Vereinigung für Jüdische Studien, Universitätsverlag Potsdam, 2016, S. 8-9, ISBN 978-3-86956-374-9
Weblinks
- Jüdische Gemeinde Potsdam - offizielle Webseite
- Gemeinde gesetzestreuer Juden - offizielle Webseite