Niederländer

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Die niederländische Prägung Potsdams begann unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1640–1688), der Potsdam zu seiner zweiten Residenz erhob. Friedrich Wilhelm hatte in den Niederlanden seine Bildung und geistige Prägung erhalten und heiratete 1646 Luise Henriette von Oranien. Nach dem Vorbild der hoch entwickelten niederländischen Bau- und Gartenkunst sollte die reizvolle landschaftliche Lage Potsdams genutzt und die Stadt entsprechend gestaltet werden.

Der Große Kurfürst ließ unter anderem das Stadtschloss und den Stadtgraben nach niederländischen Vorbildern ausbauen. Niederländische Landschaftsgestalter legten kilometerlange Alleen an, die von der Stadt in verschiedene Richtungen führten. Auch mit der Pflasterung der Straßen wurde begonnen. Neben französischen wurden niederländische Handwerker nach Potsdam geholt. Unter ihnen waren Tuch- und Damastmacher, Fayence- und Seidenfabrikanten.

Friedrich Wilhelm I. und die Niederlande

Der Enkel des Großen Kurfürsten, König Friedrich Wilhelm I. (1713–1740), griff die niederländische Orientierung erneut auf. Sie sollte nicht nur das Stadtbild prägen, sondern auch zur wirtschaftlichen Entwicklung Preußens beitragen.

In den Jahren 1731 und 1732 ließ der König südöstlich von Potsdam das Jagdschloss Stern errichten. Es entstand als Mittelpunkt eines groß angelegten Jagdsterns in einem damals ausgedehnten Waldgebiet. Das kleine Schlösschen wurde nach dem Vorbild eines niederländischen Bürgerhauses aus roten Backsteinen errichtet. Von hier aus veranstaltete der König häufig seine Treibjagden, wenn er im Potsdamer Stadtschloss wohnte. Wenige Jahre später wurde das Jagdschloss zum Vorbild für die Häuser des Holländischen Viertels.

Auch das Schloss Caputh wurde unter Friedrich Wilhelm I. nach niederländischen Vorbildern umgestaltet. In einem großen Souterrainraum mit Kreuzgewölbe ließ der König rund 7.500 blau-weiße holländische Fayencefliesen anbringen. Der sogenannte Fliesensaal gehört bis heute zu den besonderen Anziehungspunkten des Schlosses.

Mühlenbau und technisches Wissen

Auch der Mühlenbau wurde durch niederländisches Wissen und technische Erfahrungen beeinflusst. Die niederländischen Handwerker prägten im 18. Jahrhundert die Mühlentradition Potsdams und brachten technische Innovationen ein. Teilweise beteiligten sie sich auch finanziell als Teilhaber an den Anlagen.

Die hügelige Landschaft Potsdams bot gute Voraussetzungen für den Betrieb von Windmühlen. Bereits 1737 wurde mit dem Bau einer Bockwindmühle begonnen. Damit entstand der Mühlenstandort der heutigen Historischen Mühle sechs Jahre vor dem Bau von Schloss Sanssouci.

Friedrich Wilhelm I. förderte den Mühlenbau und warb dafür Fachkräfte aus den Niederlanden an. Mühlen waren im 18. Jahrhundert hoch entwickelte technische Anlagen, in denen natürliche Kräfte zur Verarbeitung unterschiedlichster Rohstoffe genutzt wurden. Mehr als 180 Nutzungsarten sind bekannt. Neben Getreide wurden unter anderem Öl, Holz und Stoffe verarbeitet. Entsprechend vielfältig waren die Tätigkeiten der Mahl-, Öl-, Säge-, Schleif- und Walkmüller.

Im Laufe der Zeit entstanden im Potsdamer Stadtgebiet bis zu 48 Mühlen, unter anderem am Kiewitt, am Mühlenberg, vor dem Berliner Tor und auf dem Babelsberg. Das niederländische Fachwissen trug damit nicht nur zur Gestaltung des Stadtbildes, sondern auch zur technischen und wirtschaftlichen Entwicklung Potsdams bei.

Das Holländische Viertel

Mit dem Aufbau der Potsdamer Neustadt ab 1721 setzte Friedrich Wilhelm I. neben einheimischen Handwerkern und Soldaten auch ausländische Spezialisten ein. Dazu gehörten Nachkommen der 1685 aus Frankreich vertriebenen Hugenotten, aber auch Handwerker aus den Niederlanden.

Als der König 1732 in die Niederlande reiste, war die Erweiterung der Potsdamer Neustadt nach Norden bereits geplant. Ein Ziel der Reise war es, niederländische Bauhandwerker für die Arbeiten in Potsdam zu gewinnen. Sie galten als erfahren im Bauen auf schwierigem Baugrund.

Um die Handwerker zum Umzug nach Brandenburg zu bewegen, gewährte ihnen der König verschiedene Privilegien. Dazu gehörten finanzielle Unterstützung für die Reise, Schutz und Unterkunft auf dem Weg nach Potsdam, feste Einkünfte sowie eine kostenlose Unterkunft am neuen Arbeitsort. Im Nordosten der Neustadt sollte außerdem ein eigenes Stadtviertel in niederländischer Ziegelbauweise entstehen, das vor allem für Handwerker und Künstler aus den Niederlanden vorgesehen war.

Tatsächlich konnte Friedrich Wilhelm I. in Amsterdam eine Gruppe niederländischer Handwerker für Potsdam gewinnen. Eine im Brandenburgischen Landeshauptarchiv überlieferte Akte vom 27. Oktober 1732 nennt die eingetroffenen Zimmermeister Antonius de Ridder, Adrianus den Ouden und Johann Bouman sowie den Maurermeister Huybrecht Keetel mit ihren Familien.

Nach Plänen von Johann Gottfried von Berger und Pierre de Gayette begann um 1735 unter der Leitung von Jan Bouman der Bau der holländischen Häuser. Der schwierige Baugrund erforderte teilweise eine Befestigung mit Eichenpfählen. Zunächst entstand ein Straßenzug an der Ostseite der heutigen Friedrich-Ebert-Straße mit dem angrenzenden südwestlichen Karree.

Die Häuser an der Südwestseite der Mittelstraße wurden weitgehend als dreiachsige Giebelhäuser ausgeführt. Die später entstandenen drei weiteren Karrees weisen eine größere Vielfalt mit drei- bis siebenachsigen Giebel- und Traufenhäusern auf.

Als Anerkennung für die bereits nach Potsdam gezogenen Handwerker und als Anreiz für weitere Zuwanderer erließ Friedrich Wilhelm I. am 19. März 1738 das „Privilegium von denen aus Holland nach Potsdam gezogenen und wohnenden Handwerkern“. Es sicherte ihnen unter anderem ein eigenes Haus, Befreiung von der Einquartierung, Gewissensfreiheit und regelmäßige Arbeitsaufträge zu.

Die erhoffte Zahl niederländischer Zuwanderer wurde dennoch nicht erreicht. Von den ersten 40 Häusern waren 18 mit niederländischen Handwerkern bewohnt. Als im September 1742 alle 134 Häuser des Viertels fertiggestellt waren, lebten nur in 22 Häusern niederländische Familien. Viele der übrigen Häuser wurden jedoch ebenfalls von ausländischen Handwerker- und Künstlerfamilien bewohnt.

Spuren im Potsdamer Stadtbild

Das historische Potsdam wurde insbesondere unter Friedrich II. (1740–1786) nach französischen Vorstellungen weiterentwickelt und geprägt. Dabei griff die Stadtgestaltung jedoch auf grundlegende Strukturen zurück, die bereits unter dem Großen Kurfürsten im Zeichen niederländischer Stadt- und Landschaftskultur entstanden waren.

Die niederländische Prägung beschränkte sich daher nicht auf die Backsteinhäuser des Holländischen Viertels. Ende der 1920er Jahre bemerkte auch der Schriftsteller Georg Hermann in seinem Buch „Spaziergang in Potsdam" (1929) die besondere niederländische Note der Stadt. Er sah sie vor allem in der Verbindung von Architektur, Wasser und Bäumen und in deren Zusammenspiel.

Trotz der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und der Vernachlässigung in den folgenden Jahrzehnten ist diese besondere Prägung Potsdams bis heute erkennbar. Sanierungen und Rekonstruktionen seit 1990 haben dazu beigetragen, zahlreiche Elemente der niederländisch beeinflussten Stadt- und Baukultur zu bewahren.

Quellen

„Internationale Impulse für Potsdam – Zur Rolle der Zugewanderten für die Entwicklung Potsdams", Landeshauptstadt Potsdam, Der Oberbürgermeister; 4. Auflage 2016, Autor Prof. Dr. Ulrich Schmelz, S. 12-14

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