Optische Telegrafie

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Verlauf der Königlich Preußischen Optischen Telegraphenlinie

Die Notwendigkeit des Baus  einer optischen Telegrafenlinie, die von Berlin über Potsdam, Brandenburg, Magdeburg, Köln nach Koblenz ging, ergab sich durch die beim Wiener Kongress 1815 Preußen zugesprochenen Gebiete der Rheinprovinzen. Es musste eine Möglichkeit von schnellem Informationsaustausch geschaffen werden, Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) verhielt sich zunächst etwas zögerlich, bis dann während der französischen Revolution 1830, sich die Unruhen auf die preußische Rheinprovinz ausbreiteten. Dann war Eile geboten, die optische Übertragungsmethode war noch nicht in allen Einzelheiten entwickelt, dass dann mit dem Allerhöchsten Königlichen Befehl ab 21. Juli 1832 viele Aufgaben gleichzeitig erfüllt werden mussten. Verantwortlich war der Große Generalstab, dann auch für den Betrieb bis kurz vor Ende der optisch übertragenen Nachrichten. Es war also eine militärische Einrichtung, die Telegrafisten alle ausgediente Militärs mit Versorgungsberechtigung. Bis Weihnachten 1832 war die Strecke von Berlin bis Magdeburg mit 14 Stationen zum Einüben der Telegrafisten schon betriebsbereit. Bis 11. September 1833 war Verbindung von Berlin bis Magdeburg endgültig hergestellt, und die Berichte über die bei Magdeburg stattgefundenen militärischen Manöver konnten tageweise schnell nach Berlin übermittelt und in der Allgemeine Preußische Staats-Zeitung veröffentlicht werden. Die erste Depesche aus Koblenz stammt dann vom 10. Juli 1834. Sie informierte über die Reise der englischen Königin, dass sie ‚im erwünschten Wohlsein angekommen sei.

Es waren vorwiegend amtliche Nachrichten, die ‚übermacht‘ wurden, unterteilt nach Dringlichkeit: citissimo = besonders eilig, cito = eilig und normal. Unsere Kenntnisse über den Inhalt der telegrafischen Depesche sind begrenzt, denn die Unterlagen waren im Heeresarchiv am Potsdamer Brauhausberg gelagert, das beim Bombenangriff im April 1945 weitestgehend abbrannte. Nach jetziger Kenntnis wurden mittels der optischen Telegrafie Nachrichtungen mit unterschiedlichstem Inhalt weitergegeben (Auswahl):

  • Durchgabe der Berliner Uhrzeit, denn es galt auf der gesamten Linie die Berliner Zeit, nach Vorankündigung wurde pünktlich 13.00 Uhr mit einem Indikator gewunken,
  • Nachrichten von der preußischen Auslandsvertretung in Paris zusammengestellte,
  • militärische Befehle,
  • Maßnahmen gegen politische Gegner,
  • Selbstdarstellungen höchster Stellen und Personen,
  • Wegfall der Moststeuer in der Rheinprovinz,
  • Sieg der preußischen Truppen 1848 in Dänemark, allerdings zunächst auf der privat eingerichteten Telegrafenlinie von Hamburg nach Bremen,
  • Berichte über erfolgreichen Verlauf von militärischen Manövern,
  • Militärische und politische Entwicklungen im Ausland,
  • telegrafische Depeschen aus ausländischen Zeitungen,
  • Kurznachrichten aus ausländischen Zeitungen in Übersetzung,
  • Börsenmeldungen, die dann mitunter sogar veröffentlicht wurden, was zunächst kategorisch abgelehnt worden war,
  • Einmischung in einen kircheninternen Streit in Magdeburg 1840,
  • Ausweisung eines apostolischen Vicarius aus Preußen, durch Allerhöchsten Befehl verfügt 1840,
  • Sonderfall eine staatlich lanzierte Falschmeldung am 17.März 1848 ins Rheinland, dass in Berlin alles ruhig sei, und dann brach dort wie vorausgesagt die Revolution aus.

Die optische Telegrafie ermöglichte in Preußen schon mitunter erstaunlich schnelle Übertragungszeiten von 1½ Stunden von Berlin nach Köln, aber nur bei Tageslicht, und am Tage auch nur bei guter Sicht. Meist dauerte es aber viel länger.

In Kenntnis von den Nachteilen der optischen Telegrafie war das Streben nach einer neuen Methode der Telekommunikation weit verbreitet. Preußen war dabei in vorderster Linie aktiv und darunter auch der Telegrafendirektor der Königlich Preußischen Optischen Telegraphenlinie Franz August O’Etzel (1783-1851). Dieser zeigte schon 1840 dem gerade inthronisierten Friedrich Wilhelm IV. im Park Sanssouci seinen elektromagnetischen Telegrafen. So konnte die Strecke von Berlin bis Potsdam schon 1846 mit Drahtverbindungen entlang der Eisenbahntrasse elektromagnetisch verbunden werden, 1849 dann auch nach Westen bis Aachen. Die Verbindung von Köln bis Koblenz wurde erst 1852 hergestellt und das Ende der optischen Telegrafie in Preußen besiegelt.

Übertragungsmethode

Grundprinzip der Signalanlage eines preußischen optischen Telegrafen

Vermutlich aus politischen Gründen entschied sich der preußischen Große Generalstab, nicht das seit Ende des 18. Jahrhunderts bewährte französische System der optischen Telegrafie zu übernehmen sondern ein eigenes zu entwickeln. So eigen war es dann doch nicht, denn das Prinzip des gerade vom britischen Marineoffizier Barnard L. Watson (1827) für den Schiffsnachrichtendienst bei Liverpool entwickelten Signalapparat hatte der Konstrukteur Oberpostrat Karl Philipp Heinrich Pistor (1778-1847) in seiner Berliner Privatfirma in etwas verkleinerter Form übernommen, aber die Signalindizierung von 999 auf 4096 Möglichkeiten erweitert. Die Herstellung der Einzelteile der Signalanlage erfolgte für alle Stationen in der Berliner Maschinenfabrik Freund. Als Beispiel wird ein Nachbau auf dem Potsdamer Telegrafenberg zur Besichtigung empfohlen.

Signale für das Alphabet, alles einfache Zahlzeichen
Signale in Form von einfachen und kombinierten Zahlzeichen

Die preußische Signalanlage bestand aus einem mindestens 20 Fuß (6,3 m) langen, vertikal stehenden Mast mit in drei Ebenen angebrachten Flügelpaaren (Indikatoren), die jeweils in 45° Intervallen verstellt werden konnten. Pro Ebene waren jeweils 16 Stellungen möglich, insgesamt waren es 4096 Signalstellungen. Nach einem Wörterbuch, das ganze Sätze, oder Wörter oder Silben oder Buchstaben enthielt, waren die einzelnen Stellungen durch einfache oder kombinierte Zahlzeichen beschrieben, die als Chiffre telegrafiert und beim Empfänger dechiffriert wurden. Die amtierenden Telegrafisten kannten den Inhalt der Depeschen nicht.

Die Stationen lagen in sehr unterschiedlichem Abstand von 1 bis 15 km, im Mittel etwa 9,5 km, und waren jeweils mit einem Obertelegrafisten und einem Unter-Telegrafisten besetzt. Der Obertelegrafist beobachtete durch ein fest installiertes Fernglas den Nachbartelegrafen und sagte die Signale weiter, die der Untertelegrafist über eine Kurbel an die Signalflügel übertrug. Jedes ‚übermachte‘ Signal musste in einem Journal zusammen mit der Uhrzeit (Berliner Zeit) protokolliert werden, um Fehlweitergaben nachträglich zu lokalisieren.

Zum Telegrafen-Corps gehörten etwa 170 Personen, je Station ein Ober- und ein Untertelegrafist, als Verantwortliche für mehrere Station ein Inspektor und darüber noch drei Ober-Inspektoren und über allen der Telegrafendirektor. Anstellungen als Telegrafist waren begehrt, in Zeitungen wurde bald darauf verwiesen, dass Bewerbungen nicht mehr angenommen werden, weil die Stellen vergeben sind und schon genügend Bewerber auf Warteliste vermerkt sind. Mit dem Ende der optischen Telegrafie gab es beachtliche Anstrengungen, den nun arbeitslosen Telegrafisten andere Arbeitsstellen (meist bei der Post) zu vermitteln, denn in die elektromagnetische Telegrafie konnten nur die übernommen werden, die einen Orthografietest bestanden und das waren nicht alle. Häme gab es auch, die modernen Telegrafisten sprachen verächtlich von den Optikern, die bei der optischen Telegrafie gearbeitet hatten.

Quellen

  • Paech, H.-J. (2012): Das Potsdamer Telegraphenberg-Brauhausberg-Gebiet und seine Umgebung aus historischer Sicht. – In: Menning, M. & A. Hendrich (Ed.): Die preußische Telegraphenlinie Berlin – Koblenz und zur Geschichte und Geologie des Potsdamer Telegraphenbergs und seiner Umgebung. S. 100 – 181
  • Autorenkollektiv (2022): Auf den Spuren der optischen Telegraphie im Land Brandenburg, IG Optische Telegraphie, 121 Seiten z.B. L. Grunwaldt und H.-J. Paech, Station Nr. 4 Potsdam, Seiten 53-57, ISBN 978-3-943463-20-0
  • Paech, H.-J., Dietrich, R., Grunwaldt, L., Lachmann, A., Scheller, M. & Möser, M. (2017): Neue Erkenntnisse zu den Stationen 3 und 4 der preußischen optischen Telegraphenlinie (1832-1849). -- Mitteilungen des Vereins für Kultur und Geschichte Potsdams, Studiengemeinschaft Sanssouci e.V. 22. Jahrgang, S. 30-48
  • Dietrich, R., Paech, H.-J., Scheller, M. & Möser, M. (2018): Wo stand der optische Telegraph auf dem Telegraphenberg in Potsdam: Eine geodätische Ortsbestimmung anhand historischer Daten. – Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement (zfv),143. Jg., H. 2, 2018, S. 121-124. DOI: 10.12902/zfv-0194-2017
  • Paech, H.-J., Grunwaldt. L. & Schwarz, A. (2021): Optische Telegrafie: Übertragungsmodalitäten und Inhalt der Depeschen. – 109 Seiten, 20 Abb., 599 Fußnoten. Link: https://opus4.kobv.de/opus4-slbp/frontdoor/index/index/docId/16450
  • Paech, H.-J., Grunwaldt, L. & Schwarz, A.† (2024): Der facettenreiche Lebensweg des Direktors der Königlich-Preußischen Optischen Telegraphenlinie Franz August O’Etzel/ von Etzel (1783-1850). – 50 Seiten, 24 Abbildungen, diverse Literatur, 113 Fußnoten. Link: https://opus4.kobv.de/opus4-slbp/frontdoor/index/index/docId/17657

Internet

  • www.optischertelegraph4.de
  • www.optische-telegraphie-news.de
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Preußischer_optischer_Telegraf
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