Schweizer in Potsdam

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Die ersten Schweizer Siedler kamen Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Kanton Bern nach Potsdam. Unter Friedrich Wilhelm I. folgte eine weitere Einwanderungswelle: Der König holte Fachkräfte für Manufakturen und Handwerksbetriebe in die Stadt, die unter anderem die Versorgung der Armee unterstützten.

Ansiedlung im Golmer Bruch

Im Dezember 1683 bat der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm den Berner Magistrat, 10 bis 20 Familien nach Brandenburg zu schicken, die Erfahrung in der Viehzucht hatten. Als Anreiz stellte er Privilegien und unter anderem ein Haus mit Hof in Aussicht. Der Berner Rat empfahl daraufhin Familien mit gutem Ruf und Kenntnissen in Viehzucht, Landwirtschaft sowie bei der Entwässerung und Bewirtschaftung feuchter Böden.

Nach Prüfung der Bedingungen durch eine Berner Kommission unter Leitung des Stadtarztes Dr. Albrecht Bauernkönig wurde am 24. November 1684 ein Vertrag geschlossen. Ende April 1685 machten sich zunächst 14 Familien mit etwa 100 Personen auf den Weg. Die Reise führte auf dem Wasserweg über Rhein, Nordsee, Elbe und Havel und dauerte sieben Wochen. Am 18. Juni 1685 erreichten die Siedler das Golmer Bruch westlich von Potsdam.

Weitere Familien folgten. Da die feuchten und hochwassergefährdeten Flächen nicht für alle ausreichten, wurden 16 Familien auf mehrere Orte verteilt: sechs Familien blieben in Golm, weitere siedelten in Neu Töplitz und Nattwerder. In Nattwerder entstand eine eigene Schweizer Kirche.

Die Siedler verbesserten die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen und trugen zur Versorgung Potsdams mit Milch und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen bei. Die Lebensbedingungen blieben jedoch schwierig. Nach dem Tod des Großen Kurfürsten 1688 wurden die zugesicherten Privilegien zunehmend eingeschränkt. Die Siedlung bestand dennoch unter Friedrich I. bis über 1700 hinaus und diente als Vorbild für weitere Ansiedlungen.

Zu den Familiennamen, die sich in Potsdam nachweisen lassen, gehören Durtschi, Garmatter, Schweingruber, Hodler und Kiener. In Nattwerder ist der Familienname Mauerhof bis heute überliefert.

Fabrikanten und Handwerker

Unter Friedrich Wilhelm I. kamen weitere Schweizer nach Potsdam. Der König warb gezielt um erfahrene Fachkräfte, um die neu angelegte Neustadt zu besiedeln und zugleich die heimische Produktion für die Armee auszubauen. Gefragt waren unter anderem Hersteller von Tuchen, Bändern und Tabakwaren.

So erhielt Samuel Schock 1738 die Häuser Nr. 27 und 28 in der heutigen Hermann-Elflein-Straße für die Einrichtung einer Schnupftabakfabrik. Auch Bandmacher waren in Potsdam tätig. Ein Bericht vom 9. Januar 1740 nennt Johann Holler, Jacob Gansly, die Witwe Schärstirn, die Witwe Abraham Gansly und Christian Lowe mit insgesamt zehn Bandwebstühlen. Hergestellt wurden unter anderem Bänder für die Kleidung der Soldaten sowie seidene Borten für Perücken.

Ebenfalls 1738 kam der Damast- und Samtmanufakturist David Wallon mit sieben Personen aus Basel nach Potsdam. Er brachte Maschinen, Einrichtung, Seide und eigenes Kapital mit und gründete eine Seidenmanufaktur. Für Reise und Einrichtung der Werkstatt beantragte er eine Unterstützung von 220 Reichstalern.

In den 1730er Jahren lebten bereits mehrere Dutzend Schweizer Fabrikanten und Handwerker in Potsdam. Zu den bedeutenderen Betrieben gehörten die Weberei der Familie Gansly und die Tabakfabrik von Schock.

Spuren der Einwanderung

Die Ansiedlung im Golmer Bruch und in Nattwerder sowie die späteren Manufakturen und Handwerksbetriebe prägten die wirtschaftliche Entwicklung Potsdams. Während die Kolonisten zur landwirtschaftlichen Erschließung beitrugen, brachten die im 18. Jahrhundert angeworbenen Fachkräfte Kenntnisse und Techniken für das produzierende Gewerbe mit.

Quellen

„Internationale Impulse für Potsdam – Zur Rolle der Zugewanderten für die Entwicklung Potsdams", Landeshauptstadt Potsdam, Der Oberbürgermeister; 4. Auflage 2016, Autor Prof. Dr. Ulrich Schmelz, S. 16-18

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