Brauhausberg (Gebäudekomplex)
Der Gebäudekomplex des ehemaligen Reichsarchivs befindet sich in der Templiner Vorstadt von Potsdam, auf dem Brauhausberg, Am Havelblick 8. Der festungsartig wirkende Bau aus rotem Klinker ist weithin sichtbar. Ursprünglich als Königlich-Preußische Kriegsschule errichtet, beherbergte er später das Reichsarchiv und das Heeresarchiv. Zu DDR-Zeiten war er Sitz der Bezirksleitung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und wurde im Volksmund deshalb Kreml genannt. Von 1990 bis 2013 diente das Gebäude als Sitz des Brandenburger Landtages. Nach einer zwischenzeitlichen Nutzung als Flüchtlingsunterkunft gibt es seit 2025 Pläne, auf dem Gelände einen Universitätscampus zu errichten.
Gebäude
Der rote Klinkerbau auf dem Brauhausberg wurde zwischen 1899 und 1902 nach Plänen des Architekten Franz Schwechten im Auftrag Kaiser Wilhelms II. als eine Kriegsschule errichtet, welche als „Reichskriegsschule“ bekannt wurde. Der Gebäudekomplex ist dem Stil des Eklektizismus zuzuordnen und verbindet Renaissance-Motive mit Elementen der englischen Cottage-Bauweise – ähnlich wie beim Schloß Cecilienhof. Das Obergeschoss ist teilweise als Fachwerkbau ausgeführt. Die architektonische Gestaltung erfolgte nach den Vorgaben des Kaisers. Als Vorbild für den Haupteingang diente die Porta Palio in Verona.
Eine weithin sichtbare Landmarke bildete der ursprünglich 64 Meter hohe, neogotische Turm mit Fachwerkaufsatz, Erkern, Umgang und aufwendig gestaltetem Dach. Auf Anordnung des nationalsozialistischen Potsdamer Oberbürgermeisters Hans Friedrichs wurde er 1936 um 14 Meter auf 50 Meter gekürzt. Das kunstvolle Dach mit Kreuz- und Glockendach wich einem schlichten Zeltdach. Die Architektur galt den Verantwortlichen als nicht mehr zeitgemäß.
Zu den technischen Besonderheiten des Gebäudes gehört die Niederdruckdampfheizung, die seit 1902 nahezu unverändert in Betrieb ist. Die Raumtemperatur lässt sich in der Regel nur durch das Öffnen der Fenster regulieren.
Der Gebäudekomplex steht unter Denkmalschutz. Bis 2023 galt dieser nach den vorliegenden Angaben lediglich für die straßenseitige Fassade des Hauptgebäudes.
Preußische Kriegsschule (1902–1919)
Eine Kriegsschule bestand in Potsdam bereits seit 1859. Sie war gemeinsam mit einer weiteren Einrichtung in Erfurt gegründet worden und befand sich zunächst in der Waisenstraße, der heutigen Dortustraße. Gründungsdirektor war Friedrich von Stiehle.
Nach dreijähriger Bauzeit wurde der Neubau auf dem Brauhausberg 1902 eingeweiht. Der erste Lehrgang für Fähnriche begann am folgenden Tag. Die Einrichtung diente der militärischen Ausbildung von Offizieren der preußischen Armee im Deutschen Kaiserreich.
Während des Ersten Weltkriegs wurde die Kriegsschule als Bataillonssammelstelle genutzt. Nach dem Ende des Krieges wurde sie 1919 infolge der Bestimmungen des Versailler Vertrags aufgelöst.
Reichsarchiv (1919–1935)

Nach der Auflösung der Kriegsschule wurde beschlossen, in dem Gebäude künftig die zivilen und militärischen Akten des Deutschen Reiches zu verwalten. Noch 1919 zog das Reichsarchiv ein.
Zu seinen Aufgaben gehörten die Übernahme der Unterlagen des Heeres und der Kriegsgesellschaften aus dem Ersten Weltkrieg sowie die Erfassung archivwürdiger Akten der Reichsbehörden. Darüber hinaus erteilte es Auskünfte für Verwaltungs- und wissenschaftliche Zwecke und erforschte die Geschichte des Deutschen Reiches, insbesondere die des Ersten Weltkriegs.
Wegen der begrenzten Lagerungsmöglichkeiten wurden zunächst Außenstellen in der Stadt eingerichtet und auf dem Gelände Baracken aufgestellt. Zugleich entstand ein fester Anbau, der 1935 bezogen wurde. Im selben Jahr wurden die zivilen Archivbestände ausgelagert.
Heeresarchiv (1935–1945)
Nach der Auslagerung der zivilen Bestände wurde der Gebäudekomplex zum Standort des Heeresarchivs Potsdam. Ab 1936 war dieses eine selbstständige Behörde unter der Leitung von Friedrich von Rabenau. Ernst Zipfel blieb bis 1945 Leiter des Reichsarchivs, das seinen Dienstsitz weiterhin in Potsdam hatte.
Am 14. April 1945 wurden die Gebäude bei einem britischen Bombenangriff teilweise zerstört. Die dort gelagerten Akten waren bereits ab 1943 teilweise ausgelagert worden, wurden jedoch zum großen Teil vernichtet.
Nutzung von 1945 bis 1990
Nach Kriegsende kam es zwischen dem Rat der Stadt Potsdam und dem sowjetischen Militärkommandanten Oberst Andrej Werin zu Auseinandersetzungen über die Instandsetzung und künftige Nutzung der beschädigten Gebäude. Bis Juni 1948 nutzte die sowjetische Militäradministration den Komplex. Anschließend wurde er dem Land Brandenburg übergeben.
Zunächst zog die Abteilung Finanzen und Steuerwesen des Finanzministeriums ein. Der Landesverband Brandenburg der SED beanspruchte das Gebäude jedoch für seine eigene Verwaltung. 1949 wurde es Sitz der SED-Landesleitung Brandenburg und ging zugleich in das Eigentum der Partei über. Nach der Auflösung der Länder und der Bildung der DDR-Bezirke am 1. August 1952 nutzte die SED-Bezirksleitung Potsdam den Gebäudekomplex.
In den späten 1940er Jahren waren die Gebäude notdürftig instand gesetzt worden, da sie zunächst als Schule dienen sollten. Diese Nutzung wurde jedoch nicht verwirklicht. Durch weitere Anbauten in den 1950er Jahren entstand ein nahezu geschlossener Hofkomplex.
Wegen seiner roten Klinkerfassade und gewisser äußerlicher Ähnlichkeiten mit dem Moskauer Kreml wurde das Gebäude im Volksmund bald ebenfalls „Kreml“ genannt. Die Bezeichnung dürfte auch die verbreitete Vorstellung widergespiegelt haben, dass die SED die politischen Vorgaben aus der Sowjetunion möglichst unmittelbar umsetzte.
Mit dem Einzug der SED-Bezirksleitung wurden zuvor von der Partei genutzte Immobilien in der Hebbelstraße 49 sowie in der Friedrich-Ebert-Straße 37 und 67 an die Stadt Potsdam übergeben.
Landtagssitz (1990–2013)
Nach der deutschen Wiedervereinigung beschloss der 1990 gewählte Brandenburgische Landtag, seinen Sitz in der ehemaligen Kriegsschule einzurichten. Das Gebäude wurde mit erheblichem finanziellen Aufwand hergerichtet und am 25. September 1991 bezogen. Das SED-Parteivermögen ging im Zuge der Wiedervereinigung in das Eigentum des Landes Brandenburg über, damit auch die Immobilie auf dem Brauhausberg.
Das Gebäude entsprach jedoch auch mit den nach dem Zweiten Weltkrieg hinzugefügten Anbauten nicht vollständig den Anforderungen eines Landesparlaments. Hinzu kamen hohe Unterhaltungskosten und die ungünstige Lage. Es wurde daher von Beginn an als Provisorium betrachtet. Bereits 1995 wurden konkrete Forderungen nach einem Ersatzbau laut.
Am 22. November 2013 fand die letzte Landtagssitzung auf dem Brauhausberg statt. Seit Januar 2014 hat der Brandenburgische Landtag seinen Sitz im wiederaufgebauten Stadtschloss am Alten Markt.
Flüchtlingsunterkunft und Wohnungsbaupläne (2015–2024)
Nach dem Auszug des Landtags stand der Gebäudekomplex zunächst leer. Ursprünglich war vorgesehen, die Räume ab 2016 zu Wohnungen umzubauen. Im Zuge der Flüchtlingszuwanderung ab 2015 mietete die Stadt Potsdam das Gebäude jedoch an. Von Dezember 2015 bis September 2018 wurde es als Flüchtlingsunterkunft genutzt; zeitweise waren dort bis zu 414 Menschen untergebracht.
Anschließend wurden die Planungen für eine Wohnnutzung wieder aufgenommen. Ab dem zweiten Halbjahr 2019 sollte der ursprünglich für 2016 vorgesehene Umbau zu rund 200 Wohnungen beginnen. Die dafür veranschlagten Kosten lagen bei etwa zwei Millionen Euro.
Ein Berliner Investor erwarb das Grundstück und kündigte an, im vierten Quartal 2022 mit dem Umbau zu hochwertigen Wohnungen zu beginnen. Dabei sollte auch der Fachwerkturm rekonstruiert werden. Als geplanter Fertigstellungstermin wurde Ende 2026 genannt.
Planung eines Universitätscampus (seit 2025)
Im Juni 2025 wurde bekannt, dass die Hasso Plattner Foundation den Umbau des ehemaligen Kriegsschulgeländes zu einem Campus der Universität Potsdam finanzieren will. Neben der Umgestaltung des Bestandsgebäudes sind mehrere Erweiterungsbauten vorgesehen. Damit soll der Standort wieder einer akademischen Nutzung dienen.
Die Planungen sehen einen Campus für bis zu 6.000 Studierende der Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften vor. Zum Vorhaben gehören zahlreiche Neubauten und ein Studentenwohnheim. Eine Restaurierung des historischen Fachwerkturms ist nach den bislang bekannt gewordenen Plänen nicht vorgesehen.
Der Bebauungsplan soll bis 2027 fertiggestellt werden; die Umsetzung des Gesamtvorhabens ist bis 2035 geplant. Zur Abstimmung der weiteren Schritte gründeten die brandenburgische Landesregierung und die Hasso Plattner Foundation eine gemeinsame Taskforce.
Die Hasso-Plattner-Foundation (HPF) kauft im Oktober 2026 das ehemalige Landtagsgebäude auf dem Brauhausberg vom privaten Immobilienentwickler KW Development (KWD). Demnach übernimmt die Foundation das Grundstück mit Denkmalgebäude und führt den Campus als Bauherrin in eigener Verantwortung zur Fertigstellung.
Quellen
- 17 Etagen abtragen – PNN, am 10.1.2009; Belege zur möglichen Nachnutzung als Hotel
- Reichskriegsschule – Wikipedia, am 18.10.2015
- Asylsuchende in Potsdam – Flüchtlinge im „Kreml“ am Brauhausberg? – MAZ, u.a. zur SED-Bezirksleitung, am 14.9.2015 (abgerufen am: 8.12.2015)
- „Ein Raum, wo richtig Leben herrscht“ – Auftakt für Planungswerkstatt zum Uni-Campus Brauhausberg - MAZ vom 3.3.26 (abgerufen am 9.10.26)
- „Plattner-Stiftung kauft alten Landtag" - MAZ vom 5.10.2026 (abgerufen am 9.10.26)
- Hasse-Plattner-Foundation - Informationen über den zukünftigen Brauhausberg Campus auf der eigenen Webseite
