Weinbergterrassen

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Weinbergterrassen, 2016

Die ehemalige Gaststätte „Weinbergterrassen“ befand sich in der Gregor-Mendel-Straße 29, der Jägervorstadt von Potsdam, am Südhang des Mühlenbergs. Sie sind aus der um 1850 gegründeten Mühlenberggrotte (siehe unten) hervorgegangen. Das Gebäude war ein beliebtes Ausflugs- und besonders Tanzlokal und wurde 1988 geschlossen.

Geschichte

Die Geschichte von Gaststätten am Südhang des Mühlenberges reicht bis an das Ende des 18. Jahrhunderts zurück. Bereits 1818 wurde hier eine schon lange bestehende „nahrhafteste Tabagie“ zum Verkauf angeboten. Der neue Eigentümer führte den Betrieb erfolgreich weiter und suchte nach 30 Jahren im Jahre 1848 aus Krankheitsgründen einen Nachfolger.

Postkarte Mühlenberggrotte, 1915

Mitte der 1850er Jahre entstand weiter hangaufwärts unterhalb zweier Windmühlen ein zweigeschossiger Neubau mit Aussichtsturm unter der Adresse Augustastraße 13a, bzw. Nr.15 (jetzt Weinbergstraße). Über Treppen waren die Außenanlagen eines großen Gartens miteinander verbunden. Das Ausflugslokal erhielt nun den Namen „Mühlenberggrotte“, der wahrscheinlich auf die bereits Ende des 18. Jahrhunderts von dem Küchenmeister Lieder geprägte Bezeichnung „der Grotte“ (FIDICIN 1864) für seinen Weinberg am Mühlenberghang zurückging,

Die Mühlenberggrotte entwickelte sich zu einer bekannten Ausflugsadresse. Neben Tanzveranstaltungen, Chorübungen und Konzerten auch im Garten fanden hier unter anderem Treffen des Vereins für Schachfreunde statt. Gäste konnten sich durch Bereitstellung von kochendem Wasser dort Kaffee kochen. Das Haus hatte eine Kegelbahn und diente auch als Herberge. Es war wegen seiner Bedeutung auf mehreren topografischen Karten Potsdams verzeichnet. Auch ein Kriminalfall ist bekannt, 1866 hat eine Bande einem gutgläubigen Russen nach und nach 325 Taler beim Kartenspiel abgegaunert.

Eine besondere Bedeutung erlangte die Mühlenberggrotte als Treffpunkt politischer Organisationen. So wurde hier die Demonstration zum 1. Mai 1890 in Potsdam vorbereitet und beschlossen. 1928 ging das Haus zeitweise in Gewerkschaftseigentum über und wurde teilweise nur noch als „Bergrestaurant“ oder „Terrassenrestaurant“ bezeichnet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Lokal wieder unter dem Namen Mühlenberggrotte geführt. Insbesondere der große Saal ermöglichte größere politische Veranstaltungen. So veranstaltete beispielsweise die National-Demokratische Partei am 10. Juni 1949 eine Veranstaltung mit rund 300 Teilnehmern (SCHOLLWER 2018).

Nach einer Restaurierung eröffnete die Gaststätte zu Pfingsten 1955 unter dem neuen Namen „Weinbergterrassen“. Als Tanzgaststätte wurde sie zu einem beliebten Treffpunkt. Wegen der zahlreichen in der Umgebung stationierten Soldaten wurde sie im Volksmund auch „Pickel“ genannt – eine Anspielung auf die Sterne auf den Schulterstücken der Uniformen. Das Lokal zog dadurch auch viele weibliche Gäste an, die vielfach aus dem Potsdamer Umland kamen.

1988 wurde die Gaststätte geschlossen. Das Gebäude blieb ungenutzt und begann zu verfallen. 2011 wurden bereits Teile des historischen Gebäudes abgerissen.

Quellen

  • Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen 26.09.1818, S. 17.
  • Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen 03.09.1848, S. 22.
  • Berliner Gerichts-Zeitung 12.01.1867.
  • Artikel der Märkischen Allgemeinen Zeitung, Wochenendausgabe 30.04./01.05.2016.
  • Fidicin, E. (1864): Potsdams älteste Stadt-Urkunde. – Mitt. Vereins Geschichte Potsdams.-- Band 1, Beitrag XXXIII, 8 Seiten.
  • Schollwer, W., 2018, Nachdruck von 1988: Potsdamer Tagebuch 1948-1950, liberale Politik unter sowjetischer Besatzung in Biographische Quellen der deutschen Geschichte nach 1945, Band 6, S. 128.
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