Russen in Potsdam

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Die Russen kamen aus anderen Gründen nach Potsdam als viele der übrigen Einwanderergruppen. Sie waren nicht wegen religiöser Verfolgung oder aus wirtschaftlicher Not hierhergekommen, sondern gelangten vor allem durch militärische Bündnisse und Entscheidungen der preußischen und russischen Herrscher nach Potsdam.

Bereits Anfang des 18. Jahrhunderts hatte der russische Zar Peter der Große dem preußischen König Friedrich Wilhelm I. mehrere hundert russische Soldaten, darunter die sogenannten Langen Kerls, überlassen. Sie gehörten zu den besonders großen Soldaten, die der König für sein Potsdamer Regiment angeworben hatte.

Eine weitere Gruppe russischer Soldaten kam während der Napoleonischen Kriege nach Potsdam. Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon 1806 war das Land gezwungen, an Napoleons Russlandfeldzug von 1812 teilzunehmen. Dabei gerieten auch russische Soldaten in preußische Gefangenschaft. Nach einem gescheiterten Versuch eines Gefangenenaustauschs wurde im September 1812 eine Gruppe von ihnen, die aus Kurland stammte, nach Preußen gebracht.

König Friedrich Wilhelm III. ließ aus dieser Gefangenengruppe ein Sängerkorps von zunächst 21 Mann zusammenstellen. Es wurde dem 1. Garderegiment zu Fuß zugeordnet und sollte mit seinen Liedern bei Märschen die Stimmung der preußischen Soldaten heben.

Nach dem Scheitern des französischen Russlandfeldzugs änderte sich die politische Lage grundlegend. Am 28. Februar 1813 schlossen Friedrich Wilhelm III. und der russische Zar Alexander I. ein Bündnis gegen Napoleon. Die russischen Sänger blieben daraufhin in preußischen Diensten und nahmen an den Feldzügen von 1813 bis 1815 teil. Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege kehrten sie nach Potsdam zurück.

Da es zu dieser Zeit noch nicht genügend Kasernen gab, wurden die russischen Soldaten zunächst in Potsdamer Bürgerhäusern einquartiert. Durch die Kriegsjahre war die Zahl der Mitglieder des Sängerkorps zurückgegangen. Bei seinem Besuch in Berlin im November 1815 überließ Zar Alexander I. dem preußischen König weitere sieben russische Grenadiere, die das Korps verstärken sollten.

Als Alexander I. im Dezember 1825 überraschend starb, beschloss Friedrich Wilhelm III., die Erinnerung an die Freundschaft zwischen den beiden Herrschern durch eine russische Kolonie bei Potsdam zu bewahren. Die noch in Potsdam lebenden russischen Sänger sollten dort als Kolonisten angesiedelt werden. Von ihnen lebten 1826 noch zwölf in Potsdam.

Im selben Jahr begann vor dem Nauener Tor der Bau der Russischen Kolonie Alexandrowka. Die Anlage umfasste 14 Wohnhäuser mit Gärten und Wirtschaftsgebäuden sowie die Russische Kirche. Die zwölf Häuser für die russischen Sänger wurden nach russischen Vorbildern gestaltet. 1829 wurde die Kolonie mit der Einweihung der Russisch-Orthodoxen Alexander-Newski-Gedächtniskirche fertiggestellt.

Von den 14 Häusern erhielten zwölf die russischen Sänger. Ein weiteres diente einem deutschen „Unteroffizier des 1. Garde-Regiments für die Dauer dieses Verhältnisses" als Aufseherhaus, ein anderes wurde dem ehemaligen russischen Soldaten und königlichen Lakaien Tarnovskij überlassen, der als Kirchenältester tätig war.

Die Häuser der Sänger durften ursprünglich nur in direkter männlicher Linie vererbt werden. In den folgenden Jahrzehnten fielen daher viele Häuser an den preußischen König zurück und wurden an andere Bewohner vergeben. Nach etwa 100 Jahren lebten nur noch in vier Häusern direkte Nachkommen der ursprünglichen Sängerfamilien.

20. Jahrhundert - Zuwanderung und Spätaussiedler

Nach dem Ende der Sowjetunion kamen seit den 1990er-Jahren erneut Menschen aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion nach Potsdam. Dazu gehörten jüdische Zuwanderer sowie Russlanddeutsche und Spätaussiedler.

Die Aufnahme jüdischer Zuwanderer wurde nach der Wiedervereinigung von der Bundesrepublik fortgeführt. Grundlage war der Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz vom 9. Januar 1991. Damit sollte angesichts des zunehmenden Antisemitismus in der zerfallenden Sowjetunion humanitäre Hilfe geleistet und zugleich jüdisches Leben in Deutschland gestärkt werden. [1]

Russlanddeutsche und Spätaussiedler kamen aufgrund der besonderen historischen Verantwortung Deutschlands gegenüber den deutschen Volkszugehörigen in der Sowjetunion. Viele ihrer Familien waren während und nach dem Zweiten Weltkrieg deportiert, entrechtet oder anderen Benachteiligungen ausgesetzt worden. Mit der Anerkennung als Spätaussiedler konnten sie nach den gesetzlichen Bestimmungen die deutsche Rechtsstellung und die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten. [2]

Quellen

  1. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Aufnahmeverfahren jüdischer Zuwandernder aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion: [[1]]
  2. Bundeszentrale für politische Bildung, Geschichte der Russlanddeutschen ab Mitte der 1980er Jahre: [[2]]

„Internationale Impulse für Potsdam – Zur Rolle der Zugewanderten für die Entwicklung Potsdams", Landeshauptstadt Potsdam, Der Oberbürgermeister; 4. Auflage 2016, Autor Prof. Dr. Ulrich Schmelz, S. 30

„Ankommen in Potsdam – Integration als Teil der Stadtgeschichte", Thomas Sander, Arichtrav Potsdam, Projekt im Rahmen des Themenjahres von Kulturland Brandenburg 2018 „wir erben. Europa in Brandenburg – Brandenburg in Europa"

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