Chausseehäuser


Mit Regierungsantritt erkannte Friedrich Wilhelm II. 1786 sofort den Nachholbedarf im preußischen Fernstraßenbau und lobte einen Wettbewerb dazu aus, von dem Potsdam noch nicht profitierte. Dann stellte der König seinen gerade in Gründung befindlichen Neuen Garten 1790 für ein Probestück einer Kunststraße zur Verfügung. Die Anlage dieser Fernverbindungen war kostspielig und auch deren Unterhalt mit Kosten verbunden. Um die dazu nötigen Finanzmittel von den Nutzern der Straßen einzuziehen, war schon bei der Planung der Bau von sogenannten Chausseegeldhebestellen (kurz Chausseehäusern) vorgesehen. Hier wohnten die Einnehmer der Straßennutzungsgebühr mit ihrer Familie. Diese Aufgabe wurde nicht von Staatsbeamten durchgeführt, sondern man konnte sich in öffentlichen Ausschreibungen um die auf maximal 6 Jahre ausgelegten Stellen bewerben, musste aber bis 1000 Taler in bar am Zuschlagstag hinterlegen. Die Höhe der Nutzungsgebühr setzten aber staatliche Stellen fest. Neben den Chausseehäusern mussten auch noch Chausseewarten errichtet werden, in denen die für den verkehrstechnischen Unterhalt der Straßendecken verantwortlichen Personen ihr Domizil hatten.

In Potsdam und Umgebung entstanden auch entsprechende Gebäude. Sie waren nicht einheitlich gebaut, haben aber meist einen mittigen Vorbau, um ständige Einsicht in den Verkehrsraum zu haben. Von hier aus konnte auch der Schlagbaum per Seil bedient werden.

Die erste Periode des preußischen Kunststraßenbaus begann mit Vorbereitungen um 1789 und endete abrupt mit dem Einmarsch der französischen Besatzungstruppen im Jahre 1806. Das erste Einnehmerhaus (1) aus der ersten Periode stand an der nach 5 Jahren Bauzeit 1794 eröffneten, als Musterbau gedachten Kunststraße von Potsdam nach Berlin gleich hinter der Glienicker Brücke, ist aber mit dem Bau des Glienicker Schlosses bald wieder entfernt worden. Ein besonders schönes, um 1803 erbautes Chausseehaus bei Tornow (2) ist am Nordende der Michendorfer Chaussee noch erhalten. Es zeichnet sich durch einen äußerst dekorativen Ornamentfries aus, der durch die darin einbezogenen Palmetten auf Beteiligung von Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) als Architekt hinweist. Das Gebäude (3) von 1804 (jetzt Zeppelinstr.111) an der Kunststraße nach Magdeburg nahe der Pirschheide ist stark umgebaut und hinter einer hohen Hecke als Schutz gegen den Verkehrslärm kaum sichtbar.

Dagegen ist das Chausseehaus in Neu-Geltow (4) (jetzt Hauffstr.92) aus der gleichen Zeit und an derselben Kunststraße gelegen, unübersehbar. Zudem zeigt sich seine Bedeutung für den Straßenraum auch darin, dass es – an einem geraden Streckenabschnitt stehend – eine Grenze zwischen zwei Straßen bildet, nämlich die Chausseestraße zur Hauffstraße, jede natürlich mit einer eigenen Hausnummerierung.

Mit Regierungsantritt von Friedrich Wilhelm IV. wurde der Chausseebau wieder intensiviert. Die Straße nach Nauen erhielt am Heineberg nordwestlich von Bornim 1842 ein Chausseehaus (5). Die Fernverbindung nach Spandau hing vom Bau einer stabilen Brücke bei Nedlitz anstelle der Fähre bzw. privat gebauten, störanfälligen Holzkonstruktion ab. Als eine den Verkehrsanforderungen genügende Brücke nach Entwürfen von Persius fertiggestellt war, konnte die Chaussee auf einem Damm gegründet und ein Chausseehaus (6) randständig um 1850 erbaut werden. Eine Straße nach Trebbin von nur lokalerer Bedeutung bekam noch später, im Jahre 1864, in Drewitz (7) jetzt Trebbiner Straße 63 ein Chausseehaus, nur wenige Jahre vor der generellen Einstellung des Einzugs von Chausseegeldern.
Quellen
- Ambrosius, S. & Horn, G. (2006): Chausseehäuser im Land Brandenburg. Ein Projekt der Jugendbauhütte Brandenburg/Berlin. -- 14 Faltbl. in Hülle.
- Haeckel, J. (1931): Chausseebau. -- Mitt. Ver. Geschichte Potsdams, NF. Band VI, Heft 4, 1931, S. 302-334.
- Paech, H.-J. (2021): Historischer Abriss der Pflasterung Potsdamer Straßen. -- Mitt. Verein Kultur und Geschichte Potsdams, Studiengemeinschaft Sanssouci e.V., 26. Jg., S. 7-54.